Borgia: Zur Audienz in Dubrovnik

Die ZDF-Serie "Borgia" zeigt den Aufstieg und Fall des berühmt-berüchtigten gleichnamigen Papstclans. Zurzeit wird die finale dritte Staffel gedreht - in Dubrovnik. Gala.de schaute dem Team von "Borgia" in Kroatien über die Schulter

Am Set von "Borgia".

Ein kalter Wind weht durch den Hof der Festung "Lovrijenac " in Dubrovnik. Gerade ist die Sonne im Meer vor der Stadt versunken, Fackeln tauchen den Hof in schummriges, gelbliches Licht. Ein idyllisches Bild. Wäre da nicht diese Geräusch… - Ketten schleifen über den Boden, dazu hört man Füße scharren. Ein Gefangener wird in den Hof gezerrt, in Schach gehalten von vier Wachen.

Der Gefangene soll hingerichtet werden. Doch dann die Erlösung: "Heute bist du gerade einmal noch davon gekommen. Das hat du ihr zu verdanken", knurrt der Henker und nickt in die Richtung, aus der der Gefangene angeschleift wurde. Um die Ecke schreitet jetzt eine Frau, ganz in Schwarz gehüllt – Königin "Johanna von Kastilien" (Miriam Stein). Der Gefangene – "Cesare Borgia", dargestellt von Mark Ryder – wirkt durcheinander, fast schon aufgebracht. "Warum denn? Was soll das bedeuten?", schreit er ihr entgegen.

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©Gala

Das wüssten wir auch gern. Doch: "Pssst", warnt Tom Fontana, Erfinder und Showrunner der Serie "Borgia": "Bloß nicht zu viel verraten!"

Sobald die Sonne untergeht, ist es dunkel auf der Festung. Fackeln erleuchten den Innenhof.

Wir sind am Set von Staffel Drei des Renaissance-Epos' um den spanischen Papstclan "Borgia". Diesmal hat es die internationale Produktion nach Dubrovnik in Kroatien verschlagen – "in Tschechien sind uns langsam die Schlösser und Festungen ausgegangen", sagt Fontana im Gespräch mit Gala.da und lacht. Knapp drei Wochen hat die Crew Zeit, vor der Traumkulisse an der Küste Kroatiens die stimmungsvollen Außenaufnahmen zu machen, der größte Teil der Serie wurde bereits seit Mai 2013 in den Filmstudios Barrandov in Prag gedreht.

Die Statisten am Set stammen alle aus der Gegend. Heute stellen sie eine Marktszene nach.

"Wir filmen parallel mehrere Folgen", erklärt Fontana. "Für die Schauspieler kann das ganz schön schwierig werden. Sie müssen immer ganz genau wissen, wie sie sich zu dem Zeitpunkt fühlen müssen, was sie bis dahin schon durchgemacht haben… Das ist bestimmt nicht einfach."

Auch logistisch ist es eine Herausforderung, denn aus Zeitgründen wird gleichzeitig an zwei Sets gedreht. Das eine liegt in der Altstadt, das andere befindet sich in der Festung auf einer Anhöhe vor der Stadt. Kostüm- und Maskenabteilung sowie das Produktionsbüro liegen in der Mitte in einem Hotel. Es herrscht ein reges Kommen und Gehen auf den Straßen Dubrovniks - sonst fällt die Stadt in den Wintermonaten in einen regelrechten Tiefschlaf, wie uns Produktionshelfer erzählen, die aus der Gegend stammen.

Dass der Dreh dennoch nahezu reibungslos klappt, liegt auch daran, dass sich der Großteil der "Borgia"-Truppe schon bestens auskennt. Die jungen Hauptdarsteller, Mark Ryder und Isolda Dychauk, sind seit Folge eins, also seit 2011, dabei.

Ihre Charaktere, das Geschwisterpaar "Cesare" und "Lucrezia Borgia", haben wohl auch die größte Entwicklung innerhalb der Serienerzählung durchgemacht. Ganz am Anfang waren beide sehr jung und mussten sich den finsteren Plänen ihres Vaters, "Rodrigo Borgia" (John Doman), beugen. Der wollte nichts mehr, als Papst zu werden und seine Familie an der Spitze der römischen Gesellschaft zu wissen. Doch der Weg nach oben ist für die Familie "Borgia" mit Lügen und Leichen gepflastert. Kuppeleien, Intrigen, Morde - "Cesare" und "Lucrezia" mussten sich für diverse Spielchen ihres Vaters benutzen lassen.

John Doman als "Papst Alexander VI." mit seinen Serienkindern "Lucrezia" (Isolda Dychauk) und "Cesare Borgia" (Mark Ryder).

A propos: Wo ist eigentlich "Papst Alexander VI.", beziehungsweise "Rodrigo Borgia"? - Wir treffen Darsteller John Doman nur ganz kurz, der "The Wire"-Star hat an dem Tag Geburtstag und darum drehfrei. Unsere Audienz beim Papst muss daher ausfallen.

Passt eigentlich zum Konzept für Staffel Drei der Serie: Der Einfluss von "Rodrigo" wird schwächer, "Cesare" und "Lucrezia" tragen immer mehr die Handlung. "Cesare" verliert sich in seinen eigenen Intrigen und Spielchen, "Lucrezia" wird immer mächtiger und vertritt sogar ihren Vater auf dem Papstthron.

"'Cesare' und 'Lucrezia' haben sich von ihrem Vater emanzipiert", erzählt uns Darstellerin Isolda Dychaukin einer kurzen Drehpause. Ihre "Lucrezia" sei jetzt zum ersten Mal glücklich verheiratet (mit ihrem dritten Ehemann), und mache "zum ersten Mal das, was sie wirklich will".

"Lucrezia Borgia" (Isolda Dychauk) vertritt ihren Vater auf dem Papstthron.

"Für Lucrezia geht es jetzt, gegen Ende der Serie, wirklich aufwärts", sagt Serienerfinder Tom Fontana. Weil er sich nicht gern zu weit vom Drehort entfernt, sitzen wir zum Gespräch in einem höhlenartigen Raum in der Burg - dem Setaufbau nach zu urteilen eine Folterkammer, Immer wieder lässt Fontana seinen Blick durch die Höhle, die halboffen ist und auf die Adria hinausgeht, schweifen. "Dubrovnik ist toll. Die Gebäude hier sind mit sehr viel Liebe restauriert worden", stellt er fest.

Gala.de-Redakteurin Deborah Löffler traf Isolda Dychauk ("Lucrezia Borgia") am Set.

Von jedem einzelnen Wort in den Drehbüchern über die Kamera-Einstellungen bis hin zu Schnitt und Tonabmischung jeder Folge - Tom Fontana überwacht die gesamte Produktion. Borgia" ist sein Baby, man meint fast, er kenne den Werdegang des spanischen Clans besser als seinen eigenen Familienstammbaum. "Ich könnte noch zehn Staffeln von 'Borgia" drehen, ich entdecke immer wieder etwas Neues", hatte er bei der Vorstellung von Staffel Zwei im Herbst 2013 gesagt.

Doch in Staffel Drei muss er zum Ende kommen, es gäbe schon wieder andere Projekte, die auf ihn warteten. Immerhin konnte er noch zwei Folgen extra herausschlagen - statt der üblichen zwölf werden dieses Mal 14 gedreht. "Ich wollte die Geschichte ordentlich zu Ende erzählen". Entgegen der beiden Staffeln davor, die jede etwa ein Jahr im Leben des "Borgia"-Clans abdeckten, entspricht in dieser Staffel eine Folge in etwa einem Jahr. "Es passiert also richtig viel", versichert uns Fontana.

Gemeinsam mit den Produzenten der Serie musste er sich richtig etwas einfallen lassen. Die Traumquoten von im Schnitt über fünf Millionen Zuschauern aus der ersten Staffel konnten mit Staffel Zwei nicht wiederholt werden. Kritiker vermuten, dass das auf die hohe Konzentration von Sex- und Gewaltszenen zurückzuführen ist, bei denen die Handlung teilweise auf der Strecke blieb. "Was soll ich sagen", verteidigt Fontana sein Konzept, "es ist überliefert, dass die damalige Zeit eben etwas direkter, etwas härter war."

Eine Drehklappe am Set von "Borgia". Regie bei der Serie führt unter anderem Metin Hüseyin.

Für die aktuelle Staffel verspricht Tom Fontana neue Figuren, wie zum Beispiel "Johanna von Kastilien", die von der Österreicherin Miriam Stein dargestellt wird, die im vergangenen Jahr viel Lob für ihre Rolle im ZDF-Mehrteiler "Unsere Mütter, unsere Väter" einheimste. Außerdem mit dabei: Tom Wlashiha, der jüngst in "Rush" und "Game of Thrones" zu sehen war, als "Philipp der Schöne".

Die bereits bekannten Charaktere sollen sich stark weiterentwickeln. Und es gibt einen Panther! "Ich habe darüber gelesen, dass 'Cesare' eigentlich zwei davon für die Jagd genutzt hat. Ich habe die Produktion aber nur zu einem überreden können", sagt der 62-Jährige und grinst.

Doch trotz all der Spielereien: Zwar könne man bei "Borgia" viel über die Zeit der Renaissance und ihre Handlungsträger lernen. Doch die Serie müsse nicht zu 100 Prozent der historischen Wahrheit entsprechen. Fontana betont: "Wir drehen hier keine Reportage - sondern ein Drama!"

Kriegsherr "Cesare Borgia" (Mark Ryder) ist der Überlieferung nach mit Panthern jagen gegangen. Auch in "Borgia 3" wird eine Wildkatze zu sehen sein - Setfotos gibt es davon leider noch nicht.

Die dritte Staffel "Borgia" wird voraussichtlich im Herbst 2014 bei ZDF - in ca. 90-minütigen Doppelfolgen - ausgestrahlt.

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