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"Grace and Frankie" Coronakrise: Serienempfehlungen gegen Langeweile

Grace (Jane Fonda) und Frankie (Lily Tomlin)
Grace (Jane Fonda) und Frankie (Lily Tomlin)
© Melissa Moseley/Netflix
Die aktuelle Nachrichtenlage sorgt für reichlich Unmut. Mit diesen Serien können Sie die Zeit zuhause angenehm verbringen, Ihre Stimmung aufhellen und der Monotonie trotzen.

Die allgemeine Stimmung ist momentan gedrückt. Öffentliche Veranstaltungen wie Konzerte werden abgesagt, Orte wie Museen und Kinos geschlossen. Zudem wird der Bevölkerung nahegelegt, möglichst viel Zeit in den eigenen vier Wänden zu verbringen, um die Verbreitung des Virus einzudämmen. Durch das vor Kurzem erlassene Kontaktverbot, ist das soziale Leben vorerst gestrichen. Doch dadurch bleibt immerhin mehr Zeit andere Dinge. GALA empfiehlt diese Serien, die in solch unruhigen Zeiten für Ablenkung sorgen.

Serienempfehlungen von GALA

Der Dschungel der Streamingdienste bietet heutzutage endlose Möglichkeiten. Damit Sie Ihre Zeit nicht mit Suchen verschwenden, hat GALA die besten Serienempfehlungen gegen (Corona bedingte) Langeweile für Sie zusammengestellt.

"Grace and Frankie"

Beim gemeinsamen Abendessen in einem vornehmen Restaurant überraschen Robert (Martin Sheen, 79) und Sol (Sam Waterston, 79) ihre langjährigen Ehefrauen Grace (Jane Fonda, 82) und Frankie (Lily Tomlin, 80) mit einer besonderen Verkündung: Die vergangenen 20 Jahre waren sie nicht nur Partner in einer Anwaltskanzlei, sondern auch Liebespartner. Nun möchten sie den Ruhestand gemeinsam genießen, heiraten und sich dementsprechend von ihren Frauen scheiden lassen.

Aus Mangel an Alternativen ziehen Grace und Frankie gemeinsam in das ihnen überlassene Strandhaus ein. Jetzt müssen die sehr unterschiedlichen Frauen - Grace ist erfolgsgetrieben, snobistisch und ernährt sich in erster Linie von Martinis, während Frankie ein esoterischer Freigeist ist, der in Hippie-Montur das Haus mit Salbei ausräuchert - miteinander klarkommen. Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft?

"Grace and Frankie" wurde von "Friends"-Macherin Marta Kauffman, 63, erschaffen - ein hoher Comedy-Faktor ist also vorprogrammiert. Doch die Protagonistinnen stehen vor den Scherbenhaufen ihrer Ehen. Sie fühlen sich nicht nur betrogen, sondern betrachten ihr gesamtes Leben retrospektiv als Lüge. Immerhin haben sowohl Grace und Robert als auch Frankie und Sol jeweils zwei Kinder großgezogen, die von den Coming-Outs übrigens ebenso überrascht sind wie ihre Mütter. Und auch Robert und Sol fällt es, trotz ihrer Gefühle zueinander, schwer, ihre Frauen, mit denen sie ihr Leben teilten, zu verlassen. All dieser Schmerz findet in dieser wunderbaren Comedy-Serie Raum, ohne wie ein Fremdkörper zu wirken. Den Machern gelingt es unglaublich gut, eine Balance zwischen emotionalen und lustigen Momente zu halten.

Robert (Martin Sheen), Sol (Sam Waterston), Frankie (Lily Tomlin) und Grace (Jane Fonda)
Robert (Martin Sheen), Sol (Sam Waterston), Frankie (Lily Tomlin) und Grace (Jane Fonda)
© Melissa Moseley/Netflix

Auch wenn echte Emotionen eine Rolle spielen, ist "Grace and Frankie" vor allem eins - wahnsinnig komisch. Das liegt primär an den fabelhaften Leading Ladies: Jane Fonda spielt die hochnäsige und vermeintlich gefühlskalte Businessfrau mit reichlich Finesse. Lily Tomlin porträtiert die künstlerisch veranlagte Flower-Power-Frau derart liebenswürdig, dass der Zuschauer ihr augenblicklich verfällt. Besonders witzig ist natürlich die Kombination dieser beiden Charaktere, die unverhofft, trotz all ihrer Unterschiede und Meinungsverschiedenheiten, ihren Lebensabend miteinander verbringen. Und dabei verzichten die Macher gänzlich auf "Großmutter"-Klischees. Die Serie ist äußerst scharfsinnig und beschäftigt sich humorvoll mit realistischen Problemen oder Hürden, mit denen sich Frauen über 70 eventuell konfrontiert sehen.

"Grace and Frankie" besticht mit wunderbarem Humor und einem fabelhaften Cast: Neben den Leading Ladies glänzen auch Martin Sheen und Sam Waterston als Robert und Sol, die sich auch vor ihrer Heirat wie ein altes Ehepaar verhalten. June Diane Raphael, 40, spielt Graces Tochter Brianna, die der Zynismus in Person ist - auch sie sorgt für viele Lacher. Diese Serie hat sehr viel Herz, jede Menge Komik und macht definitiv süchtig. Alle sechs Staffeln von "Grace and Frankie" sind bei Netflix verfügbar - die siebte und finale Staffel folgt 2021.

"The Sinner" - spannendes Rätselraten

Cora Tannetti (Jessica Biel, 38) führt ein vermeintlich perfektes Leben: Sie ist mit ihrem Mann Mason (Christopher Abbott, 34) glücklich verheiratet und gemeinsam arbeiten sie in der Firma seiner Eltern. Doch Cora scheint oft abwesend zu sein: Sie driftet gedanklich ab und ist sich währenddessen ihrer Taten nicht bewusst.

Als sie einen sonnigen Tag mit Mason und ihrem gemeinsamen Sohn Laine (Grayson Eddey, 6) am See verbringt, geschieht das Unfassbare: Cora benutzt kurzerhand das Messer, mit dem sie gerade eine Birne für ihren Sohn geschält hat, um einen ihr unbekannten Mann brutal zu erstechen. Cora wird verhaftet und gesteht den Mord unmittelbar, doch ihr Motiv bleibt rätselhaft. Mit dem Geständnis geben sich die Ermittler zufrieden - alle bis auf Detective Harry Ambrose (Bill Pullmann, 66). Er will der Sache auf den Grund gehen und herausfinden, was die Mutter zu dieser Tat brachte. Dabei stößt er auf dunkle Geheimnisse ...

Wie kann eine scheinbar normale Frau einen fremden Menschen grundlos und kaltblütig umbringen? Diese Frage möchte auch Detective Ambrose, der sich gerade selbst in einer Lebenskrise befindet, beantworten: Des Rätsels Lösung muss in Coras Vergangenheit verborgen sein - das ist dem Zuschauer klar, mehr aber auch nicht. Denn die Serie, deren erste Staffel auf dem Buch "Die Sünderin" der deutschen Autorin Petra Hammesfahr, 68, basiert, liefert dem Publikum nur kleine Fragmente, die zum großen Ganzen gehören.

"The Sinner" ist ab der ersten Folge spannend, denn es beginnt mit dem Mord. Im weiteren Verlauf stellt sich demnach nicht, wie üblich, die Frage, wer es getan hat, sondern warum. In Form von Rückblenden werden dem Zuschauer nach und nach Puzzleteile, wie das immer wiederkehrende Tapetenmuster, serviert, die es gilt zusammenzufügen. Doch auch hierbei bleiben ständige Wendungen nicht aus, was den Spannungsbogen konstant hochhält.

Cora Tannetti (Jessica Biel)
Cora Tannetti (Jessica Biel)
© USA Network

Hinzu kommen die bemerkenswerten Leistungen der Schauspieler. Bill Pullman überzeugt als Polizist, der zwar mit seinen eigenen Dämonen zu kämpfen hat, aber Coras Tat nicht als sinnlosen Gewaltakt abtun kann. Besonders hervorgehoben werden muss jedoch die Performance von Jessica Biel. Sie spielt die verzweifelte, von mit Gedächtnislücken, Verdrängung und Gewissensbissen geplagte "Sünderin" derart mitreißend, dass sie den Zuschauer völlig vereinnahmt. Man muss sich nicht weit aus dem Fenster lehnen, um zu sagen, dass Biel noch nie so einen guten Job gemacht hat wie hier.

Die spannende und undurchschaubare Handlung ist nach acht Folgen à 45 Minuten abgeschlossen, wodurch keine unnötigen Längen entstehen. In der zweiten Staffel begeht ein 13-jähriger Junge einen Doppelmord, Detective Ambrose ermittelt erneut und enthüllt dabei die Machenschaften einer mysteriösen Sekte. Auch die zweite Staffel ist sehr empfehlenswert und erinnert in der Herangehensweise an die vorherigen Folgen, auch wenn sich die Dynamik verändert: Zum Beispiel erfährt der Zuschauer mehr von Ambrose und die ethische Schuldfrage wird noch deutlicher in den Fokus gerückt.

"The Sinner" ist eine äußerst spannende Serie, die für passionierte Rätsellöser genau das Richtige ist. Mit einer erstklassigen Besetzung und einer düsteren, doch zugleich authentischen Atmosphäre enthüllt die Serie die Hintergründe für Coras grauenvolle Tat sukzessiv: Eine willkommene Ablenkung des monotonen Alltags. Zwei Staffeln von "The Sinner" sind bei Netflix verfügbar - die dritte Staffel folgt noch in diesem Jahr.

"The Boys" - die etwas anderen Superhelden

Die Superhelden-Truppe, genannt "Seven", rund um Anführer Homelander (Anthony Starr, 44) wird von der Öffentlichkeit gefeiert. Dementsprechend wichtig ist das Image der sieben Superhelden, das von einem millionenschweren Konzern namens "Vought" gepflegt und vermarktet wird. Doch hinter der auf Hochglanz polierten Fassade stecken "Helden", die ihre Macht missbrauchen und fernab von Moral handeln.

Als Hughie Campbells (Jack Quaid, 27) Freundin von "Seven"-Mitglied A-Train (Jessie Usher, 28), dem schnellsten Mann der Welt, fahrlässig getötet wird, bricht für ihn eine Welt zusammen. Dass "Vought" sich sein Schweigen erkaufen will und A-Train keinerlei Reue zeigt, steigert Hughies Wut. Doch dann trifft Hughie auf Billy Butcher (Karl Urban, 47), der mit den "Seven" ebenfalls eine Rechnung offen hat - Homelander ist für den Tod seiner Frau verantwortlich. Gemeinsam wollen sie die sogenannten Superhelden mit Gewalt zur Rechenschaft ziehen ...

Diese Serie basiert auf der gleichnamigen Comic-Reihe von Garth Ennis, 50, und Darick Robertson, 52. Sie ist zum einen als Persiflage von gängigen Superhelden aus dem "Marvel"- oder "DC"-Universum zu sehen und zum anderen als erschreckend realistisches Bild einer möglichen Welt. Denn die Superhelden fungieren eben nur als Instrument eines Konzerns, der mit ihrer Berühmtheit und dem dazugehörigen Saubermann-Image lukrative Geschäfte macht. Im Gegensatz zu "Marvel"-Filmen geht es hier nicht darum, Menschen oder gar die Welt zu retten, sondern um unternehmenspolitische Öffentlichkeitsarbeit und Wirtschaft - dabei kann auf einen moralischen Kompass gut und gern verzichtet werden.

Das verleiht der Serie eine gewisse Menge an Realismus. Besonders in Bezug auf die USA scheint die von Kapitalismus durchzogene Serie sogar äußerst gesellschaftskritisch zu sein. Und auch vor der Me-Too-Debatte macht "The Boys" nicht halt: Starlight (Erin Moriarty, 25) stößt als neues Mitglied zu den "Seven" und wird prompt von einem ihrer neuen Kollegen sexuell genötigt. So schafft die Serie auch einen Bezug zu einzelnen Schicksalen, die nicht übernatürlicher Art sind.

Die "Seven" von l. nach. r.: Starlight (Erin Moriarty), The Deep (Chace Crawford), Translucent (Alex Hassell), Queen Maeve (Dominique McElligott), Black Noir (Nathan Mitchell), A-Train (Jessie Usher) und Homelander (Anthony Starr)
Die "Seven" von l. nach. r.: Starlight (Erin Moriarty), The Deep (Chace Crawford), Translucent (Alex Hassell), Queen Maeve (Dominique McElligott), Black Noir (Nathan Mitchell), A-Train (Jessie Usher) und Homelander (Anthony Starr)

© 2019 Amazon.com Inc.

Billy und Hughie formen mit weiteren Verbündeten eine Gruppe, die sie "The Boys" nennen. Sie versuchen mit allen Mitteln, der fehlplatzierten Heldenverehrung ein für alle Mal ein Ende zu setzen und die Fassade der Superhelden zum Einsturz zu bringen. Dabei glänzt vor allem Karl Urban als verbitterter und kompromissloser Billy Butcher, der seine Rachegelüste ebenso wenig im Griff hat wie sein loses Mundwerk. Doch auch Jack Quaid, im Übrigen der Sohn von Meg Ryan, 58, und Dennis Quaid, 65, überzeugt als völlig normaler Typ, der sich in dem Kampf gegen die "Seven" recht unbeholfen anstellt  - das ist besonders in Kombination mit dem rüpelhaften Billy sehr unterhaltsam. Zudem ist Anthony Starr die perfekte Besetzung für den aalglatten und gefühlskalten Homelander: Der Zuschauer liebt es, ihn zu hassen.

"The Boys" ist eine spannende Serie, die das Superhelden-Dasein von einer völlig anderen Seite zeigt. Teils humoristisch, teils düster präsentieren die Macher diese Welt ohne dabei nur in "gut" und "böse" zu kategorisieren: Die Figuren sind vielschichtig und dem Zuschauer ist es möglich, sie nach und nach zu entblättern. Hinzu kommt, dass die Serie auch optisch, in puncto Action und Special Effects, sehr gut gelungen ist. Diese Superhelden-Serie für Erwachsene ist mit keiner ihres Genres zu vergleichen und punktet mit tollen Schauspielern, einem cleveren Plot und witzigen Dialogen. Hier sei noch bemerkt, dass man per se kein Fan dieses Genres sein muss, um Gefallen an der Serie zu finden. Die aufregende erste Staffel von "The Boys" ist bei Amazon Prime Video verfügbar - eine zweite Staffel wird folgen.

"I Am Not Okay With This"

Die 17-jährige Sydney Novak (Sophia Lillis, 18), genannt Syd, ist seit dem Selbstmord ihres Vaters vor einem Jahr voller Zorn. Da Syd und ihre Mutter Maggie (Kathleen Rose Perkins, 45) auf sehr unterschiedliche Weisen trauern, streiten sie oft. Den einzigen Lichtblick, den die Heranwachsende hat, ist ihre beste Freundin Dina (Sofia Bryant, 20).

Aber während Syd immer stärkere Gefühle für ihre Kameradin entwickelt, verbringt diese ihre gesamte Freizeit mit ihrem neuen Freund, dem bigotten Footballspieler Brad (Richard Ellis). Also freundet Syd sich mit ihrem eigenwilligen Nachbarn Stan (Wyatt Oleff, 16) an. Doch als ihre Wut eines Tages überkocht, bemerkt sie, dass das folgenschwere Konsequenzen hat: Es entstehen Risse in Wänden oder Regale fallen um. Sie möchte es nicht wahrhaben, doch sie scheint übernatürliche Kräfte zu haben ...

Eine Serie, die von einem Teenager mit Superkräften handelt. Erinnert das nicht ein wenig an "Stranger Things"? Richtig! Denn die gleichen Produzenten sind hier am Werk - und das ist ein Pluspunkt. Die beiden Projekte ähneln sich jedoch nur in Bezug auf den genialen Retro-Look und die telekinetisch begabte Protagonistin. Die Hauptfigur wurde jedoch nicht abgekupfert, da "I Am Not Okay With This" auf der gleichnamigen Graphic Novel von Charles Forsman, 38, basiert. Die Serie rund um Syd ist einzigartig.

Die Macher der Serie schaffen es, diese Coming-of-Age-Geschichte äußerst liebevoll in Szene zu setzen. Neben die übersinnlichen Elemente reihen sich auch Pubertäts-Probleme, Liebeskummer, Mobbing und Ausgrenzung, was zu einem homogenen Ganzen verknüpft wird - und das mit einer ordentlichen Portion Humor.

Syd (Sophia Lillis)
Syd (Sophia Lillis)
© Netflix

Der Zuschauer wird von Syd und ihren Gedanken, in Form von Voice-Overs, durch die Story geführt. Das sorgt stets für Nähe zum Publikum und ist zudem äußerst witzig, da Syds Gedanken ebenso außer Kontrolle sind wie ihre Kräfte. Weil die Vertrauenslehrerin der 17-Jährigen nahelegte ihre Gefühle aufzuschreiben, beginnt die Serie mit den Worten "Liebes Tagesbuch, f*** dich doch selbst." Herrlich ehrlich und unverblümt schildert sie ihre Eindrücke.

"I Am Not Okay With This" ist eine sehr lustige Serie, die mit ihren wunderbar schrägen Charakteren ein einfühlsames Coming-of-Age-Portät zeichnet. In der angenehm kurzweiligen Staffel - bei sieben Folge à 20 bis 28 Minuten kommt keine Langeweile auf - geht es vordergründig um die alltäglichen Probleme der Heranwachsenden. In einer zweiten Staffel, die hoffentlich bald bestätigt wird, könnte sich die Dynamik jedoch ändern und den Fokus auf die übernatürlichen Elemente legen. "I Am Not Okay With This" ist bei Netflix verfügbar.

"Modern Family"- Comedy vom Feinsten

Der wohlhabende Geschäftsmann Jay Pritchett (Ed O'Neil, 73) ist in zweiter Ehe mit der wesentlich jüngeren und temperamentvollen Gloria (Sofia Vergara, 47) verheiratet. Jays Tochter Claire (Julie Bowen, 50), die leicht kontrollsüchtig ist, hat mit ihrem frohmütigen Ehemann Phil Dunphy (Ty Burrell, 52) drei gemeinsame Kinder: Die nur auf ihr Aussehen konzentrierte Hailey (Sarah Hyland, 29), Schlaukopf Alex (Ariel Winter, 22) und den stets gedankenverlorenen Luke (Nolan Gould, 21).

Jays neurotischer Sohn Mitchell (Jesse Tyler Ferguson, 44) hat mit seinem Partner Cameron Tucker (Eric Stonestreet, 48), der ein echter Landbursche ist, eine Tochter adoptiert. Die Serie begleitet das Leben dieser sehr unterschiedlichen Familienmitglieder.

Diese Serie macht vor allem Spaß, weil sie eine sogenannte Mockumentary ist: Sie ist im Stil einer Dokumentation gedreht, es handelt sich aber eindeutig um Comedy. Die Figuren werden zu bestimmten Situationen "interviewt" und sprechen dabei direkt in die Kamera. Die Kommentare zu den Ereignissen und die Ereignisse selbst sind derart gut zusammengeschnitten, dass der Zuschauer um das Lachen nicht herumkommt.

Zudem erweckt die fantastische Besetzung ein erfrischendes Porträt einer mal dysfunktionalen, mal harmonischen Großfamilie zum Leben. Wie jede Familie streiten sie sich, finden aber schließlich wieder zueinander, was einen immensen Wohlfühl-Faktor liefert. Auf den ersten Blick mag das Konzept nicht unbedingt innovativ erscheinen. Und tatsächlich ist das Gerüst von "Modern Family" simpel. Doch die Serie spielt gerade mit Klischees, wie Millionär heiratet wunderschöne junge Frau - und zwar auf clevere Weise. Denn sie schafft es immer wieder diese stereotypen Elemente zu widerlegen.

Gloria (Sofia Vergara) und Jay (Ed O'Neil)
Gloria (Sofia Vergara) und Jay (Ed O'Neil)
© Splashnews.com

Außerdem verfügt die Serie über unfassbar witzige Dialoge und One-Liner, bei denen das Zwerchfell des Zuschauers durchgehend auf die Probe gestellt wird. Wie bereits beim Schnitt ist auch in Sachen Komik das Timing absolut perfekt: Wenn der liebenswert trottelige Phil einen völlig absurden, aber seiner Meinung nach weisen, Kommentar anbringt und danach mehrere Sekunden grinsend und überlegen in die Kamera schaut, ist das Lachen vorprogrammiert.

"Modern Family" ist eine äußerst lustige Serie, die sich durch ihren wahnsinnig gut umgesetzten Mockumentary-Stil, dem Zusammenspiel vieler verschiedener Charaktere, die alle ihren eigenen Charme und Witz haben, und jede Menge Sarkasmus auszeichnet. Neun, gleichbleibend tolle, Staffeln von "Modern Family" sind bei Netflix verfügbar.

"Sex Education"

Otis Milburn (Asa Butterfield, 22) ist ein sozial etwas unbeholfener Teenager, der eine sehr ambivalente Meinung zu Sex hat. Und dass, obwohl oder gerade weil seine Mutter Jean (Gillian Anderson, 51) eine angesehene Sexualtherapeutin ist.

Als Otis einem Klassenkameraden, dem Schultyrann Adam (Connor Swindells, 23), bei seiner Angst vor sexuellem Versagen helfen konnte, gründet er gemeinsam mit Maeve (Emma Mackey, 24) einen Beratungsdienst für die Schüler und Schülerinnen der Highschool.

Comedyserien oder -filme, die an einer Schule spielen und davon handeln, dass die Jugendlichen nur das Eine im Sinn haben, sind sicherlich nichts Neues. Aber "Sex Education" unterscheidet sich in einer essenziellen Hinsicht: Die Serie entfernt sich von der romantischen Traumvorstellung von Geschlechtsverkehr, die in den meisten Filmen und Serie als alltäglich suggeriert wird. Im Gegenteil konzentrieren sich die Macher auf die Dinge, die schiefgehen können. Es dreht sich um Teenager, die in puncto Intimität noch unbeholfen, unerfahren, plump oder ängstlich sind.

Otis (Asa Butterfield) und Maeve (Emma Mackey)
Otis (Asa Butterfield) und Maeve (Emma Mackey)
© Jon Hall/Netflix

Weshalb sie die Hilfestellung des Amateur-Therapeuten dankend annehmen. Erfrischend offenherzig zeigt diese Serie, dass Dinge wie Komplexe oder fehlende Chemie, die traute Zweisamkeit hindern können - und das betrifft nicht nur Jugendliche. Doch auch ernste Themen, wie Homophobie oder soziale Ausgrenzung finden ihren Platz - ebenso wie der trockene britische Humor.

Außerdem kann die Serie ein erstklassiges Ensemble vorweisen. Besonders das Zusammenspiel der großartigen Gillian Anderson und dem äußerst talentierten Asa Butterfield, ist für den Zuschauer eine wahre Freude. Die Mutter mit den häufig wechselnden Partnern, die ihren Sohn mit jedem Wort analysiert und der schüchterne, von seiner eigenen Erektion angewiderte Otis, geben ein schräges und brüllend komisches Mutter-Sohn-Gespann ab. Mit dieser Serie werden Sie viel lachen und den Alltags-Wahnsinn vergessen. Beide Staffeln von "Sex Education" sind bei Netflix verfügbar.

"Unbreakable Kimmy Schmidt" - herrlich skurril

Als Kimmy Schmidt (Ellie Kemper, 39) in der achten Klasse war, wurde sie von Reverend Richard Wayne Gary Wayne (Jon Hamm, 49) entführt. Der Reverend hält Kimmy und drei andere Frauen über viele Jahre in einem unterirdischen Bunker gefangen. Er überzeugte sie, dass eine nukleare Apokalypse gekommen und gegangen sei und sie die einzigen Überlebenden der Menschheit seien.

Nach 15 Jahren Gefangenschaft werden die vier Frauen gerettet, was einen immensen Medienrummel auslöst. Doch Kimmy möchte nicht als Opfer gesehen werden. Außerdem will sie nicht in ihre Heimatstadt in Indiana zurückkehren. Sie beschließt kurzerhand ein neues Leben in New York City zu beginnen. Eine große Stadt für eine weltfremde Frau ...

Diese Serie ist unglaublich absurd - und das ist ihre Stärke. Kimmy ist aufgrund ihrer langen Gefangenschaft genau genommen noch ein Kind. Sie sieht die Welt mit anderen Augen und der Zuschauer ist fasziniert von ihrem unaufhörlichen Optimismus. Außerdem sorgt die Tatsache, dass sie völlig weltfremd und naiv ist für äußerst witzige Situationen.

In New York angekommen, findet die sogenannte "Maulwurf-Frau" ein WG-Zimmer bei Titus Andromedan (Tituss Burgess, 41), einem arbeitssuchenden Schauspieler mit ausgeprägten Diva-Qualitäten. Sie beginnt zudem einen Job als Kindermädchen bei der reichen und an Oberflächlichkeit nicht zu überbietenden Jacqueline White (Jane Krakowski, 51). Die Charaktere der Serie sind extrem überzeichnet und eben das macht sie so unterhaltend.

Titus (Tituss Burgess) und Kimmy (Ellie Kemper)
Titus (Tituss Burgess) und Kimmy (Ellie Kemper)
© Eric Liebowitz/Netflix

Dabei steht Kimmy natürlich im Mittelpunkt: Sie ist frei von gesellschaftlichen Normen, da sie sie schlichtweg nicht kennt, und begegnet der Welt und ihren Mitmenschen mit erschlagender Freundlichkeit. Die ernüchternden Phasen des Erwachsenwerdens durchlief sie nicht, weshalb sie noch immer voller Träume ist und alles als aufregend empfindet. Bunt gekleidet und mit einem strahlenden Gesicht verbreitet sie auf den Fernsehbildschirmen gute Laune.

"Unbreakable Kimmy Schmidt" ist eine wahnsinnig lustige Serie, die vor allem mit ihren schrägen Figuren punktet. Durch ihre Zeit im Bunker verfügt Kimmy über eine sehr ausschweifende Fantasie, wodurch der Zuschauer in ihre surrealen Halluzinationen abtaucht - herrlich! Die Serie lenkt mit ihrem Wahnsinn und beinah Cartoon-artigen Charakteren gekonnt vom Alltag ab und lässt das Publikum gemeinsam mit der Protagonistin träumen und lachen. Alle vier Staffeln von "Unbreakable Kimmy Schmidt" sind bei Netflix verfügbar. 

Verwendete Quellen:YouTube

Gala

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