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"Better Call Saul" Corona-Quarantäne: Serienempfehlungen gegen die Einsamkeit

Jimmy McGill (Bob Odenkirk)
Jimmy McGill (Bob Odenkirk)
© Lewis Jacobs/Netflix
Die allgemeine Situation spitzt sich weiter zu und wir verbringen den Großteil unser Zeit zuhause. Diese Serien bieten eine willkommene Ablenkung, bewahren Sie vor einem etwaigen Lagerkoller - und vor Einsamkeit.

Um die Verbreitung des Coronavirus zu entschleunigen und uns selbst sowie andere Menschen zu schützen, wird das eigene Zuhause zum Lebensmittelpunkt: Die meisten Menschen arbeiten aus dem Home Office, öffentliche Orte sind geschlossen und Freunde oder Großeltern werden lediglich virtuell "besucht". Wie soll man sich die Zeit in häuslicher Quarantäne also vertreiben? Mit guten Serien! GALA empfiehlt diese Serien, die mit einem hohen Maß an Spannung oder Humor von der derzeitigen Lage ablenken und der möglichen Langeweile entgegenwirken.

Serienempfehlungen von GALA

Der Dschungel der Streamingdienste bietet heutzutage endlose Möglichkeiten. Damit Sie Ihre Zeit nicht mit Suchen verschwenden, hat GALA die besten Serienempfehlungen gegen Einsamkeit und Isolationsfrust für Sie zusammengestellt.

"Better Call Saul"

Albuquerque, 2002: James "Jimmy" McGill (Bob Odenkirk, 57), der eine Vergangenheit als Kleinkrimineller hat, ist ein erfolgloser Rechtsanwalt, der sich mit Pflichtverteidigungen eher schlecht als recht über Wasser hält. Außerdem kümmert Jimmy sich um seinen älteren Bruder Chuck (Michael McKean, 72).

Chuck war einst ein Staranwalt und Partner in der Kanzlei "Hamlin, Hamlin, McGill ". Seit eines Nervenzusammenbruchs leidet er allerdings an einer selbst diagnostizierten Elektrosensibilität, was in davon abhält, das Haus zu verlassen. Jimmy versucht seine Karriere weiter voranzutreiben und ist dabei auch gewillt, seinen ohnehin fehlerhaften moralischen Kompass außer Acht zu lassen ...

"Better Call Saul" ist ein Ableger von "Breaking Bad" und mit Vince Gilligan, 53, und Peter Gould sind auch die gleichen Macher am Werk. Trotzdem können die Serien nicht miteinander verglichen werden. Während die Mutterserie von einem immensen Spannungsbogen und jeder Menge Action geprägt ist, operiert "Better Call Saul" auf ruhigere Weise. Hier erfährt der Zuschauer, wie Jimmy McGill zu Saul Goodman, einer der beliebtesten "Breaking Bad"-Nebenfiguren, wurde. Dafür nehmen sich die Serienschöpfer Zeit und das ist auch gut so.

Denn Jimmys Hintergrundgeschichte hat einiges zu bieten: In Form von Rückblenden wird dem Zuschauer auch gezeigt, wie er in Chicago als Trickbetrüger tätig war, bevor er überhaupt zum Anwalt wurde. Zudem ist Jimmys komplexe Beziehung zu seinem Bruder, der ihn stets kleinhalten wollte, äußerst interessant. In langsamerem und daher auch lebensnaherem Tempo erzählt die Serie die Geschichte des ethisch zweifelhaften Anwalts, der von einer aufregenden Karriere träumt - und diese als Saul Goodman schließlich bekommen soll. Die Charaktere haben daher genügend Raum, um sich zu entfalten und Jimmys Beweggründe werden für den Zuschauer sukzessive nachvollziehbarer. Doch das mäßige Tempo tut der Dynamik oder Spannung keinen Abbruch: Es ist sowohl faszinierend als auch unterhaltend Jimmy dabei zuzusehen, wie er sich mit seinem extrem scharfen Verstand und gelegentlichen Tricks durch das Leben wieselt.

Mike Ehrmantraut (Jonathan Banks) und Jimmy McGill (Bob Odenkirk)
Mike Ehrmantraut (Jonathan Banks) und Jimmy McGill (Bob Odenkirk)
© Ben Leuner/Netflix

Aus einer Nebenfigur ein Spin-Off zu machen ist eine riskante Angelegenheit: Meist funktionieren die Nebenfiguren eben nur als das - Nebenfiguren. Doch in diesem Fall ist die Rechnung aufgegangen, da Jimmy McGill alias Saul Goodman viel mehr ist als ein zwielichtiger Anwalt, der lustige Sprüche klopft. Das ist auch der grandiosen Performance von Bob Odenkirk geschuldet, der den manipulativen, aber trotzdem liebenswerten Juristen beeindruckend facettenreich porträtiert.

Hinzu kommt, dass der Zuschauer in den Genuss kommt, geliebte Charaktere erneut auf dem Bildschirm zu sehen. Jimmy trifft nicht nur auf den wohl sympathischsten Profikiller der Fernsehgeschichte Mike Ehrmantraut (Jonathan Banks, 73), sondern auch auf Tuco Salamanca (Raymond Cruz, 58) oder den einzig wahren Gangster Gustavo Fring (Giancarlo Esposito, 61). Auch ihre Background-Storys werden beleuchtet.

"Better Call Saul" ist eine spannende und unterhaltende Serie, die mit einer tollen Story, wunderbaren Figuren und fantastischen Schauspielern überzeugt. Grundsätzlich muss man "Breaking Bad" nicht zwangsweise gesehen haben, um diese Serie zu schauen - es ist immerhin ein Prequel - allerdings geht aufgrund der wiederkehrenden Charaktere ein wenig von dem besonderen Reiz verloren, sollte man es nicht kennen. Alle fünf Staffeln von "Better Call Saul" sind bei Netflix verfügbar - von der fünften Staffel erscheint jeden Dienstag eine neue Folge.

"Santa Clarita Diet" - die etwas andere Zombie-Serie

Sheila (Drew Barrymore, 45) und Joel Hammond (Timothy Olyphant, 51) führen gemeinsam mit ihrer 16-jährigen Tochter Abby (Liv Hewson, 24) ein beschauliches Leben in Los Angeles kleinem Vorort Santa Clarita. Das Immobilienmakler-Paar besitzt ein schönes Haus mit ansehnlichem Garten - wie es sich für einen Vorort eben gehört - und sowohl ihr Job als auch ihre Ehe sind Routine geworden. Doch das soll sich schon bald ändern: Als Sheila während einer Haubesichtigung plötzlich unfassbar übel wird und sie das gesamte Badezimmer mit ihrem Erbrochenen verziert, macht Joel sich Sorgen.

Sheila geht es zwar rasch besser, doch sie verhält sich merkwürdig und zudem scheint ihr Herz nicht länger zu schlagen. Der nerdige Nachbarsjunge Eric (Skyler Gisondo, 23) hat eine simple Erklärung parat: Sheila ist jetzt eine Untote. Tatsächlich scheint sich neben ihrem Charakter auch ihr Appetit drastisch geändert zu haben: Sie verspürt einen unstillbaren Hunger auf Fleisch. Schon bald genügt ihr rohes Hackfleisch jedoch nicht mehr als Nahrungsquelle. Sie begibt sich, begleitet von ihrem ergebenen Gatten, auf die Jagd nach einem menschlichen Abendessen ...

Horror und Comedy zu vermengen ist ein mutiges Unterfangen, denn meist geht das schief. In diesem Fall macht sich der Mut allerdings bezahlt, denn "Santa Clarita Diet" ist brüllend komisch. Die Comedy tritt hier klar in den Vordergrund, auch wenn sie von der Zombie-Thematik inklusive einer Menge Kunstblut, getragen wird. Der schwarze Humor, der sich in den äußerst gut geschriebenen Dialogen entfaltet, und die überragende Situationskomik sorgen für unzählige Lacher: Wenn Sheila und Joel ihre "Mahlzeit" nach der Jagd gerade in Einzelteile zerlegen, sie knöpfen sich übrigens nur böse Menschen vor, und sich dabei über ganz alltägliche Dinge wie Erziehungsfragen oder gar das Wetter unterhalten, dann muss das Zwerchfell des Zuschauers einiges aushalten.

Sheila (Drew Barrymore) und Joel Hammond (Timothy Olyphant)
Sheila (Drew Barrymore) und Joel Hammond (Timothy Olyphant)
© Saeed Adyani / Netflix

Dass die Serie so gut ist, liegt aber auch an ihren Hauptdarstellern. Drew Barrymore ist als Sheila, die durch ihr Zombie-Dasein ironischerweise neue Lebenskraft schöpft, absolut überzeugend. Sie ist die ideale Besetzung für die sympathische Untote. Doch der geheime Star der Serie ist Timothy Olyphant, der eigentlich nicht in Komödien zuhause ist. Aber er spielt den aufgrund von Überforderung durchgehend nervös grinsenden Joel, der seiner Frau trotzdem tatkräftig zur Seite steht, perfekt - und stellt damit sein großes komödiantisches Talent unter Beweis. Das restliche Ensemble macht ebenfalls einen sehr guten Job und wird dabei sogar von dem stets genialen Nathan Fillion, 49, unterstützt.

"Santa Clarita Diet" ist eine blutige, aber vor allem lustige Serie, die in ihren drei Staffeln konstant unterhält. Mit grandiosen Dialogen, absurd witzigen Situation und fantastischen Schauspielern serviert sie dem Zuschauer eine ordentliche Portion Spaß. Alle drei Staffeln von "Santa Clarita Diet" sind bei Netflix verfügbar.

"Bodyguard" - Polit-Thriller in Serienform

David Budd (Richard Madden, 33) leidet seit seines Einsatzes als Soldat in Afghanistan an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Sein Kriegstrauma verdrängt er jedoch um jeden Preis, was das Ende seiner Ehe mit Vicky (Sophie Rundle, 31) zur Folge hatte. Momentan arbeitet er bei der Londoner Polizei und als er während einer privaten Zugfahrt einen Selbstmordanschlag verhindern kann, wird er befördert: Er wird zum neuen Personenschützer der britischen Innenministerin Julia Montague (Keeley Hawes, 44).

Die Politikerin ist als Hardlinerin bekannt, die mit jedwedem Mittel ihre Ziele erreicht - selbst vor einem kontroversen Überwachungsgesetz macht sie nicht Halt. David und Julia vertreten in Sachen Politik sehr unterschiedliche Meinungen, doch sie respektieren sich und kommen sich schließlich näher. Als ein Attentat auf die Innenministerin verübt wird, zeigen alle Hinweise auf David. Hatte er tatsächlich etwas damit zu tun?

"Bodyguard" ist eine wahnsinnig spannende Miniserie, die aus sechs Folgen besteht. Alleine durch die verhältnismäßig kurze Dauer der Serie kommt keine Langeweile auf. Außerdem nutzt Drehbuchautor Jed Mercurio, 53, die Zeit optimal, um Spannung aufzubauen, die Charaktere zu beleuchten und ein komplexes Netz aus politischen Intrigen zu spinnen. Besonders gut gelingt den Machern eine große Verunsicherung seitens des Zuschauers zu bewirken. Denn er ist sich nie sicher, welcher Figur er trauen kann und welcher nicht. Hinzu kommt, dass der Grad zwischen Gut und Böse hier äußerst schmal ist und Mercurio clevere (falsche?) Fährten legt.

David Budd (Richard Madden) und Julia Montague (Keeley Hawes)
David Budd (Richard Madden) und Julia Montague (Keeley Hawes)
© Sophie Mutevelian/World Productions/Netflix

Ist es möglich, dass der stark traumatisierte David nun durchdreht und seinem eigenen Land den Krieg erklärt? Oder wird ihm das bloß angehängt? Mit diesen und weiteren Fragen sieht sich das Publikum stets konfrontiert. Das liegt auch an der erstklassigen schauspielerischen Leistung von Richard Madden, der "Game of Thrones"-Fans besser als Robb Stark bekannt sein dürfte. Er porträtiert den stoischen und von Depressionen geplagten Veteranen in jeder Hinsicht überzeugend, sodass der Zuschauer an seine Unschuld glaubt, ihm die Tat aber gleichermaßen zutraut. Generell jagt eine smarte Wendung die nächste und kulminiert schließlich in einem eindrucksvollen und überraschenden Finale.

"Bodyguard" punktet mit einer nervenaufreibenden Story, die den Zuschauer in Rätsellaune hält. Hinzu gesellen sich eine ausgezeichnete Besetzung und genau die richtige Dosis Action. Dieser Polit-Thriller in Serienform ist packend, spannend und vertreibt aktiv Langeweile. "Bodyguard", nicht zu verwechseln mit dem Whitney-Houston-Film von 1992, ist bei Netflix verfügbar.

Verwendete Quelle:YouTube

Gala

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