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Corona-Krise Das wird sich danach zum Guten wenden

Die Zukunft nach der Corona-Krise kann viele Veränderungen mit sich bringen.
Die Zukunft nach der Corona-Krise kann viele Veränderungen mit sich bringen.
© Zhuravlev Andrey/Shutterstock.com
"Kurz bevor die Sonne aufgeht, ist die Nacht am dunkelsten": Wenn die Corona-Pandemie bezwungen ist, wird sich einiges zum Guten ändern.

Schrecklichen Dingen wie der Corona-Krise etwas Positives abzugewinnen, kann schnell zynisch klingen oder wie Zweckoptimismus anmuten. Fakt ist, dass die Welt nach überstandener Pandemie eine andere sein wird. Ob es nun der Blick auf vermeintlich Unbedeutendes ist oder die Art und Weise, wie wir zukünftig arbeiten, leben und lieben: Hier einige Dinge, die sich Post-Corona (hoffentlich) zum Guten wenden werden.

Die neue Gelassenheit

Eines vorweg: Der Mensch tendiert gerne dazu, unangenehme oder schmerzhafte Erfahrungen zu verdrängen - sonst gäbe es auf der Welt wohl keine einzige Frau mit mehr als einem Kind. Zumindest temporär sollte sich nach der überstandenen Corona-Krise aber eine angenehme Form der Gelassenheit im Allgemeinen sowie im Umgang mit den Mitmenschen einstellen. Genießt der Nachbar die wiedergewonnene Freiheit halt 20 Minuten nach 22:00 Uhr lautstark mit Freunden im Innenhof - ohne, dass ich wegen Ruhestörung die 110 ins Telefon hämmere. Und im Supermarkt ist die Lieblingsschokolade vergriffen? So what? Die mit Mandeln ist auch ganz lecker.

Wertschätzung hat nichts mit Schätzen zu tun

Apropos Supermarkt: Wer hätte vor nicht einmal zwei Monaten gedacht, dass einem der Anblick eines frisch aufgefüllten Klopapierregals die Freudentränen in die Augen treiben würde? Manchmal bedarf es erst einer Katastrophe, um Dinge wertzuschätzen, die einem selbstverständlich vorkommen - und damit ist nur zur Veranschaulichung der "Luxus" gemeint, sich den Hintern nicht mit Küchen- oder Zeitungspapier abputzen zu müssen.

Viel bedeutsamer wird die Dankbarkeit sein, die wir angesichts unserer Freunde und Familienmitglieder verspüren werden. Trauriger Fakt ist, dass nicht mehr jeder nach Corona in der Lage sein wird, die Großeltern zu besuchen. Mit Freude sollten daher die unangenehmen Fragen zum eigenen Singledasein und das stets etwas zu fette Essen von Oma und Opa zelebriert werden. Denn es ist alles andere als selbstverständlich.

Wehmütig wird derweil momentan der ein oder andere auf den Abend zurückblicken, an dem er oder sie den Freunden aus Bequemlichkeit abgesagt hat, um lieber solo auf der Couch zu lümmeln. Die Bereitschaft, seine Zeit den Liebsten zu widmen, wird nach Corona ganz bestimmt steigen.

Mindestens genauso stark wie geselligen Zeiten mit Freunden muss zukünftig Personen außerhalb der eigenen Privatsphäre Wertschätzung entgegengebracht werden, die ihnen eigentlich seit jeher zustehen sollte: Jene Supermarkt-Mitarbeiter, Alten- und Krankenpfleger, das gesamte Klinikpersonal, die unsere Gesellschaft eben nicht nur während der Corona-Krise aufrecht halten - sondern an jedem normalen Tag des Jahres, jedes Jahr.

Zeit für Veränderungen

Ohne Gnade legt die Corona-Pandemie dieser Tage den Finger in die Wunde all der Versäumnisse, die in Deutschland und weltweit jahrelang ignoriert wurden. Wenn nicht jetzt eine Modernisierung des Krankenhaus-Equipments und bessere Bezahlung für Pflegekräfte vorangetrieben wird, wann dann? Eine perfekte Welt wird es nie geben, davon zu träumen wäre naiv. Nichtsdestotrotz dürfte selbst den engstirnigsten Entscheidungsträgern dieser Welt die Frage durch den Kopf schwirren, ob in Zukunft die ein oder andere Milliarde nicht besser im Gesundheits- denn im Rüstungswesen angelegt ist. Das wäre doch mal einen Tweet wert, Mr. President.

In einem weiteren Punkt muss Deutschland massiv vor der eigenen Haustüre kehren. Denn die Bundesrepublik wird gerne und nicht zu Unrecht als digitales Entwicklungsland bezeichnet. Dass die Wirtschaft dieser Tage aber nicht noch mehr leidet, als ohnehin der Fall ist, verdankt sie auch der Möglichkeit vieler Berufstätiger, aus dem Homeoffice zu arbeiten. Nur funktioniert das bei einigen - etwa auf dem Land lebenden - Menschen mehr schlecht als recht. Hier muss der oft propagierte, flächendeckende Ausbau spätestens als Folge der Corona-Krise endlich vorangetrieben werden.

Bezüglich Homeoffice: Hier könnten sich für einige Arbeitnehmer künftig flexiblere Möglichkeiten ergeben. Denn viele Unternehmen, die sich vor der Corona-Pandemie noch vor vermeintlich faulenzende Angestellte in den eigenen vier Wänden gefürchtet und folglich Homeoffice-Verbot ausgesprochen haben, merken inzwischen: das funktioniert ja! Auch wenn in unmittelbarer Zeit nach Corona wohl die meisten Leute dankbar darüber sein werden, wieder ins Büro und in sozialen Kontakt mit den Kollegen treten zu können.

König Fußball muss auch sparen

Der letzte Punkt ist im Vergleich zu den anderen zwar nicht ganz so wichtig. Bekanntlich wohnen in Deutschland aber 82 Millionen Bundestrainer, die die Entwicklung der schönsten Nebensache der Welt in den kommenden Monaten interessiert beobachten werden. Die Corona-Krise ist für viele Teams aber eine immense Gefahr, nicht wenigen droht die Insolvenz, sollte nicht bald wieder der Spielbetrieb aufgenommen werden können.

Ein positiver Aspekt wird sein, dass die Ablösesummen, die in den vergangenen Jahren regelrecht explodiert sind, vorerst der Vergangenheit angehören dürften. Exorbitante Beträge jenseits der 100 Millionen Euro kann und wird erst einmal kein Club mehr auf den Tisch legen, was dem Fußball im besten Fall die verlorengegangene Bodenhaftung zurückgibt. Und mit der kickt es sich am besten.

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