"The Voice Kids": Lena Meyer-Landrut im GALA-Interview

Lena Meyer-Landrut liebt ihren Job als Coach bei "The Voice Kids". Doch der Ruhm bringt auch viel Negatives mit sich. Wie sehr Lena mit den Schlagzeilen um ihre Person kämpft, erzählt sie uns im GALA-Interview.

Lena Meyer-Landrut

Lena Meyer-Landrut, 28, sitzt in diesem Jahr bereits zum sechsten Mal als Coach bei "The Voice Kids" (zu sehen ab dem 23. Februar auf Sat.1) auf dem roten Stuhl. Die "Eurovision Song Contest"-Siegerin von 2010 gehört mittlerweile fest zum Inventar der Castingshow dazu. Doch während sich Lena bei "The Voice Kids" wie zuhause fühlt, wie sie sagt, fremdelt sie mit ihrer Rolle in den Medien. Dort wird die Sängerin regelmäßig als zu nackt, zu sexy oder zu dünn bezeichnet. Eine Tatsache, die Lena zu schaffen macht, wie sie im GALA-Interview erzählt.

GALA: Es ist dein sechstes Mal als Coach bei "The Voice Kids". Das letzte Mal war auch Stefanie Kloß dabei, jetzt bist du wieder die einzige Frau. Hast du das Gefühl, dich als Frau zwischen den Männern behaupten zu müssen?

Lena Meyer-Landrut mit den "The Voice Kids"-Kandidaten Ridon Jakupi und Matteo Markus im März 2016

Lena: Ich bin es ja eigentlich gewohnt. Es war natürlich schön, dass Stefanie dabei war. Wir mögen uns sehr und verstehen uns super. Aber ich entscheide das ja nicht und muss mich dem beugen. Es ist jedoch vollkommen in Ordnung.

GALA: Warum liegen dir die Kids besonders, und nicht die "Normalos" oder die "Seniors"?

Lena: Ich weiß gar nicht, ob mir die "Normalos" oder "Senioren" nicht liegen, aber "The Voice Kids" ist einfach mein Format. Ich liebe es und arbeite sehr gerne mit Kindern. Ich bin hier einfach zu Hause.

GALA: Es gibt immer wieder viele, zum Teil heftige Schlagzeilen über dich. Du sollst deine Fans mit einigen Instagram-Posts regelrecht "schockiert" haben, heißt es. Wie siehst du das?

Lena: Ich bin der Meinung, dass Schlagzeilen heutzutage mehr auf Clickbaiting aus sind als auf alles andere. Wenn man sich die Artikel dann durchliest, stellt man fest, dass doch alles nicht so wild und verrückt und schockierend ist. Veränderungen gibt es immer, Veränderungen sind immer gut und Veränderungen sind immer etwas schmerzhaft.

Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, mich von diesen Schlagzeilen und diesem immerwährenden Schock über irgendwas Neues, was gar nicht mehr neu ist, zu befreien. Ob das nun eine Magersucht ist oder eine Sexoffensive, die angeblich passiert. Ich kann das alles nicht nachvollziehen. Aber es ist nun mal das, was am besten funktioniert und deswegen muss ich da wohl durch. Das Wichtigste ist, dass ich mich nicht davon beeinflussen lasse.

GALA: In deinem Song "Skinny Bitch" geht es um diese heftigen Schlagzeilen und Kommentare in den sozialen Netzwerken. Auch das Video, in dem du dich nur mit Klebeband um den Oberkörper und einem Maulkorb präsentierst, sorgte für eine Provokation.

View this post on Instagram

SKINNY BITCH VIDEO SCHON GESEHEN ? Link in bio

A post shared by Lena (@lenameyerlandrut) on

Lena: Das Lied ist ja bereits vor eineinhalb Jahren auf meinem Album erschienen. Das Video haben wir aus einer Schnapsidee heraus während der Tour im Mai letzten Jahres gedreht. Wir hatten eine Verkleidungsparty bei einem Konzert in Wien und dann hat der Kameramann das einfach festgehalten. "Skinny Bitch" ist aber keine große Single. Mir war es einfach wichtig, dass es konstant Musik von mir gib und ich meinen Weg weitergehe für Dinge, die ich liebe, für die mein Herz schlägt. Das manifestiert sich immer mehr in mir.

Ich weiß, dass ich in der Vergangenheit nicht immer einen klaren Weg hatte, weil ich nicht wusste, wohin es mit mir geht. Deshalb bin ich viel auf Events gegangen und habe für dies und jenes Werbung gemacht. Mittlerweile merke ich, dass ich viel lieber im Studio bin und an meiner Musik arbeite. Im letzten Jahr war ich sehr viel unterwegs und sehr präsent. Ich sehne mich aber aktuell sehr nach Ruhe und Zurückgezogenheit.

GALA: War dieser Song eine Art Befreiung für dich?

Lena: Auf jeden Fall. Sowieso ist Musik immer - ob man sie nur hört oder selber produziert - eine Therapie. Bei "Skinny Bitch" konnte ich meine Gefühle aufs Papier bringen und sie veröffentlichen. Das war definitiv ein Befreiungsschlag. Es ist ja auch ein Unterschied, ob man es nur für sich ins Tagebuch schreibt oder es für jedermann zugänglich macht.

GALA: Warst du aufgrund der negativen Kommentare auch schon mal an dem Punkt, mit Social Media aufzuhören?

Lena: Ja, klar. Ich war öfter an diesem Punkt. Aber ich glaube, es ist wichtig, sich dann auf das Wesentliche zu fokussieren. Anfang Januar habe ich zum Beispiel eine dreiwöchige Social-Media-Pause gemacht. Das tut sehr gut, die Prioritäten werden wieder ins rechte Licht gerückt.

GALA: Wie gefährlich sind soziale Medien deiner Meinung nach?

Lena: Ich finde das sehr gefährlich, vor allen Dingen für die jüngere Generation. Aber auch ich bin gefährdet und auch ich bin Opfer. Instagram kreiert eine Welt, die nicht erreichbar ist und die sich dann schwer mit dem echten Leben verbinden lässt. Dass man nicht einheitlich aussehen muss, um akzeptiert zu sein, dass man nicht ein bestimmtes Gesicht haben muss, um schön zu sein, nicht einen bestimmten Beruf, um angesehen zu sein. Den jungen Leuten sollte unbedingt vermittelt werden, dass es um das innere Glück geht und nicht um das Instagram-Glück.

GALA: Du feierst in diesem Jahr dein zehnjähriges Jubiläum als Künstlerin. Am 29. Mai 2010 hast du den "Eurovison Song Contest" in Oslo gewonnen. Wird gefeiert?

Lena Meyer-Landrut nach ihrem ESC-Sieg bei der Ankunft in Hannover am 30. Mai 2010

Lena: Es wird definitiv gefeiert und zwar nicht zu knapp. Ich finde das total irre, dass es zehn Jahre sind. Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie ich damals in Hannover angekommen bin und am Rathausplatz stand. Unglaublich! Es ist total emotional für mich. Ich bin verrückterweise am 29. Mai, an dem es passiert ist, für ein Open-Air-Konzert in Hannover. Das war reiner Zufall. Als ich das gesehen habe, habe ich geschrien. Ich freue mich so sehr darüber, dass ich an diesem Tag zu Hause bin und es ein Heimspiel für mich ist

GALA: Wenn man wie du so lange im Geschäft ist und schon früh angefangen hat, wie kommt man mit diesem Ruhm überhaupt zurecht? Sollte man sich Hilfe holen?

Lena: Auf jeden Fall. Ich glaube generell nicht, dass Ruhm und in der Öffentlichkeit stehen an irgendjemandem spurlos vorbeigeht. Das ist einfach eine Extremsituation. Wenn man diese Situation nicht gewöhnt ist, braucht man immer Hilfe, um damit umzugehen. Das trifft ja auf alle Extremsituationen zu. Ob man jetzt jemanden, mit dem man tief verbunden war, verliert oder ob man in eine Sucht fällt - was auch immer - man sollte sich Hilfe von der Familie, von Freunden oder von Profis holen. Jeder muss für sich selber herausfinden, was das Beste für ihn ist.

Ich zum Beispiel habe mir von allen Seiten Hilfe geholt und das tue ich auch immer noch. Ich hatte schon Phasen, in denen es mir nicht gut ging, aber ich hatte immer ein gutes Netz, viel Rückhalt und Leute, die mich dauerhaft auf dem Boden halten. Es ist einfach wichtig, nicht den Bezug zur Realität zu verlieren und sich immer wieder auf das Wesentliche zu besinnen. Bei dem einen klappt das besser, bei dem anderen weniger gut.

Verwendete Quellen: eigenes Interview

Themen

Erfahren Sie mehr:

Star-News der Woche