Die Höhle der Löwen: Frank Thelen im Interview: "Deals werden weiterhin platzen"

Heute Abend steigt das große Finale der diesjährigen "Die Höhle der Löwen"-Staffel. GALA traf Investor Frank Thelen zum Interview und sprach mit dem 42-Jährigen über den Erfolg der Sendung, warum immer wieder Deals platzen und wieso er in der kommenden Staffel etwas vermissen wird

Frank Thelen 

Seit Staffel Eins ist als Investor fester Bestandteil des Erfolgsformats "Die Höhle der Löwen". Zum Finale der inzwischen vierten Staffel trafen wir den 42-Jährigen in Hamburg in der Elbphilarmonie. Gewohnt in Jeans und Hemd tritt uns der Löwe super entspannt und offen gegenüber und hatte auf wirklich jede Frage eine passende Antwort parat.

Erst kürzlich wurde bekannt gegeben, dass es auch im kommenden Jahr wieder eine Staffel "Die Höhle der Löwen" geben wird. Es ist bereits die fünfte Staffel und sie sind von Anfang an dabei - wie ist ihr Gefühl?

Ich muss sagen ich bin immer wieder überrascht über den Erfolg der Sendung. Ich habe wenig Ahnung vom Fernsehgeschäft. Ich bin Unternehmer, Gründer und Techniker und bin in diese Show aus Zufall und Spaß reingekommen. Eigentlich nur für eine Staffel, um mal zu sehen wie Fernsehen funktioniert. Heute ist die Show eine der erfolgreichsten im deutschen Fernsehen, womit ich nie gerechnet hätte. Das ist alles schon etwas verrückt und ich freue mich auf die nächste Staffel – aber es geht mir im guten wie im schlechten einfach um die Startups. Ich sitze da als Investor. Ich spiele keine Rolle, sondern es geht mir darum, Startups zu finden, in die ich investieren kann, die ich groß machen kann, mit denen ich auch viel Geld verdienen kann. Ich bin da nicht so emotional wie manche Löwenkollegen, aber die verschiedenen Charaktere machen auch den Reiz der Sendung aus. Immer mehr Startups bedeuten natürlich auch immer mehr Arbeit. Ich bekomme das alles hin, aber die Verantwortung ist enorm groß und ich möchte alle gut betreuen und aus den meisten langfristig erfolgreiche Unternehmen machen.

Wie sehen sie die Entwicklung der Sendung persönlich? Was hat sich von Staffel zu Staffel verändert und was haben sie für sich daraus mitgenommen?

Ich denke, dass wir mit „Die Höhle der Löwen“ einen Nerv getroffen haben. Sony hat den richtigen Spagat gefunden zwischen Entertainment auf der einen Seite – einer Po-Dusche, einem Welpen, der vor mir sein Geschäft macht – und einer informativen Sendung über Investments und Unternehmensgründung auf der anderen Seite.  "Die Höhle der Löwen" erklärt den Menschen zu Hause auf eine spielerische Art und Weise, woraus sich ein Unternehmen zusammensetzt, was ein Investment und was ein Darlehen ist. Es ist eine magische Mischung aus Entertainment und der Einführung in diese neue, mystische Startup-Welt, die auch heute Abend viele Menschen in die Elbphilharmonie zur "Online Marketing Rockstars Podcast Nacht" zieht. Als ich vor zwanzig Jahren mein erstes Startup gegründet habe, galt ich noch als arbeitslos. Verrückt, was sich seitdem getan hat. 

Auch die Löwen-Besetzung bleibt beinahe gleich in der kommenden Staffel. Jedoch teilen sich und Dr. einen Platz – das wird natürlich für Abwechslung sorgen – positiv oder negativ aus ihrer Sicht?

Georg ist in super Typ – aber ich muss auch betonen, dass ich einfach ein Judith-Fan bin. Wir beide machen das jetzt schon lange zusammen und Judith ist einfach ein Naturtalent und auch ein großer Entertainment-Faktor. Ich freue mich, dass sie wieder dabei ist, aber ich werde Judith auch an den Tagen, an denen sie nicht da ist, vermissen, weil ich sie wirklich für eine großartige Persönlichkeit halte.

Wie gehen sie mit Kritik und Schlagzeilen um wenn beispielsweise ein Deal platzt?

Deals platzen. Bei mir sind viele Deals geplatzt, besonders in den ersten Staffeln. Das lässt sich leider nicht vermeiden, weil man nun mal während der Aufnahmen die Startups nicht wirklich durchleuchten kann, sondern auf sein Bauchgefühl vertrauen muss. Aber die Löwen sind mit den Staffeln besser geworden und auch die Deals, die reinkommen sind wesentlich hochwertiger als noch in der ersten Staffel. Die Gründer haben die früheren Staffeln gesehen und daraus gelernt. Aufgrund dieser Kombination sind weniger Deals geplatzt. Aber natürlich platzen auch jetzt noch Deals. Warum? Wenn ich in der Show einen Deal mache, dann will ich den wirklich machen und vertraue den Gründern. Doch wenn man im Nachhinein in die Zahlen reingeht und die nicht stimmen, dann kann ich diesen Deal nicht machen, so leid mir das tut. Es kommt auch schon mal vor, dass die Gründer keine Ahnung davon haben, was es heißt, mit einem professionellen Investor wie mir zu arbeiten. Denn es gibt nicht nur viele Vorteile für die Startups, sondern eben auch Herausforderungen wie professionelle Geschäftsführerverträge. Für mich zählt, dass ich die Deals, die ich mache, zu großen, unabhängigen Unternehmen aufbauen will. Ich bin wirklich stolz darauf, was wir geschaffen haben. Aber dazu gehört eben auch, dass man nur Deals macht, bei denen wirklich alles passt. Deshalb werden weiterhin, zumindest bei mir, Deals platzen, wenn Dinge nicht stimmen. 

Wie kommt es bei Ihnen zum Deal?

Es kommt erstmal darauf an, ob ich die Gründer gut finde. Wichtig ist ein starker Gründer, im besten Fall ist es ein diversifiziertes starkes Team: Ein Marketing-Experte, ein Zahlen-Genie, ein Kommunikator  – ein Traum! Danach stelle ich mir folgende Fragen: Haben sie ein gutes Produkt? Kann man das groß machen? Haben sie einen unfairen Vorteil? Dabei geht es darum, dass sie irgendwas besser können oder etwas haben, was andere nicht haben. Beispielsweise eine Software, die niemand hat oder der Vater eines Gründers lebt in China und hat die größte Produktionsfirma der Welt – was auch immer. Wenn das Team stimmt, das Produkt skalierbar ist, der unfaire Vorteil da ist und ich Bock drauf habe, dann schaue ich auf die Bewertung. Bei einem Deal geben wir ja eben nicht nur das Geld, sondern es ist wirklich mein Vollzeitjob. Ich habe keinen anderen Job als für diese Start-ups da zu sein. Ich bekomme kein Gehalt, ich rechne nicht mal meine Reisekosten ab. Ich mache zwar ein Cash-investment, aber mein Team und ich gehören auch zu einem Deal und bereiten den Gründern keinerlei Kosten. Deshalb sage ich: Unter 20 Prozent mache ich eigentlich keine Deals, denn ich mache dann ja auch die anderen 80 % groß. Das ist bei unserem Einsatz ein sehr faires Verhältnis. 

Nicht jeder hat die Möglichkeit in der Höhle der Löwen um Aufmerksamkeit und ein Investment zu buhlen. Was raten sie Gründern heutzutage? Ist es heute noch realistisch eine Idee aus komplett eigener Kraft und ohne finanziellen Background aufzubauen?

Definitv! Da gibt es auch ganz tolle Erfolgsgeschichten. Du kannst heutzutage mit weniger Geld eine ganze Menge machen. Es lassen sich sehr viel schneller und günstiger als früher beispielsweise Prototypen herstellen. Dann lässt sich über Influencer-Marketing viel bewegen. Dabei muss der Influencer zwar in Vorleistung gehen, doch sobald es erfolgreich wird, bekommen sie ein Kick-back. Früher war es nur möglich Werbung in großen, teuren Medien zu schalten, das war oder ist nur etablierten Marken möglich. Natürlich muss man sich durchkämpfen – aber das unterscheidet einen Erfinder von einem Unternehmer. Der Unternehmer findet einen Weg sein Produkt zu verkaufen und bekannt zu machen. Die Möglichkeiten für Unternehmer sind so gut wie nie zuvor. 

Wie viele Startups verlaufen dennoch im Sand?

Ich habe keine Zahl, aber wenn sie mich fragen: 99%. Die, die überleben sind eine ganz kleine Anzahl, aber diese 1% sind eben bereit durch die Scheiße zu laufen. 

 


Mehr zum Thema

Star-News der Woche