David Kross + Frederick Lau im Interview: "Wir sind viel Hand in Hand durch die Gegend gelaufen"

In dem Film "Simpel" spielen Frederick Lau und David Kross Geschwister - einer gesund, der andere geistig behindert. Im Interview mit GALA sprechen die Schauspieler über die schwierigen Dreharbeiten und die Bedeutung von Familie

David Kross, Frederick Lau

Schon im Interview wird deutlich: Frederick Lau, 28, und David Kross, 27, sind nicht nur Kollegen, sondern auch Freunde. Das ist nicht verwunderlich, schließlich haben die beiden intensive Dreharbeiten für den Film "Simpel" (Kinostart: 9. November) hinter sich. In dem berührenden Drama macht sich Ben (Frederick Lau) mit seinem geistig behinderten Bruder Simpel (David Kross) auf die Suche nach ihrem leiblichen Vater. Denn nach dem Tod der Mutter will Ben unbedingt verhindern, dass Simpel von ihm getrennt wird und in ein Heim kommt. Im Gespräch mit GALA verraten die Darsteller, was für sie der Reiz des Streifens war und warum sie als Vorbereitung Hand in Hand durch die Gegend gelaufen sind.


Was hat für Sie den besonderen Reiz des Films ausgemacht?

David Kross: Auf jeden Fall die Geschichte und natürlich auch die Rolle. Ich hatte unglaublich Lust auf die Figur und die Herausforderung. Ich bin zum Casting eingeladen worden und wollte die Rolle sehr gerne haben. Ich musste Simpel aber auch erst einmal finden im Laufe des Castingprozesses und auch danach. Zudem war ich super glücklich mit der Besetzung und auch die Aussicht mit Markus Goller zusammenzuarbeiten, hat mich gereizt. Und deshalb hat sich das für mich richtig angefühlt.
Frederick Lau: Ich habe das Buch gelesen und hatte kurz Angst, dass es ins Alberne gehen könnte oder Ähnliches. Wenn man so ein Thema anspricht, dann macht man sich erst Sorgen. Aber das hätte ich mir gar nicht machen müssen. Natürlich wollte ich Markus Goller gerne kennenlernen und bin dann zum Casting. Und ich wollte gucken, was David so aus der Rolle macht. Er hat mich beim Casting aber mehr als überzeugt. Ich hab total Spaß gehabt, ihm dabei zuzusehen, wie er noch dabei war, Simpel zu kreieren. Und da wusste ich, dass ich alles tun muss, um Teil des Films sein zu dürfen. Das Buch war gut, aber ich glaube, dass ein noch besserer Film daraus geworden ist. Wir haben beide eine Reise gemacht, sowohl als Schauspieler wie auch als Mensch.

Wie haben Sie es geschafft, die Nähe zwischen den Brüdern herzustellen?

Frederick Lau: Ganz wichtig war es uns, dass die Beziehung zwischen den Brüdern richtig rüberkommt. Da haben wir uns intensiv drauf vorbereitet und sind viel Hand in Hand durch die Gegend gelaufen (Lachen). Wir haben dadurch ausprobiert, wie die Wirkung von außen auf die beiden ist und wie wir eine gewisse Körperlichkeit und Nähe reinbringen können. Ich glaube, dass es ganz viel um Vertrauen ging zwischen uns beiden.

David Kross: "Zur Vorbereitung war ich in einem Behindertenheim"

Wie würden Sie denn die Dynamik zwischen Simpel und Ben beschreiben?

Frederick Lau: Meine Rolle Ben denkt ja, dass Simpel ihn braucht. Er macht sich Sorgen, dass Simpel ohne ihn nicht existieren kann und will nicht, dass dieser ins Heim kommt. Wenn ich an meine Eltern denke, würde ich auch nie wollen, dass die in ein Heim ziehen. Was aber meiner Meinung nach im Film auch durchkommt, ist, dass Ben Simpel noch viel mehr braucht als er ihn. Für ihn ist es ein Prozess des Loslassens und er muss feststellen, dass auch andere Menschen sich um Simpel kümmern können und er bei ihnen auch glücklich sein kann.

Sie spielen im Film die Hauptfigur Simpel, ein junger Mann mit geistiger Behinderung. Wie haben Sie sich auf diese Rolle vorbereitet?

David Kross: Ich habe mit Psychologen viel gesprochen, weil ich selber eher wenig Kontakt zu Behinderten hatte und deshalb nicht wusste, ob es authentisch ist, was ich da mache. Und da wollte ich herausfinden, wie so etwas zustande kommt, und wie diese Menschen emotional auf bestimmte Situationen reagieren. Zudem habe ich mit Markus Goller und auch alleine ein Behindertenheim besucht und dort viel Zeit verbracht, um zu schauen, wie man die Rolle ansetzen kann. Und während des Drehs ging es dann auch darum, in dieser Rolle drin zu bleiben.

Die Protagonisten im Film gehen sehr unterschiedlich mit der geistigen Behinderung von Simpel um. Einige sind komplett vorurteilsfrei, andere reagieren ablehnend. Haben Sie den Eindruck, dass das auch den Umgang unserer Gesellschaft mit geistig Behinderten widerspiegelt?

Frederick Lau: Für mich war es das Wichtigste, das das Ganze auch eine gewisse Nachvollziehbarkeit hat. Es gibt ja bei einigen Menschen gewisse Ängste und ich hoffe, dass wir es schaffen mit dem Film, den Leuten Ängste zu nehmen. Es geht nicht darum, dass wir den Menschen zeigen müssen, wie sie zu reagieren haben, sondern dass es etwas ganz Normales ist. Was wir beim Drehen gemerkt haben, ist, dass es total viel Spaß macht mit diesen Leuten zusammenzuarbeiten. Ich glaube, man muss erst einmal in den Genuss kommen mit Menschen wie Simpel konfrontiert zu werden. Vor Neuem hat man natürlich erst einmal Angst, aber mir wurden diese Ängste während der Dreharbeiten total genommen.

Frederick Lau: "Familie ist für mich das Größte überhaupt"

Der Vater von Simpel und Ben distanziert sich im Film sehr stark von Simpel und kann mit der geistigen Behinderung seines Sohnes nicht umgehen. Können Sie das nachvollziehen?

Frederick Lau: Ich glaube, man kann keinem Menschen vorschreiben, wie er zu reagieren hat. Insofern würde ich mir nicht zutrauen, jemanden zu sagen, so oder so hast du mit diesen Menschen umzugehen. Jeder Mensch ist unterschiedlich und oft stecken dahinter einfach Ängste. Ich glaube, wie mit allen Ängsten, sollte man denen gegenübertreten, um dadurch ein gewisses Verständnis zu erlangen. Und dadurch, dass sich der Vater der beiden so sehr davor verschließt, nimmt er sich die Chance, von Simpel zu lernen, weil Menschen wie Simpel einige Dinge verstanden haben, die andere noch gar nicht gecheckt haben.

Die Familie – in den unterschiedlichsten Formen – spielt im Film eine große Rolle. Wie wichtig ist Familie für Sie selbst?

Frederick Lau: Ich habe mit meiner Frau zwei Kinder und für mich ist es das Größte, was es überhaupt gibt. Ich bin ohne Bruder aufgewachsen und deshalb war es für mich unglaublich interessant, diese bedingungslose Liebe, die man nicht erklären kann, die einfach da ist, nachzuvollziehen. Und ich glaube, man muss selber Familie haben, um das überhaupt so spüren zu können.
David Kross: Ich habe ja auch Geschwister u.a. zwei Brüder und bei Geschwistern ist das ja so, dass man mal streitet oder sich provoziert. Aber man weiß halt, dass er nicht weglaufen und sagen kann: ‚Ich bin jetzt nicht mehr dein Bruder‘ anders wie zum Beispiel bei Freunden. Und das ist bei Ben und Simpel eben genauso.

Sie haben beide in Ihrer Karriere ganz unterschiedliche Figuren gespielt. Wonach wählen sie ihre Rollen aus?

David Kross: Es ist schwer, das in Worte zu fassen. Es ist meistens mehr ein Gefühl. Manchmal dauert die Entscheidung, für eine Rolle sehr lange und man muss mehrere Nächte darüber schlafen. Es ist oft ein sehr organischer Prozess. Ich lese das Drehbuch und lege es danach erst einmal beiseite und oft wache ich dann auf und weiß dann, ob es das Richtige für mich ist. Das ist aber immer unterschiedlich.
Frederick Lau: Ich finde auch, dass man das gar nicht wirklich sagen kann. Manchmal liest man ein Drehbuch im Flugzeug und beginnt im Kopf schon, die Rolle für sich zu kreieren, obwohl man sie noch gar nicht bekommen hat (Lachen). Aber das ist auf jeden Fall ein gutes Zeichen, dass die Rolle das Richtige für dich ist.

Unsere Videoempfehlung:

Frederick Lau

So schwärmt er von seiner Familie

Frederick Lau: So schwärmt er von seiner Familie
©Gala


Themen

Erfahren Sie mehr:

Star-News der Woche