Devid Striesow: "Dann nehme ich meinen Hut!"

Der umstrittene "Tatort"-Kommissar Devid Striesow über seinen Umgang mit Kritik, Erfolgsdruck - und seine Multikulti-Familie

Die Quote war top: 9,3 Millionen "Tatort"-Fans schalteten ein, als Devid Striesow vor einem Jahr erstmals als Jens Stellbrink ermittelte. Die meisten Kritiken fielen dagegen mies aus. Der neue Kommissar aus Saarbrücken sei "ein Schluffi", die Inszenierung "albern, konfus und langweilig". Nach dem zweiten Fall forderten einige "Tatort"-Fans sogar Striesows Absetzung. Dementsprechend schwer lastet, kurz vor Ausstrahlung seines dritten Einsatzes, der Erfolgsdruck auf ihm. Beim Interview in Berlin wirkt der 40-Jährige nachdenklich.

Wie sind Sie mit der teilweise harschen Kritik auf Ihren Einstand als "Tatort"-Kommissar umgegangen?

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Ich habe mich in dieser Zeit umso mehr über positives Feedback gefreut. "Kaurismäki trifft Breaking Bad", schrieb ein Kritiker. Das tat gut! Aber der Shitstorm ist mir natürlich nicht entgangen. Und die Heftigkeit der Negativität hat mich gewurmt und mir auch ganz schön wehgetan.

Hochspannung: In seinem neuen Fall "Adams Alptraum" (ARD, So., 26.1., 20.15 Uhr) bekommt es Kommissar Stellbrink (Striesow, hier mit Kollegin Lisa Marx) mit Lynchjustiz und Pädophilie-Vorwürfen zu tun.

In der aktuellen Folge "Adams Alptraum" liegt der Fokus eindeutig auf dem spannenden Fall. Skurriler Humor findet kaum noch statt. Ist das eine Reaktion auf die Kritik?

Die ersten beiden Fälle haben wir im Doppelpack produziert. Und als nach der Ausstrahlung des zweiten Falls der Shitstorm losging, steckten wir bereits mitten in den Dreharbeiten für "Adams Alptraum". Da war an eine Überarbeitung des Drehbuchs nicht mehr zu denken. Insofern kann man definitiv nicht von einer Reaktion sprechen.

Ihren zweiten Fall haben 8,3 Millionen Zuschauer gesehen. Eigentlich immer noch eine Spitzenquote - im "Tatort"-Universum gilt sie aber als eher schwach. Ist der Druck da nicht unglaublich hoch?

Ich werde am Montag nach der Ausstrahlung von "Adams Alptraum" sicher mit Herzklopfen auf die Veröffentlichung der Quote warten. Denn natürlich wollen wir alle im Team Bestquoten erreichen - oder sie zumindest auf relativ hohem Niveau halten. Druck ist also auf jeden Fall spürbar.

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Und falls nun doch noch mehr Fans abspringen?

Wenn die Zuschauer am Ende entscheiden, dass sie uns nicht mehr sehen wollen, dann würde ich die Konsequenzen ziehen und notfalls auch meinen Hut nehmen. Ich habe mir diese Gedanken aber bereits im Vorfeld gemacht und bin deshalb in dieser Frage ganz entspannt.

Stimmt es, dass Ihre Frau Francine, mit der Sie seit 2008 verheiratet sind, früher immer bei Dreharbeiten dabei war?

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Ja, eine Zeit bin ich per Wohnmobil mit meiner Familie zum Dreh gefahren. Da meine Adoptivtochter, die Francine mit in die Ehe gebracht hat, inzwischen in Berlin zur Schule geht und wir ja noch weiteren Nachwuchs bekommen haben, ist das aber leider nicht mehr möglich. Das wäre auch ein viel zu großes Chaos und Gewusel. Denn unsere jüngsten Kids halten uns ganz schön auf Trab.

Hat Francine - sie stammt ja aus Kamerun - nicht oft Heimweh?

Nein, überhaupt nicht.

Seit 2013 ist Devid Striesow mit Francine verheiratet, die eine heute neunjährige Tochter mit in die Ehe brachte. Die gemeinsamen Kinder sind eins und drei.

Wie erklären Sie sich das?

Die fünf Brüder meiner Frau leben auch alle in Berlin. Insofern sind die Familienbande ja nicht zerrissen. Generell ist Francine eine sehr starke Frau. Sie hat sich gut in Deutschland eingelebt, hat viele Freunde und lebt alles andere als isoliert.

Wer gibt in Erziehungsfragen den Ton an?

Eindeutig meine Frau. Aufgrund meines Berufs bin ich ja immer nur für eine gewisse Zeitspanne zu Hause - und da wäre es doch einfach unfair, wenn ich auf einmal den Autoritären mime und Francine dazwischenpfusche.

Sie und Ihre Familie leben ein wunderbares Beispiel für Multikulti-Gesellschaft und Integration. Doch wie liberal und tolerant ist Deutschland in Ihren Augen heute tatsächlich?

Zunächst mal ist es ja Fakt, dass der Alltag in Deutschland ohne Zuwanderer und Multikulti gar nicht mehr funktionieren würde. Und auf den ersten Blick läuft es ja auch ganz ordentlich. Ich befürchte allerdings, dass Tugenden wie Liberalität und Toleranz nach wie vor ziemlich brüchig sind - nicht nur in Deutschland.

Wie meinen Sie das?

Schauen Sie zum Beispiel auf den Fall von Ex-Jugoslawien: Rund siebzig Jahre lebten die Menschen dort friedlich miteinander - bis religiöse Feindbilder geschaffen wurden und alles den Bach runterging. Ich befürchte, sobald es Deutschland wirtschaftlich wieder einmal richtig schlecht geht, könnte die Stimmung schnell kippen. Dann könnten Minderheiten wie Migranten oder Homosexuelle wieder Zielscheibe sein.

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