Charlize Theron: "Wir Frauen können alles schaffen!"

Charlize Theron geht beim Drehen über alle Schmerzgrenzen. In GALA erzählt sie, was sie damit bezweckt - und was das mit ihrer Geschichte zu tun hat

Minirock, Madonnengesicht, makellose Model-Beine: Man könnte  stundenlang anstarren, ohne ihrer Schönheit überdrüssig zu werden. Und ohne an ihr auch nur einen einzigen Makel zu entdecken. Die 42-jährige Oscarpreisträgerin sieht atemberaubend sexy aus, als sie sich vor der Berlin-Premiere des Agententhrillers "Atomic Blonde" mit GALA zum Interview in der Bar des "Soho House" trifft.

Charlize Theron spielt darin die Hauptrolle als heiße Geheimagentin, die zur Zeit der Wende in Berlin extrem cool ihren Mann steht. Und sie hat diesen Film auch selbst produziert. Beim Dreh holte sie sich jede Menge blaue Flecken und Verletzungen. Doch darüber schwieg sie vornehm – stattdessen erzählte sie, wie dieses Filmabenteuer mit ihrer tragischen Familiengeschichte in Südafrika zusammenhängt.

In "Atomic Blonde" vermöbeln Sie laufend Kerle. Sind Sie im echten Leben je handgreiflich geworden?

Ja, leider! (lacht) Einmal. Ich habe mir mal einen verbalen Schlagabtausch mit einem Mädchen in einer Bar geliefert, als ich noch sehr jung war. Bevor ich mich versah, habe ich ihr eine gedonnert. Ich habe am ganzen Körper gezittert, weil ich nicht fassen konnte, was ich gerade getan hatte. Das war mein einziger dummer Ausfall. Lorraine ist Agentin des MI6 – und so tough wie ein Mann.

Soll Ihr Film dazu beitragen, dass sich die Rollenmodelle in Hollywood ändern?

Das ist eine großartige Frage. Nicht vielen ist bewusst, dass Frauen in der Filmbranche nicht nach denselben Regeln spielen dürfen wie ihre männlichen Kollegen. Bei der Entwicklung des Drehbuchs fand ich spannend, was wohl passiert, wenn eine Frau in einer Männerdomäne nach denselben Regeln spielt wie Kerle.

Frauen müssen sich für ihr entschlossenes Tun meist rechtfertigen … 

Genau: Sie brauchen eine emotionale Entschuldigung. Sie müssen zum Beispiel auf einem Rachefeldzug sein, um die Ermordung von Mann oder Kindern zu rächen. Männer, die sich tough verhalten, werden gefeiert, weil sie ihre Konflikte ausleben, wenn auch nicht immer auf moralisch saubere Art – aber sie tun, was zu tun ist. Mir war wichtig, auch mal eine Frauenfigur zu schaffen, die sich für nichts entschuldigt, sondern einfach ihren Job als Agentin erledigt – und das verdammt gut. Ich wollte keine Hintergrundgeschichte, die uns zum Weinen bringt. Das war das Experiment: zu zeigen, dass auch Frauenfiguren mit Kraft und Macht agieren können.

Welche Leinwand-Heldinnen haben Sie dazu inspiriert?

Für mich ist die Figur aus „Alien“ (gespielt von , Anm. d. Red.) einer der großartigsten Charaktere, die je erfunden wurde. So eine hatte es bis dahin nie gegeben! Danach haben wir das Niveau lange nicht mehr erreicht. Ich finde es spannend, Frauen endlich authentischer und ehrlicher darzustellen. Und es geht nicht darum, dass wir Männer sein wollen! Die Agentin Lorraine hat James-Bond-Qualitäten.

Könnte der nächste 007 eine Frau sein?

Wir Frauen sind in der Lage, alles zu schaffen! Das ist mein Credo, meine Religion! Die USA sind überfällig, was die Wahl einer Frau ins Präsidentenamt betrifft. Wir hinken der Zeit hinterher. Es muss sich wohl noch einiges in den Köpfen der Leute ändern.

"Ich habe schon als Kind gelernt, meiner Ängste Herr zu werden"


Wann haben Sie Ihre Ängste überwunden, um tun zu können, was Ihnen wichtig war?

Das habe ich schon früh gelernt. Ich bin in einem Land aufgewachsen, in dem nichts leicht war. In Südafrika gab es unter der Apartheid viele Unruhen und viel Leid, bis das Land seine eigene Identität fand. Ich habe schon als kleines Kind gelernt, innere Stärke zu entwickeln, um meiner Ängste Herr zu werden. Die Familienumstände, unter denen ich groß wurde, waren alles andere als glücklich. Ich wuchs mit einem Alkoholiker als Vater auf.

Den Ihre Mutter in Notwehr erschoss, als Sie 15 waren …

Alles in meiner Kindheit war eine Lektion: Entweder lasse ich mich von den Umständen beherrschen, bestimmen und unterkriegen. Oder ich überwinde sie und schaffe es auf die andere Seite.

Geben Sie daher so oft die Kämpferin in Actionfilmen?

Ich glaube, das geschieht eher aus Nostalgie. Ich war ja Balletttänzerin, da habe ich meine Geschichten nur mit dem Körper erzählt. Das Ballett war meine erste Liebe, und ich glaube, ich bin noch immer in diese Art des physischen Erzählens verliebt. (der Regisseur von "Mad Max", Anm. d. Red.) hat mir gezeigt, wie man Worte streichen und durch Körperlichkeit ersetzen kann. Nicht erklären, wie jemand ist – sondern es mit seinem Gang, seinen Gesten darstellen. Wahrscheinlich kommt die Neigung zur Action aus der alten, gebrochenen Tänzerin in mir, die sich ihren Weg sucht, weil sie keine Ballerina mehr sein kann. (lacht)

Wer bremst Sie mal und sagt: "Nicht übertreiben, Charlize"?

Meine Mutter. Sie hat sich solche Sorgen um mich gemacht, als ich "Atomic Blonde" drehte, dass sie uns nach Berlin nachgeflogen ist. Sie hat mich gar nicht vor der Kamera erlebt, aber sie sah natürlich, wie erledigt ich vom Dreh kam. In so einem Moment hat sie mich mal beiseitegenommen und gesagt: "Du bist jetzt Mutter. Ein Film ist es doch nicht wert, dass du dich so kaputt machst!“

Konnten Sie sie beruhigen?

Jein. In diesem Job musst du dich ganz von der Arbeit absorbieren lassen. "Ganz oder gar nicht" ist meine Devise.

Was spornt Sie an?

Ich bin verrückt nach Geschichten. Und ich möchte einfach das Potenzial, das in mir steckt, voll ausschöpfen! Wenn mich jemand davon abzuhalten versucht, dann sagt die Südafrikanerin in mir schnell: "Fuck you!"

Atomic Blonde - Premiere in Berlin

Die Tops und Flops vom roten Teppich

Der Star des Abends ist ganz klar Charlize Theron. Sie bringt den Hollywood-Flair mit nach Berlin und zeigt sich von ihrer sportlich sexy Seite.
Charlize trägt einen Zweiteiler aus der aktuellen Kollektion von Christian Dior - bestehend aus Bralet und High-Waist-Mini. Dazu benötigt sie nur noch Glitzer-Accessoires für Handgelenk und Finger, etwas roten Lippenstift und Nagellack und fertig ist der Look.
Mit aus Hollywood eingeflogen: Sofia Boutella. Sie erscheint in einem Kleid, das nach futuristischem Glamour aussieht. Das macht vor allem der extravagante Kragen aus Seide.
Wie aus einem einfachen Grobripp-Top ein lässiger Red-Carpet-Look wird, zeigt Lena Meyer-Landrut als sie zu dem grauen Oberteil einen dekonstruktiven Rock kombiniert.

14


Themen

Mehr zum Thema

Star-News der Woche