Christine Neubauer: Komödiendreh an der Ostsee

An der Ostsee dreht Christine Neubauer gerade einen ZDF-Fernsehfilm. Für ihre Rolle als Frau mit Sinnkrise in der Komödie "Bei Hitze ist es wenigstens nicht kalt" trägt sie sogar wieder Bauch. Ein Besuch am Set

Gesine Crukowski, Christine Neubauer, Birge Schade

Ein schlaksiger Page hievt Gepäck

in den Kofferraum eines Minis. Zwei blonde Damen steigen ins Auto und knallen die Türen. Aufgeregt kommt eine dritte Frau angerannt, gestikuliert hektisch, setzt sich auf den Bordstein und heult. Schnitt! Alles von vorn. Und wieder muss der Page die Gepäckstücke hieven.

In Heiligendamm an der Ostsee verfilmt das ZDF gerade in Komödienform Dora Heldts Bestseller "Bei Hitze ist es wenigstens nicht kalt". Quotengarantin Christine Neubauer spielt die Hauptrolle "Doris", eine Zahnarztfrau, die kurz vor ihrem 50. Geburtstag die Sinnkrise kriegt und zwei Jugendfreundinnen unter Wellness-Versprechungen in ein Hotel an die Ostsee lockt. Als die beiden jedoch merken, dass es eher ein Selbstfindungstrip mit Life Coach für die geschundene altersängstliche Seele ihrer Freundin werden soll, wollen sie abreisen.

Hier wird gerade gedreht, wie "Doris" (Christine Neubauer) versucht, ihre Freundinnen an der Abreise zu hindern.

Im Grandhotel Heiligendamm mit unverstelltem Blick auf die Ostsee hat sich das Filmteam in 18 Zimmern eingemietet. Die 5-Sterne-Luxusherberge - 2007 in aller Munde, als sich Angela Merkel dort mit anderen Staatschefs im Riesenstrandkorb ablichten ließ - macht nun eher mit Insolvenz auf sich aufmerksam, gibt jedoch einen perfekten Drehort her. Wenn drinnen gefilmt wird, muss schon mal ein Feuermelder abgestellt werden, weil die Nebelmaschine läuft. Draußen kann es vorkommen, dass es sich Urlauber dankbar auf den Liegestühlen des Filmteams gemütlich machen. Und für Christine Neubauer ist es einfach eine nette Abwechslung ohne Anfahrt zum Drehort. "Es ist unglaublich erleichternd, wenn man vom Hotelzimmer in die Maske und dann ans Set fällt", sagt die Schauspielerin am Rande der Dreharbeiten.

Die Szene, in der sie als "Doris" die Freundinnen "Katja" (Gesine Cukrowski) und "Anke" (Birge Schade) am Abreisen hindern will, findet vorm Eingang des Hotels statt. Während sich Christine Neubauer, in blauer Bluse, sandfarbener Hose, ungeschminkt-wirkend geschminkt, auf den nächsten Take vorbereitet, spazieren Hotelgäste vorbei. In weiße Bademäntel gekleidet schauen sie durch ihre Gucci-Sonnenbrillen nicht allzu genau hin, wenn das wuselnde Filmteam mit Regisseur, Kameramann, Assistenten und den bekannten Schauspielgesichtern in Aktion ist. Im Luxushotel im ältesten Seebad Deutschlands herrscht Understatement.

Setbilder

Stars bei den Dreharbeiten 2012

20. Dezember 2012: Zac Efron und Imogen Poots stehen gemeinsam für den Film "Are We Officially Dating" in New York vor der Kamer
12. Dezember 2012: Erschreckend authentisch verkörpert Matthew McConaughey in dem Film "The Dallas Buyers Club" den Aids-Kranken
11. Dezember 2012: Emmy Rossum steht für "You're Not You" vor der Kamera.
6. Dezember 2012: Während wir in Deutschland vor Kälte bibbern, drehen Courtney Cox und Josh Hopkins am Strand von Malibu eine F

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Christine Neubauer nestelt an ihrem Bauch. Später wird sie den Journalisten vor Ort erzählen, dass das gar nicht ihrer ist. Denn wie in den Werbepausen in Funk und Fernsehen zu erfahren, hat das ehemalige Vollweib ihren eigenen per Diätprogramm abgelegt. Unter der Bluse benötigt sie nun einen sogenannten Fatsuit. "Doris Goldstein-Wagner hat vor dem 50. Geburtstag einige Kilos mit ihrem häuslichen Bequemsein aufgeladen", sagt die Schauspielerin über ihre Rolle.

Privat hat sie, die im Juni ebenfalls das runde Jubiläum feierte, genau das Gegenteil getan, und zwar zehn Kilo verloren. Ihre neue Figur darf sie aber erst gen Ende des Fims zeigen. Viel Gemüse, aber auch Kohlenhydrate, wie Reis, habe sie gegessen - "und meine geliebten Spaghetti Arrabiata" - und vor allem Sport gemacht. Deshalb könne man sie trotz des straffen Drehplans ab und an am Strand beim Joggen erwischen.

Obwohl sie zumindest vom Lebensabschnitt her der Protagonistin von "Bei Hitze ist es wenigstens nicht kalt" ähnelt, sieht sie keine Parallelen. "Die 50-Jährigen von heute sind die 30-Jährigen von gestern." Dennoch hadert sie damit, von Journalisten immer wieder auf ihr Alter angesprochen zu werden. "Man sollte dann auch noch das Gewicht dazuschreiben."

Kein Life Coach nötig also bei Christine Neubauer, die trotz der privaten Krise und Trennung von ihrem Ehemann vor zwei Jahren, beruflich immer Oberwasser behalten hat. Allein im Jahr 2009 zeigte das deutsche Fernsehen mehr als 100 Filme, zumeist Schmonzetten, mit der gebürtigen Bayerin. Doch gegen das Klischee, dass sie keine Verächterin leichter Fernsehkost ist, wehrt sich die 50-Jährige. "Ich überzeuge durch die Qualität der Filme", sagt sie. "Für 'Der kalte Himmel' und 'Hannas Entscheidung' bekomme ich gerade Preise und bin als beste Schauspielerin in Korea nominiert. Deshalb mache ich mir über die Vorstellungen von Klischee, die die Presse von mir hat, keine Gedanken."

Dafür hat sie nun auch keine Zeit mehr, denn die Komödiendreharbeiten gehen weiter. Der Page hievt schon wieder das Gepäck.

Ines Weißbach

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