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"The Crown" Wie viel Wahrheit steckt tatsächlich in der Netflix-Serie?

"The Crown"-Darstellerin Elizabeth Debicki in ihrer Rolle von Prinzessin Diana
"The Crown"-Darstellerin Elizabeth Debicki in ihrer Rolle von Prinzessin Diana
© Keith Bernstein / Netflix
Seit 2016 begeistert die Serie "The Crown" Millionen von Zuschauerinnen und Zuschauern. Das Leben von Queen Elizabeth, die düsteren Geheimnisse der Royals und die intimen Gespräche hinter den Palastmauern wecken eine Faszination, die mit jeder Staffel wächst. Doch wie akkurat sind die Szenen und woher ziehen die Produzent:innen ihr Wissen?

"The Crown" – eine Serie, die das Leben von Queen Elizabeth, †96, so ausführlich wie bisher kein anderes TV- oder Film-Projekt abbildet. Angefangen mit der Hochzeit der jungen Prinzessin Elizabeth im zarten Alter von 21 Jahren, läuft aktuell seit Mittwoch, 9. November 2022, die fünfte und vorletzte Staffel des Netflix-Erfolgs. Mittlerweile ist Prinzessin Diana, †36, Teil der britischen Königsfamilie: Ein Handlungsstrang, der auch in Staffel fünf für Aufsehen sorgt. Doch so faszinierend die Darstellung der Royals auch sein mag, so intim die Gespräche im Buckingham Palast zwischen Queen und Premierminister sich auch anhören mögen und so dramatisch die Liebesgeschichte vom damaligen Prinz Charles, 73, und Lady Di auch aussieht: Was ist wirklich wahr und was haben die Autor:innen frei erfunden?

Autor und Erfinder von "The Crown", Peter Morgan, 59, ist die Royal-Historie tatsächlich besonders wichtig, wie er im Interview mit "The Royal Collector's Edition" verriet: "Wir recherchieren extrem gut und genau. Die Begebenheiten entsprechen der Wahrheit, der geschichtliche Kontext natürlich auch. Bei den Dialogen erfinden wir, weil wir ja nicht dabei waren", so Morgan. Aber stimmt das wirklich? GALA hat genauer nachgesehen und festgestellt – nicht alle Begebenheiten entsprechen exakt der Wahrheit.

"The Crown": Hinter diesen Szenen steckt mehr Fiktion als Realität

Prinz Philip weigert sich, vor der neuen Königin zu knien: Es entspricht den Tatsachen, dass Prinz Philip, †99, es nach dem Amtsantritt seiner Frau besonders schwer hatte, sogar unglücklich gewesen sein soll. Er musste nicht nur seine Karriere bei der Marine aufgeben, sondern auch seine Rolle als Nebendarsteller akzeptieren. Dass sich der Royal allerdings zunächst weigern wollte, bei der Krönung von Queen Elizabeth vor ihr zu knien, ist Fiktion. Philip entstammt selbst einem Königshaus und ist mit den Abläufen und Sitten vertraut gewesen. 

Winston Churchill legt die 16 Monate Wartezeit bis zur Krönung fest: Diese Darstellung in "The Crown" stammt aus den Federn der Autor:innen. Es war nicht Churchill, der auf die Wartezeit bestand, um seine eigene Amtszeit als Premier zu verlängern. Es ist durchaus üblich, dass ein so großer Zeitraum bis zur Krönung eingehalten wird. Aus zwei Gründen: Die Vorbereitungen dauern enorm lang und es wäre unangemessen, so kurz nach dem Tod des Monarchen eine öffentliche Zeremonie abzuhalten. 

Prinz Philips Untreue und Affäre mit Pat Kirkwood: In Staffel eins von "The Crown" sorgt vor allem ein Thema für Aufsehen: Der junge Prinz Philip wird als Casanova dargestellt. Zwar wird es nie deutlich ausformuliert, dennoch wird ein Bild gezeichnet, das den mittlerweile verstorbenen Ehemann als untreu darstellt. Die Gerüchte halten sich auch im wahren Leben über Jahrzehnte. Die in "The Crown" dargestellte Affäre mit der Bühnenkünstlerin Pat Kirkwood ist allerdings bis heute umstritten. Kirkwood selbst dementiert alle Behauptungen, sie habe mit dem Duke of Edinburgh eine Liaison gehabt.

Prinz Charles' Affäre mit Camilla Parker Bowles: Ja, in der Ehe von Prinz Charles und seiner Diana gab es tatsächlich eine dritte Person. Camilla, 75, die heute die Königin und Ehefrau des Königs ist, hatte tatsächlich eine Liebschaft mit dem verheirateten Charles. Allerdings wird in "The Crown" etwas an den Zahlen gedreht. In der Serie bleiben Camilla und Charles all die Jahre in Kontakt. Tatsächlich soll der damalige Prince of Wales nach seiner Hochzeit mit Diana eine jahrelange Funkstille zu seiner großen Liebe gehabt haben. Ob sich Charles und Camilla durchgehend sahen, wie dargestellt, ist nicht bewiesen.

Prinzessin Dianas Ausflug mit Prinz Philip: In Staffel vier muss sich Prinzessin Diana dem Balmoral-Test unterziehen, um als potenzielle Partnerin für Charles infrage zu kommen. Tatsächlich gibt es diesen Test. Allerdings ist es nicht belegt, dass Prinz Philip die junge Frau mit auf die Jagd nahm, um sich ein genaueres Bild von ihr zu machen. Die überspitzte Darstellung hat aber einen Zweck: Sie soll die tiefe Verbundenheit der beiden Royals symbolisieren. Prinz Philip – und das ist Tatsache – hat Diana besonders in ihren ersten Jahren in der Königsfamilie mit Rat und Tat beiseite gestanden. 

The Crown: Diana und Charles
The Crown: Prinzessin Diana (Emma Corrina) und Prinz Charles (Josh O'Connor)
© Des Willie

Prinz Charles' und Prinzessin Dianas erstes Treffen: Auch diese Szene wurde in "The Crown" etwas dramatisiert. Der damalige Prinz Charles lernte Diana kennen, zeigte aber kein Interesse, als diese gerade einmal 16 Jahre jung war. Dass Diana bei dem Kennenlernen ein Baumkostüm trug, ist nicht belegt. Wahr ist allerdings, dass er Diana traf, als er sich mit ihrer großen Schwester Sarah Spencer, 67, verabredete. Erst drei Jahre später faszinierte die junge Diana den Thronfolger. 

Prinzessin Margaret ist gegen die Hochzeit von Charles und Diana: Diese Szenen sind Fiktion! Es soll der Wunsch von Darstellerin Helena Bonham Carter, 56, gewesen sein, dass sich die rebellische Margaret gegen die Hochzeit stellt. 

"The Crown": Premierminister John Major im Gespräch mit Prinz Charles
"The Crown": Premierminister John Major im Gespräch mit Prinz Charles.
© Netfllix

Prinz Charles' Treffen mit Premierminister John Major: In der ersten Folge der fünften Staffel wird gezeigt, wie Charles sich in einem geheimen Meeting mit dem damaligen Premierminister John Major, 79, trifft, um mit ihm über eine mögliche Abdankung seiner Mutter zu sprechen. Der Premierminister solle bei seiner Begegnung mit der Monarchin selbst beurteilen, "ob diese Institution, die uns allen so am Herzen liegt, in sicheren Händen ist", wie Charles es in der Szene umschreibt. Zu diesem Treffen ist es laut Nahestehenden allerdings nie gekommen: Der Außenminister unter Major, Sir Malcolm Rifkind, 76, bezeichnete die Unterstellung, der Prinz habe den Premierminister gedrängt, die Königin zu ermutigen, ihm Platz zu machen, als "erbärmlich und absurd". Es sei reine Fantasie, "wie wir es von dieser Sendung gewohnt sind", sagte er laut "Daily Mail".

"The Crown": Diese Darstellungen entsprechen der Wahrheit

Die Fotografen senken ihre Kamera: Als Queen Elizabeth am 6. Februar 1952 vom Tod ihres Vaters erfährt, passiert etwas Unglaubliches: Die Fotograf:innen, die sich vor dem Anwesen in Afrika befinden, in dem sich die neue Monarchin aufhält, schießen keine Fotos, als Elizabeth heraustritt. Es wären die ersten Fotos von der neuen Königin gewesen. Doch aus Respekt vor der trauernden Tochter, die gerade ihren Vater verloren hat, verzichten die Paparazzi auf Aufnahmen. Die ersten Bilder von Queen Elizabeth entstehen in London am Flughafen. 

Prinz Philip will den Familiennamen von Windsor ablegen: Es stimmt! Prinz Philip bestand darauf, dass das britische Königshaus nicht länger den Namen Windsor, sondern seinen Familiennamen Mountbatten tragen soll. Auch seine Kinder sollten den Namen tragen. Als dies abgelehnt wurde, soll er, ebenso wie in der Serie, überaus wütend reagiert haben. 

The Crown: Queen Elizabeth und Prinz Philip
The Crown: Queen Elizabeth (Claire Foy) und Prinz Pilip (Matt Smith)
© Robert Viglasky / Netflix

Das Essen zwischen Camilla Parker Bowles und Lady Di: In der vierten Staffel kommt auch die Beziehung von Diana und ihrer Rivalin Camilla zur Sprache. Eine der Szenen zeigt die beiden Frauen in einem Restaurant. Die unglaubliche Ironie: Das Lokal trägt den Namen "Ménage à Trois" [dt. Dreierbeziehung]. Peter Morgan offenbart: "Kein Scherz, das ist tatsächlich der Name des Restaurants. Hätte ich das erfunden, wäre ich zum absoluten Arschloch erklärt worden!" Auch Palast-Insidern zufolge soll es derartige Treffen zwischen Diana und Camilla gegeben haben. Charles und seine Frau hätten sogar ganze Wochenenden bei den Parker Bowles verbracht.

Dianas Bulimie-Erkrankung: Auch die Essstörung von Prinzessin Diana zählt zu den Fakten. Ihre Erkrankung machte sie 1995 in ihrem brisanten BBC-Interview öffentlich. Es sei ein Schrei nach Aufmerksamkeit gewesen, den niemand habe hören wollen – erst recht nicht die Königsfamilie. 

Bei Feierlichkeiten in London

Prinzessin Annes Affäre mit Peter Cross: Ja, Seitensprünge und Affären sind in der royalen Familie keine Seltenheit. Auch Prinzessin Anne, 72, soll ihren ersten Mann Mark Phillips, 74, betrogen haben. Ihr Auserwählter war ihr damaliger Bodyguard Peter Cross. Laut Gillian Nicholls, die zum gleichen Zeitpunkt mit Cross liiert gewesen war, stimmt die Darstellung in der Serie. "Seine Affäre mit ihr überschattete immer unsere Beziehung", erklärte sie 2020 der "Daily Mail". Auch Cross selbst sprach 1983 von einem "liebevollen" Verhältnis zur Prinzessin.

Die Biografie "Diana: Her True Story" (in Deutschland unter: "Diana – Ihre wahre Geschichte"): Es ist nicht schwer zu beweisen, dass es das Buch, das in der zweiten Folge der fünften Staffel von "The Crown" mithilfe von Diana geschrieben wird, wirklich gibt. Die Biografie von Autor Andrew Morton, 69, hat damals einen enormen Aufschrei ausgelöst. In der Netflix-Serie reagiert die Königsfamilie – allen voran Charles – erzürnt über die Veröffentlichungen. In Wirklichkeit hatte der Palast damals allerdings versucht, das Buch zu diskreditieren, beschrieb die Prinzessin als "emotional unausgeglichen" und Morton als "selbstdarstellerischen Schreiberling", wie die "Times" damals berichtete.

Verwendete Quellen: The Royal Collector's Edition, "Diana: Her True Story – In Her Own Word" von Andrew Morton, "Das geheime Leben der Windsors. Die ganze Wahrheit" von Helmut-Maria Glogger, "Daily Mail", "Times"

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