Eugene Allen: Lächelnd im Zentrum der Macht

Fast vierzig Jahre diente Eugene Allen im Weißen Haus, dabei kam er acht US-Präsidenten und deren Familien so nah wie nur wenige. Manche wurden sogar zu Freunden. Nun ist er der große Held des Hollywood-Films "Der Butler"

Als Eugene Allen 1952 als "Pantry Man" im Weißen Haus anfing, betrug sein Jahresgehalt 2400 Dollar. Dafür musste er in der Präsidentenküche Geschirr abwaschen, Silber putzen und die Haushaltsschränke mit frisch gebügelten Tischdecken auffüllen. 33 war er damals, und er konnte sich nichts Schöneres vorstellen, als seinem Land und dem Präsidenten zu dienen. Der hieß damals Dwight D. Eisenhower.

Normalerweise bediente Eugene Allen die Präsidenten: Gerald Ford und dessen Frau Betty 1974 beim Dinner im Weißen Haus.

Dass seine Geschichte mal den Stoff für einen großen Hollywood-Film liefern würde - davon hätte Eugene Allen, den alle nur Gene nannten, nicht mal geträumt. Jetzt, wo es so weit ist, kann er "Der Butler" nicht mehr sehen: Er starb 2010 mit 90 Jahren. Im Film wird er von Forest Whitaker gespielt. Und wie das Original erobert auch der Oscar-Preisträger ("Der letzte König von Schottland") die Herzen im Sturm: Als einen bescheidenen und loyalen Mann, der doch voller Stärke und Selbstbewusstsein ist, zeichnet Whitaker Eugene Allen nach. Unterstützt wird er in dem Film, den "Precious"- Regisseur Lee Daniels inszenierte, von Stars wie Mariah Carey (seine Mutter) und Oprah Winfrey (seine Frau). Winfrey beschreibt den Film als eine "Lektion Geschichtsunterricht", weil er viele historische Stationen thematisiert, etwa den gewaltlosen Protest der schwarzen Studenten in Greensboro 1960 oder die tödlichen Schüsse auf Martin Luther King 1968.

Eugene Allen stieg bald zum Butler auf. Fast vier Jahrzehnte diente er acht US-Präsidenten, darunter John F. Kennedy. Sein Sohn Charles Allen, 67, der nach "Gala"-Recherchen mit seinen Kindern in Washington lebt, erinnert sich: "Sie alle waren wie Familie für ihn." Eugene Allen arbeitete sechs Tage pro Woche und betonte noch 2008 gegenüber der "Washington Post" mit Stolz: "Ich war nicht einen Tag krank."

Wen Jane Fonda und Alan Rickman darstellen, ist sofort klar: Hier schreiten Ronald Reagan und Gattin Nancy die Treppe herunter. "Der Butler" ist die Filmbiografie eines besonderen Mannes, des Butlers Eugene Allen (im Film heißt er Cecil Gaines), zugleich aber auch eine Lektion in neuerer US-Historie. Anhand der Butlerkarriere im Weißen Haus werden acht Präsidenten und ihre First Ladys porträtiert. Filmstart in Deutschland: 10. Oktober.

Sein Job war seine Berufung, ihm ging es stets darum, so schnell wie möglich die Vorlieben seiner bedeutenden Chefs herauszufinden. "Mich haben die Wechsel nicht gestört. Ich wollte immer nur wissen, was sie mochten und wie ich ihnen eine Freude machen kann." Wahrscheinlich genoss er auch daher besondere Vorrechte. Eugene Allen, der sich im hohen Alter für die Wahl von Barack Obama zum ersten afroamerikanischen Präsidenten einsetzte, wurde von allen Vorgesetzten für sein politisches Verständnis geschätzt. 1969 reiste er mit Richard Nixon nach Rumänien, und Gerald Ford lud ihn zu seiner Geburtstagsparty ein - weil Gene am gleichen Tag Geburtstag hatte und mit dem Präsidenten fachkundig über die Weltpolitik und ebenso klug übers Golfen parlierte.

Auch bei den Familien der Politiker hinterließ er Eindruck. "Er hat es geschafft, dass wir uns immer willkommen fühlten", erinnert sich Fords Sohn Steve. Und seine Schwester Susan fügt hinzu: "Ich werde mich immer an Genes Liebenswürdigkeit erinnern und an sein wunderbares Lächeln."

Zwei Eigenschaften, die ihm in den Herzen der First Ladys einen besonderen Platz garantierten. Eines seiner schönsten Erlebnisse bescherte ihm Nancy Reagan, als sie zu ihm in die Küche kam. Eugene Allen vermutete, sie wolle Details für das Bankett mit dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl am Abend besprechen. Doch Nancy war gekommen, um ihn und seine Frau einzuladen - als gesetzte Gäste des großen Dinners. "Ich war bestimmt der einzige Butler, der je zu so einem Dinner eingeladen wurde", sagte Eugene Allen später schmunzelnd. An diesem Abend trank er zum ersten Mal in seinem Leben Champagner, und er wurde zum ersten Mal selbst bedient. "Mein Mann und ich haben ihn als sehr loyalen und bescheidenen Menschen kennengelernt", sagte Nancy Reagan erst kürzlich. "Ich bin so froh, dass ihn nun ein Film ehrt."

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Traurig war seine intensivste Erinnerung an Jackie Kennedy. Nachdem John F. Kennedy im November 1963 ermordet worden war, half Eugene Allen der Witwe bei der Organisation der Beerdigung und bekam dann eine persönliche Einladung. Er lehnte freundlich ab, denn er fühlte sich verpflichtet, nach der Trauerfeier die Gäste im Weißen Haus ordentlich zu empfangen. Jackie Kennedy schenkte ihm anschließend eine Krawatte ihres verstorbenen Mannes. Eugene Allen rahmte sie ein und hängte sie in seinem Zimmer auf. Getragen hat er sie nie.

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