Nicolas Ghesquière Balenciaga saugte ihn aus

Nicolas Ghesquière
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Designer Nicolas Ghesquière hatte das Gefühl, dass ihn die Arbeit beim Modehaus Balenciaga "aussaugte".

Nicolas Ghesquière verließ das Modehaus Balenciaga, weil er dort nicht mehr glücklich war.

Der Designer bestätigte im November 2012, dass er das Modehaus nach 15 Jahren verlassen hat. Jetzt sprach er im Interview mit dem 'Style'-Magazin über die Gründe, die ihn zu dieser Entscheidung bewegten, und erklärte, dass er sich in seiner Position als Design-Chef nicht mehr wohlgefühlt habe. "Es gab keine klare Richtung. Ich denke bei Karl [Lagerfeld, bei Chanel] und Miuccia [Prada] merkt man, dass es die kreativen Leute sind, die sagen, wo es langgeht. In diesem Zeitraum habe ich gehört, dass die Leute sagten, 'Mein Style ist so Balenciaga' und nicht mehr Nicolas Ghesquière. Alles wurde so unmenschlich. Ich hatte das Gefühl, ausgesaugt zu werden, als ob sie meine Identität stehlen und gleichzeitig die Dinge homogenisieren wollten. Es erfüllte mich einfach nicht mehr."

Am Ende seiner Zeit bei Balenciaga habe sich der Star "zu allein" gefühlt. Doch so war es nicht immer und Ghesquière hat auch viele gute Erinnerungen an die frühen Tage bei dem Label. Im Endeffekt hatte er aber das Gefühl, dass sich so viele Dinge verändert haben, dass er nicht länger bei der Firma bleiben wollte: "Ich hatte ein wundervolles Studio und Designteam, das mir sehr nahe stand, aber alles wurde sehr bürokratisch und zunehmend mehr genossenschaftlich - bis es nicht einmal mehr etwas mit Mode zu tun hatte. Im Laufe der letzten zwei oder drei Jahre wurde es immer frustrierender. Am Ende störte mich der Mangel an Kultur. Die stärksten Stücke, die wir für den Laufsteg machten, ignorierten die Geschäftsleute", beschwerte er sich.

Eines der größten Probleme war für den Franzosen, dass er das Gefühl hatte, viele der Mitarbeiter verstünden seine Arbeit nicht. Seine kommerziellen Strategien funktionierten nicht und die Vermarktung war ein weiteres Schreckgespenst für ihn. Mittlerweile fühlt er sich wohler in seiner Haut, auch weil viele seinen Standpunkt nachvollziehen konnten: "Es war interessant zu sehen, wie meine Trennung von Balenciaga andere Leute ermutigte, sich mit mir in Verbindung zu setzen und mir zu sagen, dass sie in der gleichen Situation sind. Auch sie wollten weg." Als er seine Entscheidung schließlich traf, weihte er nicht viele Leute in sein Vorhaben ein. Der Designer wusste, dass er "sich abnabeln" musste. Die ihm nahestehenden Personen wussten, dass er unglücklich war. Kurz nachdem seine Kündigung bekannt wurde, unternahm der Modeschöpfer eine "spirituelle Reise" nach Japan. Bisher hat der Star noch keine weiteren Pläne für seine berufliche Zukunft, doch sei er schon auf neue Projekte gespannt: "Egal, welche Wahl ich jetzt treffe, mir stehen alle Möglichkeiten offen und das wurde mit der Befreiung meines Namens von Balenciaga bestätigt. Ich regeneriere mich und das ist ein aufregendes Gefühl, weil ich das seit meinen 20er Jahren nicht mehr hatte", schloss er. Die Mode-Experten warten schon gespannt auf das nächste Projekt von Nicolas Ghesquière.

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