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"Tausend Zeilen" und noch mehr Sehnsucht Die Kino-Tipps im September

Jonas Nay als Betrüger Lars Bogenius in "Tausend Zeilen" (li.) und Idris Elba als magischer Dschinn in "Three Thousand Years O
Jonas Nay als Betrüger Lars Bogenius in "Tausend Zeilen" (li.) und Idris Elba als magischer Dschinn in "Three Thousand Years Of Longing".
© 2022 Metro-Goldwyn-Mayer Pictures Inc. All Rights Reserved. / Copyright: Marco Nagel/WARNER BROS. PICTURES
Im September heißt es: "Don't Worry Darling"! Immerhin gibt es "Tausend Zeilen" zu lesen und "Three Thousand Years Of Longing" zu bestaunen.

Die ganz große Filmauswahl mag der September zwar nicht zu bieten haben. Sehenswert ist das Angebot aber allemal: Mit "Three Thousand Years Of Longing" probiert sich "Mad Max"-Regisseur George Miller (77) an einem Märchen, in "Don't Worry Darling" zerfällt derweil eine 50er-Jahre-Idylle in seine Einzelteile. Ebenso wie das Lügenkonstrukt eines hochangesehenen Journalisten in "Tausend Zeilen" von Michael Bully Herbig (54).

"Three Thousand Years Of Longing", 1. September

Dr. Alithea Binnie (Tilda Swinton, 61) lebt zufrieden umgeben von Büchern und Mythen. Eine Konferenz führt sie nach Istanbul. Beim Besuch des Bazars entdeckt sie eine alte Glasflasche. Zurück in ihrem Hotel beobachtet Alithea voller Erstaunen wie ein Dschinn (Idris Elba, 49) dem Gefäß entweicht. Und ganz wie in den Überlieferungen bietet der Flaschengeist ihr drei Wünsche im Tausch für seine Freiheit an. Doch Alithea zögert. Mit Geschichten aus seinem Leben und längst vergangenen Zeiten, von Abenteuern und Lieben versucht der Dschinn, sie für sich zu gewinnen. Berührt von seinen Erlebnissen spricht Alithea schließlich einen Wunsch aus, der ihr beider Leben für immer verändern wird.

Einschätzung:

Ein Märchen der Marke "Tausend und eine Nacht" trifft auf "Mad Max"-Macher George Miller. Diese Kombination verspricht vor allem eins: Bildgewalt. Schon der Trailer verheißt einen schrägen Trip der Sinne, in dessen Zentrum das kongeniale Duo Swinton/Elba steht. In fremdere Welten als in "Three Thousand Years Of Longing" werden Filmfans in diesem September nicht mehr entführt.

"Don't Worry Darling", 22. September

Alice (Florence Pugh, 26) und Jack (Harry Styles, 28) können sich glücklich schätzen: Sie gehören zu den Bewohnern der utopischen Gemeinde Victory, einer experimentellen Unternehmenssiedlung, in der die Mitarbeiter des streng geheimen Victory-Projekts mit ihren Familien leben. Der gesellschaftliche Optimismus der 1950er-Jahre, den Victory-CEO Frank (Chris Pine, 42) versprüht, durchzieht jeden Aspekt des täglichen Lebens in dieser verschworenen Gemeinde mitten in der Wüste. Doch dann legen sich erste Schatten über das idyllische Leben, und es wird deutlich, dass hinter der verführerischen Fassade etwas Unheimliches lauert. Alice beginnt sich zu fragen, was genau in Victory vor sich geht - und warum.

Einschätzung:

Schon mit ihrem Regie-Debüt "Booksmart" bewies Schauspielerin Olivia Wilde (38), auch hinter der Kamera großes Talent zu besitzen. Bei "Don't Worry Darling" verabschiedet sie sich vom Comedy-Genre und ergründet stattdessen das Thriller/Mystery-Fach - und das mit vielversprechender Prämisse, wunderschöner 50er-Jahre-Optik und herausragender Besetzung. Kleiner Fakt am Rande: Mit ihrem Hauptdarsteller Harry Styles hat Wilde durch die Dreharbeiten am gemeinsamen Film ihr privates Liebesglück gefunden.

"Tausend Zeilen", 29. September

Der eine hat Erfolg, der andere hat Zweifel! Der freie Journalist Juan Romero (Elyas M'Barek, 40) findet Ungereimtheiten in einer Titelgeschichte des preisgekrönten Reporters Lars Bogenius (Jonas Nay, 31). Doch die Chefetage des Nachrichtenmagazins "Chronik" hält vorerst konsequent zu ihrem gefeierten Edelschreiber und versucht, Romeros Suche nach der Wahrheit zu ignorieren. Zu sehr haben die Chefs auf ihren jungen Shootingstar gesetzt, da darf es einfach keine Unregelmäßigkeiten geben. Doch Romero ist nicht zu stoppen. Bei seiner Recherche geht er buchstäblich an Grenzen, bis er nichts mehr zu verlieren hat ... außer seinem Job, seinem Ruf und seiner Familie.

Einschätzung

Aus Claas Relotius (36) wird Lars Bogenius, aus Juan Moreno (49) wird Juan Romero und aus dem "Spiegel" die "Chronik": Mit "Tausend Zeilen" widmet sich Michael Bully Herbig einem der größten deutschen Medienskandale der jüngsten Vergangenheit. 2018 trat er mit "Ballon" eindrucksvoll den Beweis an, dass er mehr als "Bullyparade"-Klamauk im Repertoire hat und reale Stoffe bestens bei ihm aufgehoben sind. Was seine ernsten und albernen Filme zudem eint: Sie alle sehen in aller Regel fantastisch aus, kaum ein deutscher Regisseur liefert derartigen Hollywood-Hochglanz wie Herr Herbig.

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