Die Höhle der Löwen: Investor Carsten Maschmeyer im GALA-Interview

Carsten Maschmeyer zeigt sich in der "Höhle der Löwen" von einer sanften, emotionalen Seite. Im GALA-Interview erklärt der Finanzunternehmer warum und wehrt sich gegen die Vorwürfe, chirurgische Eingriffe hätten ihm die Mimik genommen 

GALA: Sie sind das zweite Mal als Investor bei die Höhle der Löwen dabei - und zeigen sich mehr denn je von einer sehr emotionalen Seite. Das überrascht. 

Carsten Maschmeyer: Ich glaube, das ist eine meiner wesentlichen Stärken – die emotionale Intelligenz. Empathie ist für mich das wichtigste und meine Bauchentscheidung bei Abschluss eines Deals treffe ich immer auf der Grundlage der Frage: Hätte ich Lust morgen Früh diese Gründerin, diesen Gründer wiederzusehen? Oder sage ich: Puh, tolles Produkt, da muss ich dann und wann hin. Ich will mit den Menschen wirklich zusammenarbeiten und es ist tatsächlich so: Gute Gründer machen auch ein mittelmäßiges Produkt besser. Ideal ist: First Class Team, First Class Produkt. Aber wenn ich mich entscheiden muss, ist immer der Gründer ausschlaggebend.

Sind sie mehr der Investor Maschmeyer oder der Mensch Maschmeyer, wenn sie in dem "Löwen-Sessel" Platz nehmen? Am Ende ist es ja auch eine TV-Show, in der Sie sich präsentieren.

Maschmeyer: Das ist ein Mix. Ich will etwas fürs Gründertum tun. Auch in den Zeiträumen, wenn ich nicht in die Arbeit zu Die Höhle der Löwen eingebunden bin sehe ich als Investor fast jeden Tag vier bis fünf Gründerteams. Das ist mein täglich Brot. Der Unterschied ist, dass ich bei DHDL von den Ideen und Produkten, die mir die Gründer hier präsentieren, völlig überrascht werde. Hier beurteile ich auch Dinge, die ich in meinem Unternehmen gar nicht zu sehen bekommen hätte, weil mein Team sie schon zuvor ausgesiebt hätte. Wenn ich  mich dann mit diesem Jungunternehmer oder jenem Gründerteam auseinandersetze, ist für mich der menschliche Faktor das Wichtigste. Für mich gilt definitiv: Mensch vor Produkt.

Ihr Name ist vielen Deutschen ein Begriff. Allerdings lange mit anderen Assoziationen. Warum haben Sie die Entscheidung getroffen mit dieser Sendung ganz bewusst ins Rampenlicht zu treten?

Maschmeyer: Mit meinem Engagement bei Die Höhle der Löwen will ich Gründer unterstützen; der positive Nebeneffekt ist: Mittlerweile gibt es kein Gründerteam in Deutschland, das mich nicht kennt. Dadurch bekomme ich auch außerhalb der DHDL viel mehr Erfindungen, Ideen, Konzepte auf den Tisch, die mir vorher nicht präsentiert worden wären. Das heißt, die Bekanntheit der Maschmeyer Group in der Gründerszene – es gibt ja Hunderttausende, die etwas erfinden oder erfunden haben – ist wesentlich gewachsen. Das hilft natürlich auch meinem Unternehmen. So haben wir allein im letzten Jahr mehrere tausend Startups gesehen und beurteilt.

Sie geben überraschend viel über den privaten Carsten Maschmeyer preis und verweisen oft auf ihr Familienleben.

Maschmeyer: Ich bringe vier Seiten in die Sendung ein: Ich bin Gründer-Förderer, ich bin Investor, aber ich bin auch Familienvater und Ehemann sowie Verbraucher. Und bei jeder Präsentation stelle ich mir die Frage: Würde ich das anwenden? Würde ich das nutzen? Oder – wenn ich sage, das ist nicht mein Ding – würde meine Frau, meine Tochter, mein Sohn das nutzen? Ein gutes Beispiel für diese Herangehensweise ist mein Invest in MoveAid. Hier hat eine Mutter dafür gekämpft, dass ihre Tochter, die schon im Mutterleib einen Schlaganfall hatte, mit Hilfe einer selbstkonstruierten Geh-Hilfe aus dem Rollstuhl kommt. Und es war mir völlig egal ob ich das Geld je wiedersehe. Aber wenn mein Invest bewirkt, dass mit Hilfe dieser Technik nur drei weitere Menschen wieder gehen können, hat es sich gelohnt.

Machen Sie sich im Vorfeld viele Gedanken, wie viel sie von sich zeigen wollen und welchen Effekt ihr Auftritt in der Show auf ihr Image haben könnte? Böse Zungen könnten behaupten: Besonders soziale Investements sind von ihnen einfach nur kalkuliert.

Maschmeyer: Das ist doch wirklich Unfug! Wer das behauptet kennt unseren Dreh-Alltag nicht. Denn sie können nicht sechs Pitches an einem Tag durchhalten und dabei eine Rolle spielen. Denn diese Pitches sind ja tatsächlich zwischen einer und zwei Stunden lang und werden dann für das TV-Format auf 15 Minuten gekürzt. Wir haben also ein Pensum so als würden wir sechs Talkshows an einem Tag bewältigen – ohne vorher das Thema zu kennen. Da kann keiner schauspielern. Und ich sowieso nicht, denn meine Frau sagt, ich bin ein völlig unbegabter Schauspieler.

Schon beim Trailer-Dreh war ich mit den Anweisungen zugegebenermaßen überfordert. Da hieß es: Carsten – während du den Kopf von links nach rechts drehst, fängst du an zu lächeln und dabei drehst du den Fuß ein. Ich bewege also den Fuß, vergesse dabei aber den Kopf zu drehen. Dann bewege ich Fuß und Kopf, vergesse aber das Lächeln. Ich lächle, vergesse aber den Rest. Ich kann nur authentisch sein.

Haben Sie in Bezug darauf etwas aus der ersten Staffel, bei er Sie dabei waren, gelernt?

Maschmeyer: Ja; in der ersten Staffel habe ich sehr vorsichtig agiert. Ich wollte auch nicht so viele Gefühle zeigen. Und habe deshalb etwas mit angezogener Handbremse agiert. Dann wurde Kritik laut. Es hieß: Ich sei operiert, gebotoxt, sei starr und könne meine Gesichtsmuskeln nicht bewegen. Daraufhin habe ich für mich entschieden: Ich zeige mich so, wie ich auch privat bin.

Anfangs war es auch nicht einfach, über den Dreh zu reflektieren. Denn wir sehen ja erst bei der Ausstrahlung, also nachdem die ganze Staffel abgedreht war, wie wir in der Sendung waren. Und da habe ich beschlossen: Von jetzt an gebe ich mich so, wie ich bin, auch mit meinen Emotionen. Deswegen: Ich bin wie ich bin, anders würde ich die langen Drehtage auch nicht durchstehen.

Welches Feedback bekamen Sie aus ihrem privaten und beruflichen Umfeld nach der Show?

Maschmeyer: Meine Freunde und Geschäftspartner sagen mittlerweile: "Du bist bei den Pitches so wie wir dich kennen." Wenn man aber – wie ich zuvor – CEO eines MDAX-Unternemens ist, dann bereitet die Investor-Relations-Abteilung sehr genau vor, was man auf Fragen von Analysten antworten soll; und dabei geht es natürlich auch darum nicht emotional zu wirken, sondern möglichst ernst zu gucken.

Es ist ja auch nachvollziehbar, dass Sie bei Verkündung von Umsatzzahlen Gewinnsteigerung oder -verringerung nicht lachen und fröhliche Sprüche von sich geben. Da würde zu Recht der Vorwurf laut werden: Hier nimmt jemand seinen Job nicht ernst. Diese Rolle müssen Sie als CEO erfüllen.

In dieser Business-Welt wird jedes Wort auf die Goldwaage gelegt. Dieser nur sachorientierte CEO zu sein, der sich total unter Kontrolle hat, fiel mir schwerer, weil ich als Mensch auch eine emotionale Seite habe und die auch gerne zeige. Insofern kann ich in der Höhle der Löwen sagen: Hier kann ich sein, wie ich bin.

In der Höhle der Löwen wissen Sie vor dem Pitch nicht, was auf sie zukommt. Normalerweise laufen die Prozesse in ihrem Unternehmen ganz anders ab. Da wird jedes Produkt sorgfältig geprüft. Wie reagiert ihr Team, auf die Deals aus DHDL?

Maschmeyer: Ein Teil meines Investment-Teams sitzt während der Aufzeichnung hier im Studio, eine Etage höher und erlebt am Fernseher die Pitches live. Wenn wir uns dann in der Pause sehen, dann reden wir natürlich über die Deals. Und es kommt schon mal vor, dass meine Mitarbeiter  bei fünf abgeschlossen Handschlag-Deals dreimal “super” sagen, einmal "joa, könnte klappen" und einmal "Hatten sie Mitleid?" oder "Warum haben sie nicht so scharf nachgefragt?"( lacht)

Haben Sie denn auch negative Erfahrungen mit ihren abgeschlossenen Deals gemacht?

Maschmeyer: Wir haben - und das ist auch schön - noch keine einzige Insolvenz bei unseren Investments hier. Und nur zu investieren, um eine Notlage abzuwenden, wäre unsinnig, denn man darf nicht gutes Geld in Produkte stecken, die sich als nicht verkaufsfähig erweisen. Wenn es schief geht, nicht läuft und keiner kauft es, dann können sie noch mehr Geld reinstecken, und trotzdem kauft es dann keiner. Hier gilt: Wir können es in die Läden reinbringen, dort rausholen müssen es die Kunden.

SAT.1 hat eine weitere Gründershow mit ihnen herausgebracht – mit mäßigem Erfolg. Sie haben die Kritik mit Humor genommen und einen Wettbewerb ausgerufen, in dem sie den „bissigsten“ Kommentar honorieren wollten. Sind sie privat auch ein selbstironischer Mensch?

Maschmeyer: Ich kann über mich lachen. Es wäre doch schade, wenn ich das nicht könnte. Am schönsten sind Witze, in die man sich selbst einbringen kann. Gerade auf diesen Aufruf gab es begeisterte Reaktionen. Der Sieger schrieb uns dann, er wolle ein Darlehen aufnehmen und sich einen gebrauchten Kleinwagen kaufen. Er brauchte das Darlehen dann nicht mehr. Diese SAT1.-Sendung war zu gründerspezifisch, zu startup-detailliert und für die breite Masse nicht entertaining genug. Das kann man nicht Prime-Time um 20.15 Uhr bringen. Vielleicht hätte das Format bei einem Spartensender ein interessierteres Publikum gefunden.

Aber im Schnitt 900.000 Menschen, die ein Interesse am Gründen haben, haben in der Sendung gesehen, wie wichtig Patentanwälte sind, wie ich Uni-Professoren für meine Idee begeistere. In der Gründerszene, die fast ohnehin nur online gucken, habe ich meine komplette relevante Zielgruppe erreicht.

In was investieren Sie privat am meisten?

Maschmeyer: Das größte und wichtigste Investment für mich war das Investment in die schulische, berufliche und auch allgemeine Förderung unserer Kinder. Denn alles, was Menschen erreichen, basiert auf Wissen, Bildung und aber auch darauf Werte zu fördern wie Ehrlichkeit, Durchhaltevermögen und Mut. Ich bin sehr froh, dass uns unsere Kinder immer so wichtig waren und wir viel Zeit in sie investierten: Das ist mehr ein Zeitinvestement als ein Geldinvestement. Mein zweitwichtiges wird von Jahr zu Jahr wichtiger: das Investment in Gesundheit. Dass man auf sich aufpasst, Nahrungsergänzungsmittel, gesunde Ernährung, genug Schlaf, nicht so viel Stress – auch das wird auch von Jahr zu Jahr wichtiger.

Judith Williams

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