VG-Wort Pixel

"Sing meinen Song" Diplomatie und Tränen für die Oma

Hartmut Engler
© VOX/ Markus Hertrich
Bei "Sing meinen Song" war "Pur" an der Reihe. Erst half Diplomatie. Dann gab es reichlich Tränen

Zu behaupten, Hartmut Englers Band "Pur" sei "umstritten", trifft die Sache nicht ganz. Denn eigentlich werden in dieser Angelegenheit keine Argumente mehr ausgetauscht. Es gibt da jene Fraktion, die "Pur" großartig findet. Und dann all die anderen, die mit den Angehörigen dieser Gruppe am liebsten gar nicht in einem Raum gesehen werden wollen. Vor diesem Hintergrund geriet die Ausgabe von "Sing meinen Song" am Dienstag (16. Juni) zu einem interessanten Krisenexperiment: Denn sieben Musiker, die bislang eher nicht im Verdacht standen, "Pur" zu hören, mussten Englers Songs vor laufender Kamera covern.

Respekt vor der handwerklichen Leistung

Wie also geht man diese Gratwanderung an, wenn man einerseits erfolgreicher Popmusiker mit intaktem Image ist, andererseits aber gerade mit dem "Pur"-Sänger tausende Kilometer von zu Hause in einem Feriendomizil unter einem Dach einquartiert ist? Die Antwort ergab sich schnell: Mit offen zur Schau getragenem Respekt vor der handwerklichen Leistung des Kollegen Engler. Und ein wenig subtiler Distanzierung.

"Man muss die Texte schon ein bisschen zusammenfassen"

"Man kann ja von den Hartmut-Texten halten, was man will - aber sie sind alle durchdacht bis zum Ende", gaben die beiden anwesenden "Prinzen" zu Protokoll, nachdem sie unter anderem den Radio-Hit "Lena" gecovert hatten. Yvonne Catterfeld, 35, drehte das irgendwie andersherum: "Der rotzt das einfach so raus, wie"s ihm einfällt", klagte sie. "Das sind Worte, die ich nie so gewählt hätte: 'Zweifels-Marterpfeile quer durch Hirn und Herz'", rezitierte die Teilzeit-Schauspielerin gewissermaßen mit spitzen Fingern. "Aber wie viele Menschen er damit erreicht, das gibt ihm schon recht." Und der Zuschauer notierte irritiert: Das war ein Mainstream-Diss aus dem Munde Yvonne Catterfelds.

Auch Andreas Bourani, 31, der eine recht kredible Soulvariante des "Pur"'schen Schmachtsongs "Funkelperlenaugen" wagte und eigentlich voll des Lobes für die emotionale Qualität von Englers Songs war, musste da auf Nachfrage ein kleines Geständnis machen. Denn den ganzen Text hatte er lieber nicht in sein Cover mit hinübergenommen: "Man muss die Texte schon ein bisschen zusammenfassen", grinste er verlegen.

Und dann doch noch: Echte Tränen!

Dass der Abend mehr Potenzial bot, als nur ein musikalisch harmloses Spiel aus Respekt und sachter Ironie, bewies dann aber tatsächlich noch Ex-"Sub7even"-Sänger Daniel Wirtz, 39. Er spielte schlicht und gerade den "Pur"-Song "Wenn sie diesen Tango hört". Ein Lied, das Hartmut Engler einst für seine Oma schrieb, ohne große Wortkapriolen, eine Verbeugung vor der Verwandten und der Endlichkeit des Lebens. Der Autor selbst vergoss Tränen - und sie wirkten noch nicht einmal so arg eingeplant wie sonst bisweilen bei "Sing meinen Song". Der Rest der Runde saß ebenfalls sichtlich in Gedanken versunken. Dafür kassierte Wirtz auch gleich den Tagessieg.

Um unter "Pur"-Skeptikern keine Weltbilder zu zerstören, spielte Engler allerdings auch noch selbst einen neuen Song; "Weltpremiere, gewissermaßen". Eine feine dichterische Klinge schwang der 53-Jährige in dem Lied nicht. Ein wenig "reim dich, oder ich fress dich" und dann eine ganz klare Forderung nach mehr Anstand in der verderbten Welt hörte das Vox-Publikum: "Achtung, Achtung! Achtung und Respekt". Es ist bei allem Respekt davon auszugehen, dass auch Yvonne Catterfeld diese Worte so nicht gewählt hätte.

SpotOnNews


Mehr zum Thema


Gala entdecken