Elina Garanèa: "In Männer muss man investieren!"

Elina Garanèa ist ein Weltstar der klassischen Musik. In "Gala" spricht die Sängerin über Kinder und Karriere - und die Beziehungsratschläge ihrer Großmutter

Elina Garan?a

Ein Geiger übt eine Stelle aus "Peer Gynt", eine Klarinette ertönt - von Orchesterklängen umgeben, treffe ich eine der besten Mezzosopranistinnen der Welt, Elina Garanèa, in der Berliner Philharmonie. Zum Gespräch ziehen wir uns ins ruhigere Dirigentenzimmer zurück. Seit ihrem internationalen Durchbruch 2003 in Salzburg hat die Lettin über Wien, Paris und New York die großen Bühnen der Welt erobert. Nach der Geburt ihrer zweiten Tochter nimmt sie nun die nächsten Ziele in Angriff.

In Österreich wurde Ihr Porträt auf eine Sonderbriefmarke gedruckt. Wie fühlt sich das an - mit 37 Jahren?

Unglaublich! (lacht) Jetzt kann ich als Delikatesse auf der Zunge zergehen. Manchmal frage ich mich, ob das wirklich alles mir passiert. Es fühlt sich oft so an wie in dem Film "Truman Show". Ich sehe mich von der Seite an und frage mich: Bin ich das eigentlich? Ich bin Kammersängerin geworden, obwohl ich noch viel zu jung bin. Jetzt die Sonderbriefmarke. Mein Konzert "Garanèa and Friends" findet schon zum siebten Mal statt, und meine Biografie erscheint in der zweiten Auflage. Irgendwie bringt das Schicksal immer wieder Neues.

Wer kam jetzt auf die Idee, eine CD mit geistlicher Musik herauszubringen?

Ich selbst. Alle meine CDs sind der Spiegel des Moments, in dem sie entstehen. "Habanera", als wir uns in Spanien ein Haus kauften, bei "Romantique" war ich mit meiner ersten Tochter schwanger, hatte also völlig andere Gefühle. Jetzt steuere ich auf die 40 zu, bin Mutter von zwei Kindern, die Gott sei Dank gesund sind, bin erfolgreich, habe einen tollen Mann ... Ich fühlte mich bereit, diese Ruhe, diesen Frieden nach außen zu kommunizieren.

Sakrale Musik: Nach einer Babypause bringt der Klassik-Star nun ein Album mit Werken aus vier Jahrhunderten heraus. Die CD kommt am 12.9. in den Handel, die Tournee startet am 23.10.

Stichwort geistliche Musik: Was ist Ihnen persönlich heilig?

Meine Familie.

Ruhe, Frieden ... Ihr Leben als berufstätige Mutter mit zwei Kindern holt Sie doch bestimmt auf den Boden der Tatsachen zurück.

Natürlich! Ich freue mich über jede private Minute, die wir geschenkt bekommen. Trotz des Stresses würde ich es nie anders haben wollen.

Wie setzen Sie Ihre Prioritäten?

An letzter Stelle komme ich als Frau (lacht). Und an erster ich in meiner Rolle als Mutter, gleich danach die Sängerin. Am Tag eines Konzerts vielleicht auch anders herum. Die Frau steht wirklich ganz am Ende der Liste. Aber das ist bei allen Müttern so.

Singende Schauspieler

Diese Stars haben Musik im Blut

In der Schauspielbranche ist Kiefer Sutherland kein unbeschriebenes Blatt, wurde mehrfach für seine schauspielerischen Leistungen ausgezeichnet. Doch auch musikalisch hat der 52-Jährige einiges auf Lager. 2016 brachte er das Album "Down in a Hole" auf den Markt. 
Mit seiner Band "The Jazz Kids" tritt Schauspieler Tom Schilling in Hannover auf. Es gibt sogar ein Debütalbum, mit dem Namen "Vilnius".
Überraschungsgast bei Coldplay: Chris Martin bittet plötzlich Schauspieler Michael J. Fox auf die Bühne. Gemeinsam spielen sie die Hits aus dem Film "Zurück in die Zukunft".
Im Kino ist Bruce Willis meistens dafür zuständig die Welt zu retten. Auf der Bühne beweist der Schauspieler aber auch seine musikalische Seite. Seine Platte "The Return of Bruno" beispielsweise ist mit Platin ausgezwichnet worden.

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Welche Werte wollen Sie Ihren Kindern vermitteln?

Dass man für Arbeit belohnt wird, dass man an sich selbst glauben muss, dass man trotzdem realistisch sein muss. Meine Kinder sollen auch die kleinen Dinge schätzen lernen. Dass nicht Mama und Papa alles auf dem goldenen Tablett servieren, sondern dass man das Zimmer aufräumen, den Teller in die Spülmaschine packen oder der Mama beim Erdbeerenpflanzen helfen muss, damit man im Sommer ernten kann.

Übernimmt Ihr Mann die Erziehungsaufgaben, wenn Sie weg sind?

Ja, vollkommen. Und das ist schön zu sehen bei der Älteren, das ist nicht nur "Mama, Mama!", es ist auch "Daddy, Daddy!". Das ist auch gut für unsere Beziehung.

Lief es schon immer so?

Meine Oma hat immer gesagt, ein Mann ist nur so gut, wie du in ihn investierst. Ich glaube, es ist nicht selbstverständlich, dass der Mann sich am Abend vor den Fernseher aufs Sofa setzt. So einfach geht das nicht. Auch wenn das Kind erst ein paar Wochen oder Monate alt ist - ein bisschen schaukeln kann er es auch. Für die Frauen ist es ein langsamer Prozess der Gewöhnung über neun Monate hinweg, und dann schaltet man auf Mutter- Autopilot Modus. Für den Mann ist es ein Schock. Ich verstehe das, aber die Verantwortung muss er mittragen.

Wie empfinden Sie das Leben als gefragte Künstlerin und zweifache Mutter?

Es ist wahnsinnig spannend, doch bei dieser Intensität habe ich das Gefühl, mir läuft die Zeit davon. Es gibt noch so viel, was ich schaffen will, und mit zwei Kindern vergeht die Zeit noch schneller.

Was würden Sie denn gern alles in Angriff nehmen?

Ich will Regie führen, ich will Erfindungen machen wie Metallstühle, die keinen Lärm machen. Ich will Französisch lernen. Ich kann Lettisch, Englisch, Spanisch, Italienisch, Russisch, Deutsch, aber mir fehlt Französisch. Da habe ich wirklich einen Komplex! Im Stillen kann ich einen Satz formulieren, aber es kommt nichts raus. Und ich will eine Akademie aufbauen, unterrichten und die jungen Leute unterstützen, die es schwerer haben als ich.

Gibt es eine Bühnenrolle, die Ihnen noch fehlt?

Die Amneris (aus Verdis "Aida"; Anm. d. Red). Bevor ich das Singen irgendwann aufgebe, will ich diese Rolle haben. Verzweiflung, Macht, Zärtlichkeit, Eifersucht, da kommt alles zusammen.

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