"Sing meinen Song": Diplomatie und Tränen für die Oma

Bei "Sing meinen Song" war "Pur" an der Reihe. Erst half Diplomatie. Dann gab es reichlich Tränen

Zu behaupten, Hartmut Englers Band "Pur" sei "umstritten", trifft die Sache nicht ganz. Denn eigentlich werden in dieser Angelegenheit keine Argumente mehr ausgetauscht. Es gibt da jene Fraktion, die "Pur" großartig findet. Und dann all die anderen, die mit den Angehörigen dieser Gruppe am liebsten gar nicht in einem Raum gesehen werden wollen. Vor diesem Hintergrund geriet die Ausgabe von "Sing meinen Song" am Dienstag (16. Juni) zu einem interessanten Krisenexperiment: Denn sieben Musiker, die bislang eher nicht im Verdacht standen, "Pur" zu hören, mussten Englers Songs vor laufender Kamera covern.

Respekt vor der handwerklichen Leistung

Wie also geht man diese Gratwanderung an, wenn man einerseits erfolgreicher Popmusiker mit intaktem Image ist, andererseits aber gerade mit dem "Pur"-Sänger tausende Kilometer von zu Hause in einem Feriendomizil unter einem Dach einquartiert ist? Die Antwort ergab sich schnell: Mit offen zur Schau getragenem Respekt vor der handwerklichen Leistung des Kollegen Engler. Und ein wenig subtiler Distanzierung.

Sido pöbelt bei "The Voice of Germany"

So reagieren die Zuschauer

The Voice of Germany 2019: Rea Garvey, Sido, Alice Merton und Mark Forster
Schon in der ersten Folge von "The Voice of Germany" eckt Rapper Sido bei seinen Jury-Kollegen mit seinen spitzen Kommentaren an. Die Zuschauer hingegen feiern ihn für seine Ehrlichkeit. Im Video sehen Sie die besten Twitter-Reaktionen.
©Brigitte / Gala

"Man muss die Texte schon ein bisschen zusammenfassen"

"Man kann ja von den Hartmut-Texten halten, was man will - aber sie sind alle durchdacht bis zum Ende", gaben die beiden anwesenden "Prinzen" zu Protokoll, nachdem sie unter anderem den Radio-Hit "Lena" gecovert hatten. Yvonne Catterfeld, 35, drehte das irgendwie andersherum: "Der rotzt das einfach so raus, wie"s ihm einfällt", klagte sie. "Das sind Worte, die ich nie so gewählt hätte: 'Zweifels-Marterpfeile quer durch Hirn und Herz'", rezitierte die Teilzeit-Schauspielerin gewissermaßen mit spitzen Fingern. "Aber wie viele Menschen er damit erreicht, das gibt ihm schon recht." Und der Zuschauer notierte irritiert: Das war ein Mainstream-Diss aus dem Munde Yvonne Catterfelds.

Auch Andreas Bourani, 31, der eine recht kredible Soulvariante des "Pur"'schen Schmachtsongs "Funkelperlenaugen" wagte und eigentlich voll des Lobes für die emotionale Qualität von Englers Songs war, musste da auf Nachfrage ein kleines Geständnis machen. Denn den ganzen Text hatte er lieber nicht in sein Cover mit hinübergenommen: "Man muss die Texte schon ein bisschen zusammenfassen", grinste er verlegen.

Und dann doch noch: Echte Tränen!

Dass der Abend mehr Potenzial bot, als nur ein musikalisch harmloses Spiel aus Respekt und sachter Ironie, bewies dann aber tatsächlich noch Ex-"Sub7even"-Sänger Daniel Wirtz, 39. Er spielte schlicht und gerade den "Pur"-Song "Wenn sie diesen Tango hört". Ein Lied, das Hartmut Engler einst für seine Oma schrieb, ohne große Wortkapriolen, eine Verbeugung vor der Verwandten und der Endlichkeit des Lebens. Der Autor selbst vergoss Tränen - und sie wirkten noch nicht einmal so arg eingeplant wie sonst bisweilen bei "Sing meinen Song". Der Rest der Runde saß ebenfalls sichtlich in Gedanken versunken. Dafür kassierte Wirtz auch gleich den Tagessieg.

Singende Schauspieler

Diese Stars haben Musik im Blut

In der Schauspielbranche ist Kiefer Sutherland kein unbeschriebenes Blatt, wurde mehrfach für seine schauspielerischen Leistungen ausgezeichnet. Doch auch musikalisch hat der 52-Jährige einiges auf Lager. 2016 brachte er das Album "Down in a Hole" auf den Markt. 
Mit seiner Band "The Jazz Kids" tritt Schauspieler Tom Schilling in Hannover auf. Es gibt sogar ein Debütalbum, mit dem Namen "Vilnius".
Überraschungsgast bei Coldplay: Chris Martin bittet plötzlich Schauspieler Michael J. Fox auf die Bühne. Gemeinsam spielen sie die Hits aus dem Film "Zurück in die Zukunft".
Im Kino ist Bruce Willis meistens dafür zuständig die Welt zu retten. Auf der Bühne beweist der Schauspieler aber auch seine musikalische Seite. Seine Platte "The Return of Bruno" beispielsweise ist mit Platin ausgezwichnet worden.

32

Um unter "Pur"-Skeptikern keine Weltbilder zu zerstören, spielte Engler allerdings auch noch selbst einen neuen Song; "Weltpremiere, gewissermaßen". Eine feine dichterische Klinge schwang der 53-Jährige in dem Lied nicht. Ein wenig "reim dich, oder ich fress dich" und dann eine ganz klare Forderung nach mehr Anstand in der verderbten Welt hörte das Vox-Publikum: "Achtung, Achtung! Achtung und Respekt". Es ist bei allem Respekt davon auszugehen, dass auch Yvonne Catterfeld diese Worte so nicht gewählt hätte.

Themen

Erfahren Sie mehr:

Star-News der Woche