Birgit Minichmayr: Nicht wie alle anderen

Birgit Minichmayr geht für ihre Kunst bis zum Äußersten - auch in ihrem neuen Film "Gnade"

Birgit Minichmayr

Birgit Minichmayr

Dieser Frau eilt ein Ruf voraus.

sei eine kratzbürstige Diva, stürze sich ins Nachtleben genauso so rücksichtslos wie in ihre Rollen und spiele mit Regisseuren Katz und Maus. Überhaupt, sie verputze die Männer mit Haut und Haaren - und ohne mit der falschen Wimper zu zucken. Viele verwechseln die rothaarige Österreicherin mit den Femmes fatales, die sie auf der Bühne und in ihren Filmen spielt. Fakt ist: Nachdem die heute 35-Jährige 2009 für das Beziehungsdrama "Alle anderen" den Silbernen Bären gewonnen hatte und ab 2010 dreimal als Buhlschaft im Salzburger "Jedermann" begeisterte, gilt sie als eine der aufregendsten Schauspielerinnen Deutschlands. Schöne Überraschung: Im Gespräch mit "Gala" am Rande des Hamburger Theater Festivals, wo sie im Zweipersonenstück "Das Interview" glänzte, gibt sich die vermeintlich Allürenhafte handzahm.

Unbequem, hochspannend und poetisch - der Film "Gnade", in dem Minichmayr und Vogel ein verzweifeltes Ehepaar spielen, zwingt de

Unbequem, hochspannend und poetisch - der Film "Gnade", in dem Minichmayr und Vogel ein verzweifeltes Ehepaar spielen, zwingt den Zuschauer zum Nachdenken.

In "Gnade" spielen Sie Maria, eine Frau, die Fahrerflucht begeht und somit ein Leben auf dem Gewissen hat. Inwieweit konnten Sie das nachvollziehen?

Für mich persönlich wäre das die Horrorvorstellung: Du sitzt nachts im Auto und rumpelst etwas auf der Straße an und hast eine Leiche im Keller. Wie furchtbar!

Nach dem Unfall nähert sich Maria wieder ihrem Mann an, der sie immer wieder betrogen hat ...

Ich fand die schon sehr befremdend teilweise. Nicht, weil sie diesen Unfall nicht verkraftet, sondern weil sie ihn verschweigt, um ihn damit für sich ungeschehen zu machen. In ihrem großen Schuldkomplex geht sie soweit, ihrem Mann sein Fremdgehen zu verzeihen und zu sagen: Ich liebe dich. Aber es geht andererseits auch nicht um die Versöhnung mit einem Serienmörder.

Könnten Sie selbst Betrug verzeihen?

Ich finde den Betrug an der Loyalität und der Solidarität viel schlimmer als den körperlichen Betrug. Ich möchte eine Partnerschaft so leben, dass ich eine ehrliche Antwort bekomme, wenn ich danach frage.

Haben Sie die gefunden?

Ach, das fragt ihr immer! Immer müsst ihr das wissen. Ich weiß gar nicht, was daran so interessant ist. Dazu Folgendes: Mir geht es gut, ich bin glücklich, danke der Nachfrage.

Der Theaterregisseur Martin Kušej sagte, sie kämen vom gleichen Misthaufen, wie er …

... Unverschämtheit! (lacht) Er ist Kärntner, ich bin aus Oberösterreich. Aber ja: Ich komme vom Bauernhof.

Vom Landei zur Theaterdiva, so werden sie oft beschrieben.

Ach, ja: "Sie wuchs unter Schweinen und Schafen auf und eroberte die Bretter, die die Welt bedeuten." So eine hübsche Geschichte. Aber sie ist eine Mär - meine Eltern überschrieben den Hof, als ich zehn war. Und sie waren nur Nebenerwerbsbauern. Meine Mutter ist Homöopathin, mein Papa arbeitet bei einer Versicherung. Zudem wohnten wir nur zehn Minuten von Linz entfernt, dort ging ich aufs Gymnasium.

Laut Monica Bleibtreu verschwenden Sie sich in Ihrer Arbeit.

Theater-Stars

Vorhang auf!

Nichts für schwache Nerven: Schauspielerin Ulrike Folkerts, bekannt als Tatort-Kommissarin (Lena Odenthal), steht in Mannheim im Nationaltheater für das Stück "Für immer schön" auf der Bühne. Blutverschmiert und mit gruseligen, milchig weißen Augen sorgt sie für Gänsehaut in den Zuschauerrängen.
Bei den "Bad Hersfelder Festspielen" steht Sängerin Sandy Mölling als Eliza Doolittle auf der Bühne.
Désirée Nick steht am Ernst Deutsch Theaters in Hamburg als die große Joan Crawford auf der Bühne.
Premierenabend am Broadway: Oscarpreisträgerin Lupita Nyong'o spielt in dem Stück "Eclipsed" in New York.

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Ja! Von Mentoren wie Moni oder auch Klaus Maria Brandauer habe ich gelernt, mich nicht zu schonen. Das heißt ja nicht, dass es ins Destruktive rutscht.

Sind Sie wirklich eine Frau der Extreme, wie es immer heißt?

Klar kann ich extrem sein. Und verschwenderisch. Aber auch das Gegenteil. Ist es denn immer so wichtig zu wissen, wie jemand ist? Ich glaube, jeder Mensch ist komplex und besitzt mehr als nur eine Facette. Roland Rödermund

Birgit Minichmayrs neuer Film "Gnade" läuft ab dem 18. Oktober 2012 in den deutschen Kinos.

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