VG-Wort Pixel

Kylie Minogue Süchtig nach dem Kick

Kylie Minogue
© Reuters
Exklusiv in "Gala" spricht Kylie Minogue über den Schönheitswahn im Popzirkus, ihre Ungeduld - und große Lebensträume

Eigentlich dürfte Kylie Minogue zurzeit gar nicht so gut gelaunt sein - aus gleich drei Gründen. Ihr im März mit viel Werberummel veröffentlichtes Studioalbum "Kiss Me Once" entpuppte sich als kommerzieller Flop. Mit den Männern will es auf Dauer einfach nicht klappen. Und dann ist da noch der immer lauter werdende Spott über ihr Aussehen. Sie verwandle sich in ein Botox-Babe mit eingefrorenen Gesichtszügen, sagen manche.

Der "Gala"-Live-Check auf der Dachterrasse des Berliner "Soho House" fällt da deutlich positiver aus. Beim Interview anlässlich ihrer aktuellen Tour, die Ende September startet, wirkt die Pop-Prinzessin natürlich schön und gar nicht maskenhaft. Vor manchen Antworten legt sie die Stirn sichtbar in Falten. Und um ihre Augen zeichnen sich Lachfältchen ab. Trotz der privaten und beruflichen Rückschläge präsentiert sich die 46-Jährige tiefenentspannt. Zudem ist sie ein wohltuend reflektierter Mensch - sogar wenn sie auf Fragen antwortet, die man einer Frau nur mit Vorsicht stellt.

Das Pop-Business wird von Jugendlichkeit geprägt. Fällt es Ihnen schwer, in diesem Umfeld älter zu werden?

Kylie on Tour: Am 24. September feiert die "Kiss Me Once"-Tour in Liverpool Premiere. Kylie Minogue verspricht "ein Fest für die Sinne" und will "so viele alte Hits wie möglich" performen. In Deutschland gibt sie vier Konzerte: 22.10. KÖLN/25.10. MÜNCHEN/27.10. BERLIN/28.10. HAMBURG. Tickets gibt es zum Beispiel auf eventim.de.
Kylie on Tour: Am 24. September feiert die "Kiss Me Once"-Tour in Liverpool Premiere. Kylie Minogue verspricht "ein Fest für die Sinne" und will "so viele alte Hits wie möglich" performen. In Deutschland gibt sie vier Konzerte: 22.10. KÖLN/25.10. MÜNCHEN/27.10. BERLIN/28.10. HAMBURG. Tickets gibt es zum Beispiel auf eventim.de.
© Reuters

Momentan bereitet mir das zum Glück noch keine allzu großen Probleme. Aber soll ich Ihnen sagen, was ich als besonders schwierig daran empfinde, mit 46 Jahren ein Popstar zu sein? Über diesen Zustand zu sprechen und ihn zu analysieren! Ich bin so, wie ich bin. In gewisser Weise fühle ich mich immer noch jung, und so wie ich mich selbst sehe, präsentiere ich mich auch.

Kürzlich haben Sie sich für ein italienisches Männermagazin im Bikini fotografieren lassen ...

Am Anfang dachte ich: Bikini? In meinem Alter? Meint ihr das wirklich ernst? Dann habe ich mich aber doch überzeugen lassen, und am Ende war ich mit dem Ergebnis erstaunlich zufrieden. Ich mag meinen Körper. Trotzdem gebe ich mich keinen Illusionen hin: Mir ist klar, dass ich keine 26 mehr bin und die Schwerkraft auch bei mir ihren Tribut fordert.

Was mögen Sie an sich?

Meine schnelle Auffassungsgabe. Außerdem bin ich ein sehr leidenschaftlicher Mensch und eine treue Freundin.

Und was gefällt Ihnen weniger?

Manchmal kann ich furchtbar ungeduldig sein. Ich fange oft zu viele Dinge gleichzeitig an und bringe dann nichts richtig zu Ende. Mir fällt es schwer, mich auf eine Sache zu konzentrieren. Vielleicht liegt es daran, dass ich ein sehr flatterhafter Mensch bin.

Haben Sie schon mal Entscheidungen getroffen, die Sie heute bedauern?

Sie glauben gar nicht, in wie vielen Bereichen ich schon komplett danebengegriffen habe! Aber, hey: So ist das Leben! Es wäre doch furchtbar langweilig, wenn wir keine Fehler machen würden.

Können Sie Beispiele nennen?

Oh Gott, da weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll. Ich habe reihenweise Flops erlebt. Bei Freunden oder Freundinnen, bei Männern, in Sachen Karriere - oder bei der Wahl meiner Outfits ... (lacht)

Daten Sie zur Zeit jemanden?

Nein, ich bin Single.

Glauben Sie noch an die große Liebe?

Ich möchte gerne an sie glauben. Aber je mehr Erfahrungen ich sammle, desto schwerer fällt mir das.

Eigener Nachwuchs bleibt weiterhin ein Traum?

Es gibt immer wieder Zeiten, in denen ich mir sehr ein Kind wünsche, aber dann wiederum denke ich manchmal still bei mir, dass es vielleicht einfach nicht sein soll und ich mich wohl damit abfinden muss, dass dieser Wunsch für immer unerfüllt bleibt. Ich kann im Leben eben nicht alles haben.

Sie sind eine gestandene Frau, doch bis heute klebt an Ihnen das Image des stets gut gelaunten, sexy Girlies.

Dieses Bild ist definitiv ein wichtiger und wesentlicher Bestandteil meiner Karriere.

Geht Ihnen das nicht langsam auf die Nerven?

Nein, da gibt es wirklich Schlimmeres. Natürlich setzt mich dieses Image mit fortschreitendem Alter zunehmend unter Druck. Aber das liegt in der Natur der Sache. Ich arbeite eben in einer Branche, in der Jugend und Schönheit großgeschrieben werden. Wer im Popzirkus dauerhaft ganz oben mitmischen möchte, muss sich gewissen Zwängen beugen. Zumal ich und andere Stars meines Semesters gerne mit den Jüngeren verglichen werden.

Heißt das womöglich: Entweder stirbst du früh, ziehst dich irgendwann zurück oder versuchst solange wie möglich jung zu bleiben?

Überspitzt kann man das sicher so sagen.

Sehen Sie sich in zehn Jahren immer noch in gewagten Outfits über die Bühnen der Welt tänzeln, wie es zum Beispiel Madonna mit Mitte fünfzig macht?

Ich weiß nicht, was die Zukunft für mich bereithält. Inzwischen ist es ja bald zehn Jahre her, dass bei mir Brustkrebs diagnostiziert wurde. Und in dieser Zeit gab es Momente, in denen ich mir sicher war, dass meine Karriere zu Ende ist. Zum Glück kam dann doch alles ganz anders. Was Madonna betrifft: Warum spricht man eigentlich einer Frau ab einem bestimmten Alter das Recht ab, auf Sexiness oder aggressive Erotik zu setzen? Ich finde das extrem unfair!

Wäre es für Sie eine Option, sich irgendwann beruflich ganz neu zu erfinden?

Natürlich. Ich frage mich nur, ob meine Fans da mitziehen würden. Für mich steht fest, dass ich meinen Job noch so lange wie möglich ausüben möchte. Auf der Bühne zu stehen, liebe ich ganz besonders. Ich bin regelrecht süchtig nach dem Kick, den mir eine Live-Performance gibt. Ein Leben ohne dieses Gefühl kann ich mir nicht mehr vorstellen.

Alexander Nebe Gala

Mehr zum Thema