Berlinale 2011: Und dann der Regen

Die glanzvolle Eröffnung der 61. Berlinale lockt sogar Weltstars in die Hauptstadt. Der Eröffnungsfilm der Coen-Brüder, "True Grit", begeistert zu Recht. Doch kaum sind die Stars, darunter Josh Brolin und Diane Lane sowie Jeff Bridges, vom roten Teppich verschwunden, setzt ein Nieselregen ein - und die nächsten Tage in Berlin werden grauer und nüchterner werden

Berlinale-Beginn

So umstritten die Entscheidung des Berlinale-Direktors Dieter Kosslick in seinem zehnten Amtsjahr auch war: "True Grit", der Western der Coen-Brüder, ist ein würdiger und glanzvoller Eröffnungsfilm der 61. Filmfestspiele von Berlin. Der Film läuft in den USA zwar schon seit Wochen, eine Weltpremiere wäre schöner gewesen. Aber wenigstens war fast die komplette Riege namhafter Hauptdarsteller bereit, zur Berlinale anzureisen, und das ist für den Eröffnungsabend Gold wert. Als Josh Brolin mit seiner Frau Diane Lane, die junge Hailee Steinfeld, das immer etwas zerknittert aussehende Regisseur-Brüderpaar und allen voran der charismatische Jeff Bridges vor dem Berlinale-Palast ankommen, schwillt die Geräuschkulisse am roten Teppich zu einem Stimmenorkan und wer vorher schon keinen Platz zum Stehen hatte, der findet nun kaum noch Platz zum Atmen.

"Jeff, Jeff, Jeff" tönt es überall wie Zugabe-Rufe; die besser Informierten wissen, dass man auch nach "Hailee" rufen kann, wenn man zum Beispiel bei der Autogrammjagd auf die vielversprechende Zukunft der jugendlichen Hauptdarstellerin von "True Grit" setzen will. Josh Brolin sieht zwar am besten aus, findet sich aber lächelnd damit ab, dass zumindest die professionellen Fotografen noch lieber seine attraktive Begleiterin, Ehefrau Diane Lane, anschreien.

Álvaro Soler

Deshalb reiste er ohne Freundin Sofia nach Südafrika

Álvaro Soler mit Freundin Sofia Ellar
Álvaro Soler ist schon länger weg vom Markt. Der „Sing meinen Song“-Teilnehmer ist seit drei Jahren mit der Musikerin Sofia Ellar zusammen. Im Interview gibt der 28-Jährige ein paar Details preis.
©Gala

Deutsche Stars sind hier ganz groß: Schön zu zeigen an Jury-Chefin Isabella Rossellini und Jurymitglied Nina Hoss.

Die Zuschauer am roten Teppich sind erleichtert, dass sie nach der Jury-Präsidentin Isabella Rossellini überhaupt mal jemanden erkennen - das Publikum besteht nämlich zu großen Teilen nicht aus deutschen Filmfans, sondern aus zufällig in der Stadt weilenden Schulklassen sowie englischen, französischen und japanischen Touristen, die für die deutschen Stars höchstens ein freundliches Klatschen und oft ein ratloses "Who's that?" übrig haben. Dabei sind viele, wenn auch nicht jede heimische Film- und Fernsehgröße vor Ort: Sibel Kekili, Mario Adorf, Armin Rohde, Jan-Josef Liefers und Anna Loos, Jasmin Tabatabai, Hannes Jaenicke, Benno Fürmann, Marie Bäumer, Anna-Maria Mühe, Tom Schilling, Wim Wenders, Detlef "D!" Soost und Kate Hall, Peter Lohmeyer und Sarah Wiener, Nina Hoss, Nora von Waldstätten und viele mehr.

Am Teppich spielen sich lustige Szenen ab: So will Joschka Fischer zielstrebig und schnell loslaufen, wird aber von seiner Frau Minu gestoppt, die noch mit einer Bekannten plaudern und Küsschen austauschen will. Peter Lohmeyer macht gleich freiwillig einen großen Schritt zur Seite, damit die Fotografen Sarah Wiener allein fotografieren können. Hannes Jaenicke gibt seine Autogramme lässig einhändig, die andere Hand steckt in der Tasche. Armin Rohde legt eine richtige Posen-Show hin, während Senta Berger und Heike Makatsch als Fotomotiv und Gesprächspartner so beliebt sind, dass sie auch ohne viel Eigeninitiative 20 Minuten vom Auto bis zur Tür benötigen.

Filmfestival

Die 61. Berlinale

Diane Kruger lauscht den Worten der Redner.
Hannah Herzsprung
Der große Moment: Festival-Direktor Dieter Kosslick und Jury-Chefin Isabella Rossellini freuen sich, den Goldenen Bären dem iran
Die Freude bei der Schauspielerin Sarina Farhadi und dem Team um Regisseur Asghar Farhadi ist übergroß.

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Bejubelt: Heike Makatsch. Wer beim Blick aufs Bild das Gefühl bekommt, dass deutsche Stars sich ein bisschen zu oft in Schwarz kleiden, der liegt richtig.

Tapfer bewahrt sich die Makatsch, die übrigens die lautesten deutsche Fans hat, ein Lächeln, obwohl der Tonfall der Fotografen ihr gegenüber ein bisschen an Kaserne und Feldwebel erinnert. Klaus Wowereit ist sogar einem französischen Austauschschüler ein Begriff: "C'est le maire". So viel Aufmerksamkeit bekommt Alt-Playboy Rolf Eden, über den während der Festspiele eine Dokumentation laufen wird, trotz weißem Anzug und viel Rumgehampel nicht.

Nachdem die Hollywood-Stars als letzte im Berlinale-Palast verschwunden sind und im Foyer noch ein paar großformatige Bilder unterzeichnet haben, ist der große Glanz auch schon vorbei. Langsam setzt Nieselregen ein. Die Eröffnungsfeier - obwohl moderiert von einer um lockere Sprüche und Gesten bemühten Anke Engelke - wird deutlich ernster und weniger glitzernd. Die Berlinale möchte ein sehr politisches Filmfest sein und bringt das auch zum Ausdruck, indem man ausführlich auf die traurige Abwesenheit des Jurymitglieds Jafar Panahi eingeht, der kurz zuvor im Iran zu einer sechsjährigen Haftstrafe verurteilt wurde und sein Heimatland nicht verlassen darf. Sein Platz in Berlin bleibt leer.

Brachten Hollywood-Flair nach Berlin: die Schauspieler Hailee Steinfeld und Jeff Bridges sowie die Regisseure Joel und Ethan Coen mit ihrem Eröffnungsfilm "True Grit"

Zwar wird sich bis zur Preisverleihung am 19. Februar noch der eine oder andere Hollywood-Star zeigen - Kevin Spacey, Jeremy Irons, Paul Bettany, Zachary Quinto ("Margin Call"), Liam Neeson, Diane Kruger, January Jones ("Unknown"), Ralph Fiennes mit seinem Regie-Erstling "Coriolanus", Colin Firth und Helena Bonham Carter ("The King's Speech") sind angekündigt, auch Madonna soll vielleicht einen kurzen Ausschnitt aus ihrem neuen Film "W.E." präsentieren. Die Berliner selbst kümmert das kaum. Wenn sich tatsächlich mal ein Einheimischer bis an die Festivalstätten verirrt, dann will der bitte "nur ins Kino, die Stars sind egal. Die feiern sich doch nur selbst." Die Neugierigen, die auch im Verlauf des Abends noch mal für ein halbes Stündchen am roten Teppich stehen bleiben, sind zufällige Passanten, die sich am ehesten für Madonna, Jeff Bridges oder Til Schweiger interessieren würden - zumindest letzterer wohnt zwar Berlin, ist für das Festival aber gar nicht eingeplant.

Die Kombination aus auffälligen Schweinwerfern, roten Teppichen und den Massen von Fotografen und Kameraleuten mit großem Gerät sorgt trotzdem für Bewegung auf der Straße und neugierige Menschentrauben: Stehen irgendwo zehn Leute zusammen, gesellen sich schnell zehn weitere dazu und fragen, wer denn hier gleich vorbeikommt. Hört man auf der Straße, dass in der Lobby eines Hotels ein Star gesehen wurde, so drehen sich einige Köpfe um und Menschen gehen näher an der gläserner Front des Baus vorbei, um hineinzulinsen.

Und Angebote am Rande des Festivals wie das auffällige Schminkstudio des Veranstaltungssponsors "L'Oreal" mitten auf dem Potsdamer Platz, nehmen einheimische wie auswärtige Passanten enthusiastisch wahr. Schon am ersten Tag der Berlinale wurden die meisten der vielen Schminktermine eines Viererteams, das in zwei Schichten arbeitet, für die folgenden zehn Tage vergeben. Drinnen warten junge Frauen auf die Chance eines Spontantermins. Draußen stehen junge Männer, finden das Schauspiel im Glaskasten höchst vergnüglich und flirten die Stylistinnen an.

So hat die Berlinale viele Seiten und steht der Hauptstadt auch in solchen Jahren gut zu Gesicht, in denen große Premieren und wichtige Hollywood-Stars dünner gesät sind. Wer Wärmelampen am roten Teppich braucht, der hat schon einen naturgegebenen Wettbewerbsnachteil gegenüber einem Festival in Cannes, beispielsweise. Vielleicht gelingt den Berlinern ja, im kommenden Jahr wieder mehr zugkräftige Darsteller mit internationalem Wiedererkennungswert an die Spree zu holen. Die Präsenz eines Jeff Bridges wird dabei allerdings schwer zu übertreffen sein.

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