August Diehl im Interview: "Soziale Netzwerke passen nicht zu mir"

August Diehl ist "Der junge Karl Marx". Wie es dazu kam und wie sich der Schauspieler auf seine nicht gerade leichte Rolle vorbereitete, erzählte er im Interview mit GALA

August Diehl

Er spielte den Schriftsteller Bernward Vesper in "Wer wenn nicht wir" und einen SS-Sturmbannführer in "Inglourious Basterds" - um nur zwei seiner grandiosen Rollen zu nennen - jetzt verkörpert August Diehl Karl Marx - den jungen Karl Marx wohlgemerkt. Dabei ist er "schon" 41. Ansehen tut man dem außergewöhnlich talentiertem Schauspieler sein Alter aber nicht, auch mit 41 hat er dieses freche Jungenhafte wie damals in "23 – Nichts ist so wie es scheint", seiner ersten Arbeit beim Film und gleichzeitig seinem Durchbruch als Schauspieler. Mit seiner neuesten Rolle zeigt Diehl mal wieder seine Vielfältigkeit und dass er offen für fast alles ist, so lange es ihn interessiert. Dies beweist er auch im Interview mit GALA.

Was ist anstrengender für Sie – das Drehen oder hinterher die Pressearbeit?
Es gibt immer drei Akte beim Filmemachen: die Vorbereitung, der Dreh und die Öffentlichkeitsarbeit. Ich habe über viele Jahre lernen müssen, dass der dritte Teil, der mir nie wirklich zugesagt hat, auch etwas Wichtiges mit dem Filmemachen zu tun hat. Irgendwann fing ich jedoch an, Gefallen daran zu finden. Besonders bei diesem Film, denn es entwickeln sich tolle Gespräche, auch Streitgespräche. Marx und der Kommunismus, das ist nun mal ein streitbares Thema.

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©RTL / Gala

Aus welchen Gründen haben Sie sich dazu entschieden, die Rolle anzunehmen?
Der erste Gedanke, als ich gehört habe, dass ich Karl Marx spielen soll, war "Ich? Warum denn ich? Das ist doch dieser alte Mann mit dem Rauschebart. War der denn überhaupt mal jung?" Man verbindet Marx ja viel mehr mit einer Idee als mit einem Menschen. Aber ich mochte das Drehbuch. Weil es auch eine Geschichte über eine Freundschaft ist und nicht nur eine über Karl Marx, der die Welt retten will. Trotzdem kommt aber auch Marx‘ Theorie nicht zu kurz.

Wie wichtig ist Ihnen die äußerliche Veränderung für eine Rolle?
Bei diesem Film war mir die besonders wichtig und hat auch zu Diskussionen mit dem Regisseur Raoul Peck geführt. Der wollte mich eigentlich so lassen, wie ich bin, denn wir wissen ja nicht, wie der junge Karl Marx aussah. Es gibt nur Fotos vom alten Marz. Ich wollte aber trotzdem eine Figur schaffen, die auch äußerlich anders ist als ich, mit einer Schwere und etwas Semitischem. Das hat mir beim Spielen sehr geholfen.

Wie viel von August Diehl steckt in der Figur, die Sie erschaffen haben?
Sehr viel. Erst versucht man, diesen Menschen zu ergründen und dann versucht man, dieser Mensch zu werden. Es ist wichtig, dass man etwas von seiner eigenen Biografie in die Rolle einbringt, denn nur dann werden die Figuren menschlich. Der Beruf des Schauspielers ist nicht nur ein Beruf des Verwandelns, sondern auch ein Beruf des Zeigens der eigenen Persönlichkeit.
Können Sie Ihre Rollen hinterher wieder loslassen oder bleibt immer etwas von der Figur, die Sie verkörpern, in Ihnen?
Nein, das ist etwas, das ich gelernt habe. Ich mache einen Cut und dann ist es vorbei. Das muss auch so sein, man kann das alles nicht immer mitschleppen.

Wie genau sah Ihre Vorbereitung aus?
Ich habe mich erstmal nicht mit Marx beschäftigt, sondern mit Paris in dieser Zeit und mit den Menschen um ihn herum. Erst dann habe ich angefangen, mich mit Marx auseinanderzusetzen und mir wurde bewusst, wie logisch seine Aussagen und Ziele waren: Eine Revolution, die die Welt für immer verändern würde. Sehr geholfen haben mir seine Briefe, in denen man gut erkennt, was für ein Mensch er war. Seine Sicht auf die Welt, seine Liebe für seine Frau und die Bewunderung für Engels spürt man darin.

Marx hat viel geschrieben. Eine entscheidende Entwicklung von damals zu heute ist das Internet und der Weg der Kommunikation. Wie sehen Sie diese Entwicklung?
Als einen Verlust von Sprache. Heute kommunizieren wir eher, als dass wir diskutieren oder Gespräche führen. Damals hieß Arbeiten Denken und Schreiben. Ein jeder Gedanke braucht einen Gegengedanken. Das haben wir heute verloren, die Sprache selbst ist in Gefahr.

Heute bedeutet Arbeiten eher Posten. Im Gegensatz zu Ihrer Frau Julia Malik sieht man Sie aber nicht so aktiv in den sozialen Netzwerken. Warum?
Ich habe den Eindruck, dass das nicht so zu mir passt. Dabei würde ich nicht mal sagen, dass es mich nicht interessiert. Aber es kommt mir vor, als hätte ich eine Wohnung mit zu vielen Fenstern, in die jeder reingucken kann. Ich habe einfach nicht den Drang, mich auf dieser Ebene mitzuteilen.

"Der junge Karl Marx" mit August Diehl in der Hauptrolle startet am heutigen Donnerstag, den 2. März, in den deutschen Kinos.

August Diehl und Stefan Konarske in "Der junge Karl Marx"


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