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Bridgerton "Es ist ein wahr gewordener Traum"

Nicola Coughlan (l.) als Penelope Featherington und Claudia Jessie als Eloise Bridgerton.
Nicola Coughlan (l.) als Penelope Featherington und Claudia Jessie als Eloise Bridgerton.
© COURTESY OF NETFLIX
Was macht den Erfolg von "Bridgerton" aus? Die Autorin hinter der Buchvorlage verrät, wie die Serie die von ihr erschaffene Welt erweitert.

Die Fans der Netflix-Serie "Bridgerton" warten bereits sehnlichst auf Nachschub. Die ersten Folgen rund um das TV-Paar Daphne Bridgerton (Phoebe Dynevor, 25) und Simon Basset, dem Herzog von Hastings (Regé-Jean Page, 31), verfolgte ein Millionenpublikum. Jetzt wurde bekannt: Im Mittelpunkt von Staffel zwei wird unter anderem eine Frau namens Kate Sharma stehen, die laut dem US-Magazin "People" Schauspielerin Simone Ashley (25) verkörpern wird.

Die neuen Folgen von "Bridgerton" werden sich vornehmlich mit Daphnes ältesten Bruder Anthony Bridgerton (Jonathan Bailey, 32) beschäftigen. Und der verguckt sich im Roman von Autorin Julia Quinn (51) unsterblich in besagte Kate. Im Buch "Wie bezaubert man einen Viscount?" trägt die Figur den Nachnamen Sheffield, in der TV-Umsetzung wird die Neu-Londonerin jedoch indische Wurzeln haben und den Familiennamen Sharma tragen. Mit derartigen Veränderungen hat Julia Quinn kein Problem, erklärt sie im Interview mit spot on news.

"Ich werde Shonda Rhimes nicht sagen, wie man Fernsehen macht"

Sie finde es "überhaupt nicht" beängstigend, jemanden ihre Geschichte zu überlassen, um diese in etwas Neues umzugestalten: "Ich vertraue dem Kreativteam von Shondaland bedingungslos", so Quinn über die Produktionsfirma von Shonda Rhimes (51, "Grey's Anatomy"). Erfahren hat die Autorin vom Interesse an ihren Werken, als sie in einem "Starbucks" saß. Ihr Agent habe angerufen und sie gefragt, ob sie schon von Shonda Rhimes gehört habe. "Ich dachte, es sei eine Fangfrage, da ich natürlich von Shonda Rhimes gehört habe. Dann sagte mein Agent: 'Ich hatte einen sehr interessanten Anruf...'"

"Die ersten Gespräche waren eigentlich recht kurz", erklärt Quinn. "Das Shondaland-Team fragte, ob ich bereit sei, die kreative Kontrolle aufzugeben, und ich sagte: 'Ja!' Es liegt Weisheit darin, die Stärken anderer Menschen zu erkennen. Ich werde Shonda Rhimes nicht sagen, wie man Fernsehen macht."

"Es ist erstaunlich. Und spektakulär"

Bei der Entwicklung der Serie und der Drehbücher ist sie als Beraterin dabei, so Quinn: "Ich habe alle Drehbücher gesehen, bevor sie zur Produktion gingen, aber ehrlich gesagt waren sie so gut, dass ich fast nichts zu sagen hatte. Der einfachste Beraterjob aller Zeiten!" Sie werde oft gefragt, ob es in der Serie so aussehe, wie sie es sich vorgestellt habe. "Und ich habe keine wirkliche Antwort, weil ich es mir nicht so genau vorgestellt habe. Jetzt bekomme ich das zu sehen - es füllt alle leeren Stellen in meiner Vorstellung aus, was wirklich aufregend ist."

"Bridgerton" hat sich zum erfolgreichsten Netflix-Original aller Zeiten entwickelt. "Ich wusste, dass meine Leser es lieben würden, aber ich hatte keine Ahnung, dass es so erfolgreich sein würde", sagt die Autorin. "Die gesamte Erfahrung war surreal. Und erstaunlich. Und spektakulär. Ich weiß, es klingt banal, aber es ist wirklich ein wahr gewordener Traum." Und nicht nur die Serie ist gefragt: Die Taschenbuchausgabe von Band eins, "Bridgerton - Der Duke und ich" (HarperCollins) mit Netflix-Cover ist auf Platz zwei der "Spiegel"-Bestsellerliste eingestiegen. Im Herbst folgen die Taschenbücher Band zwei und drei der achtteiligen "Bridgerton"-Reihe in neuer Optik.

"So viel mehr von Eloise und Penelope"

Und was wird die "Bridgerton"-Serie Quinns Meinung nach zu dem beitragen oder ergänzen, was bereits aus den Büchern bekannt ist? "Mir war immer bewusst, dass Bücher und Film zwei verschiedene Medien sind, aber was mir nicht so sehr klar war, ist die schiere Anzahl von Menschen, die an einer Show oder einem Film beteiligt sind. Im Kern kommt ein Buch aus meiner Fantasie, aus meinen gelebten Erfahrungen. Mit einer Serie hat man Hunderte von Menschen, die in der Lage sind, ihre Fantasie und gelebten Erfahrungen einzubringen. Es erweitert die Welt so sehr, wie ich es als einzelner Mensch nicht könnte."

Und Quinn fügt hinzu, dass sich ihre Romane sehr stark auf zwei Hauptfiguren konzentrierten. Mit der Serie könne man diese um Nebenhandlungen und andere Romanzen erweitern. "Beispielsweise bekommen wir so viel mehr von Eloise und Penelope zu sehen als im ersten Buch, was ich fabelhaft finde, weil ich diese Figuren liebe. Ich habe Bücher über sie geschrieben, aber ich finde es toll, dass das Publikum sie jetzt besser kennenlernt."

"Ich möchte Lady Danbury sein"

Warum sich so viele Leser und Zuschauer von der "Bridgerton"-Ära, das London des frühen 19. Jahrhunderts, angesprochen fühlen, erklärt die Schriftstellerin damit, dass das Regency schon immer ein sehr beliebtes Setting im Genre der historischen Liebesgeschichten gewesen sei. "Es liegt weit genug in der Vergangenheit, dass es von einer märchenhaften Qualität durchdrungen ist, wie es etwas im 20. oder 21. Jahrhundert nicht sein kann. Aber es ist modern genug, dass ich meine Charaktere dazu bringen kann, auf eine Weise zu denken und zu handeln, die bei zeitgenössischen Lesern Anklang findet", so Quinn, die auch erklärt, dass sie wie all ihre Kolleginnen und Kollegen Jane Austen eine Menge zu verdanken hat: "Sie ist ohne Zweifel die Patin unseres Genres."

Die "Bridgerton"-Geschwister stehen im Mittelpunkt von Quinns Reihe, einen Liebling hat sie selbst nicht unter diesen, verrät die Autorin: "Aber ich möchte definitiv Lady Danbury sein, wenn ich groß bin. Es gibt einen Grund, warum ich sie in so viele Bücher geschrieben habe!"

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