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Depeche Mode Große Gefühle

Martin Gore, 51, und Dave Gahan, 50, Andrew Fletcher, 51, posieren für die Presse im Oktober in Paris.
Martin Gore, 51, und Dave Gahan, 50, Andrew Fletcher, 51, posieren für die Presse im Oktober in Paris.
© Reuters
Nach vier Jahren Pause melden sich "Depeche Mode" mit Volldampf zurück. Warum die Band auch nach 33 Jahren begeistert und wie es Sänger Dave Gahan heute wirklich geht

Manchmal können einem die Rihannas und Justin Biebers des Popbiz ja etwas leid tun. Tagtäglich müssen sie ihre Anhänger mit Twitter-Nachrichten, Fotos auf Instagram und PR-Klimbim bei der Stange halten. Bei "Depeche Mode" dagegen reicht die bloße Ankündigung, man werde mit "Delta Machine" ein neues Album herausbringen – und die Musikwelt ist aus dem Häuschen. Seit Wochen diskutieren Fans im Netz über die Platte, die Deutschlandkonzerte im Juni sind nahezu ausverkauft. Gerade haben Dave Gahan & Co. angekündigt, dass sie ihre Tournee bis nach Südamerika und Asien ausdehnen wollen.

"Depeche Mode" sind also wieder zurück auf der Weltbühne. Sie werden gesponsert von der Telekom, kooperieren mit der Schweizer Luxusuhrenfirma Hublot (der Erlös des limitierten "Depeche Mode"-Chronometers fließt in ein Charity-Projekt), promoten in dieser Woche ihre CD mit Auftritten in New York, Berlin und Wien. Dabei fragten sich zuletzt viele, ob die Band noch mal im großen Stil antreten würde. 2009 hatte das Trio seine Tour abbrechen müssen, weil bei dem erschöpften Dave Gahan ein bösartiger Blasentumor festgestellt worden war. Heute erscheint der Sänger, der in den Neunzigerjahren kokain- und heroinabhängig war, bei Interviews zwar hager und etwas angegraut, aber voller Elan. Nein, es gehe ihm gut, alles okay, erklärt er. Ist er gesund? Es scheint so.

Mittlerweile führen sowohl Gahan als auch Gitarrist Martin Gore, die sich früher oft in die Haare bekamen, ein geordnetes Leben. Keine Schlagzeilen, keine Skandale.

Gore lebt mit seiner Familie in Santa Barbara, Gahan in New York. Mit seiner dritten Ehefrau hat er zwei Kinder. Der einzige Streitpunkt zwischen ihnen sei die Frage, wie die Spülmaschine einzuräumen sei, erzählte Gahan dem "Guardian". Das ist das Besondere an "Depeche Mode". Sie sind eine dieser Mega-Bands, 33 Jahre dabei – und haben trotzdem so gar nichts Überdrehtes.

So frisch, wie Gahan wirkt, klingt auch das neue, 13. Album "Delta Machine". Martin Gore, Dave Gahan und Andrew Fletcher haben es ein weiteres Mal geschafft, Stücke mit faszinierender Kraft und tollen Melodiebögen zu komponieren. Wie die Single "Heaven", eine Ballade mit einem Dave Gahan in Höchstform. Weniger Gitarren. Mehr Synthie. Viel Drama. Große Gefühle.

"Ich kann nur in Moll schreiben. Ist realistischer", hat Martin Gore mal gesagt. Das trifft natürlich auch auf "Delta Machine" zu. Realistisch betrachtet: "Depeche Mode" haben es wieder mal geschafft, dass Altbekanntes nicht alt klingt.


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