Karl Lagerfeld: Kunstexperte ohne Doktortitel

Designer Karl Lagerfeld braucht keinen Doktortitel, um Kunst zu verstehen oder selbst zu schaffen.

Karl Lagerfeld (79) glaubt, gute Kunst erklärt sich von selbst.

"Gute Kunst ist etwas, was Sie anspricht. Etwas, bei dem Sie nicht mehr die Frage stellen, ob es gut oder schlecht ist", betonte der Modeschöpfer und erklärte Kunst-Fan im Interview mit 'Zeit online'.

Der Designer sollte wissen, wovon er spricht. Immerhin hat er drei Jahre lang selbst Kunst studiert. "Ja, aber privat, nicht, um einen Doktortitel zu bekommen", stellte der Fashion-Star klar und ergänzte: "Sie haben ja in Deutschland gesehen, wie das mit den Doktortiteln geht. Das ist ja eine tolle Sache. Ich habe weder Abitur noch sonst etwas. Ich habe mir alles selbst beigebracht."

Sein künstlerisches Können stellt der Deutsche nicht nur in seinen modischen Kreationen unter Beweis, sondern lebt seine kreative Ader auch auf anderen Gebieten aus. Anfang der Woche eröffnete eine Ausstellung in St. Moritz, bei der drei Lagerfeld-Triptychen - drei Meter hohe Glasscheiben, auf denen er mit Rastermuster das Porträt zweier Models sowie den Hip-Hopper Theophilus London ('Wine and Chocolates') verewigte - zu bewundern sind. Als Kunst will der gebürtige Hamburger sein Schaffen jedoch nicht bezeichnen: " Ich bin dafür, dass man es Fotografie nennt", entschied er. "Leute, die eigentlich einen anderen Beruf haben, aber behaupten, dass sie Künstler seien, haben ein Problem. Helmut Newton hat nie gesagt, dass er ein Künstler sei. Das sagen nur die, bei denen ein Zweifel besteht."

Zu den Lieblingskünstlern des Wahl-Parisers zählen sowohl "deutsche Expressionisten" als auch "alte Meister", sein absoluter Gegenwarts-Favorit ist Jeff Koons. Außerdem sammelt er "deutsche Werbeplakate aus der Zeit zwischen 1905 und 1915". An die Wand hängen will sich der Klamottenmeister seine Errungenschaften jedoch nicht, denn "ich habe keinen Platz an den Wänden".

Wie das kommt? "Nein. Wissen Sie, wenn man 300.000 Bücher besitzt, dann hat man keinen Platz mehr für Kunst. Kunstwerke sollen im Kopf existieren, nicht als Trophäen an der Wand. Ich kenne genug Reiche, bei denen man im Wohnzimmer sofort erkennt, wie viel jedes Bild gekostet hat. Und viele Preise sind so übertrieben. Wenn Leute zu teure Kunst kaufen, ist das ein Beweis dafür, dass sie keinen wirklichen Geschmack haben", findet der Star.

Die Triptychen von Karl Lagerfeld sollen übrigens 350.000 Euro kosten - pro Stück.

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