Jean Paul Gaultier: Wo bleibt der Spaß?

Der französische Modeschöpfer Jean Paul Gaultier bemängelte den fehlenden Humor in der Modebrache - jeder würde nur noch strikt Trends folgen und ernst sein

Jean Paul Gaultier, 62, glaubt, dass sich die Menschen an Trends klammern, weil sie Angst haben.

Der Designer ist für seine extravaganten Haute-Couture-Shows sowie für seine Prêt-à-Porter-Designs bekannt, die sich oft durch seinen gestreiften Markenzeichen-Look auszeichnen. Der Franzose, der 1976 seine erste Kollektion präsentierte, ist enttäuscht darüber, dass sich die Branche heutzutage in Bezug auf die Mode nicht etwas spontaner gibt. "Früher machte ich meine Shows immer irgendwie lustig, mit dieser ganzen Atmosphäre, aber heute ist es seltsam das zu tun, weil man in Frankreich ernsthaft aussehen muss, um als ernsthafter Designer betrachtet zu werden, also muss die ganze Mode ernsthaft sein. Okay, okay, es ist ein Geschäft und das wissen wir, aber man kann es auf eine Art zeigen, die freundlicher ist, nicht so roboterhaft und ernst", überlegte er im Gespräch mit "harpersbazaar.com.au" und erläuterte: "Und es gibt nicht so viele unterschiedliche Stil-Typen, es macht mehr den Anschein, als ob alle mit einem Trend mitziehen. Trends existierten immer, aber heutzutage ist es so, als ob jeder Angst hätte und man deshalb wie jeder andere aussehen und Trends folgen muss."

Nach 38 Jahren in der Ready-to-Wear-Welt ist er nun dazu bereit, diese hinter sich zu lassen und sich stattdessen auf die Couture, Kostüme und seine berühmten Düfte zu konzentrieren. Modefans können sich mit der Ausstellung "The Fashion World of Jean Paul Gaultier: From the Sidewalk to the Catwalk", die ihm zu Ehren konzipiert wurde und die derzeit durch die Welt tourt, einen Eindruck von der Schaffenskunst der Ikone machen. "Ich mache mit Couture weiter. Man weiß nie, es bedeutet nicht, dass ich niemals wieder Ready-to-Wear-Projekte annehmen werde. Für mich muss es preiswert und nicht jede Saison sein, nur ab und zu mal, dann bleibt es spannender. Kreation bedeutet nicht Extravaganz, es bedeutet zu denken. Konzerte und Filme zu machen und Sonderkollektionen, das ist perfekt für mich. Ich mache niemals Pläne, das habe ich noch nie, alles kam immer zu mir und ich habe Glück und ich konnte immer die Projekte ablehnen, die mich nicht gereizt haben. Jetzt habe ich all die Zeit, ich muss nicht alles ablehnen", freute sich Jean Paul Gaultier.

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