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Wolfgang Joop Er macht jetzt Mode für alle

Wolfgang Joop
Wolfgang Joop
© Getty Images
Wolfgang Joop geht neue Wege: Der Designer bringt eine junge Linie heraus, wie er GALA exklusiv verrät. Und auch privat freut er sich über Nachwuchs

Ein Jahr lang herrschte hinter der weißen Altbaufassade in der Berliner Schlüterstraße noch mehr Treiben als sonst. Doch das durfte keiner mitbekommen. Im Zentrum des kreativen Gewusels: Wolfgang Joop. Für das Geheimprojekt mietete der Designer, der in dem herrschaftlichen Haus ohnehin schon reithallengroße Atelierräume hat, sogar eine weitere Etage an. Neben seinen Couture-Kollektionen für Wunderkind entwickelte Joop heimlich eine neue Linie: das Label Looks.

Herr Joop, vor 14 Jahren haben Sie mit großem Erfolg Wunderkind gegründet. Warum jetzt ein neues Label?

Nach meiner Zeit als Juror bei "Germany’s next Topmodel" habe ich gedacht: Jetzt gehe ich neue Wege. Ich fühle mich der jungen Generation sehr viel näher. Auch privat habe ich weniger Freunde in meiner Altersklasse. Das hat vielleicht auch den Grund, dass ich zur Nachkriegsgeneration gehöre und wir nicht so erwachsen werden wollten. Ich möchte jungen Leuten ein kleines bisschen aus meiner Welt zugänglich machen.Gab es einen zündenden Moment?

Bluse "Juna" (ca. 199 Euro) und Rock "Klara" (ca. 299 Euro). Zu kaufen ab 25. Mai auf looks.de
Bluse "Juna" (ca. 199 Euro) und Rock "Klara" (ca. 299 Euro). Zu kaufen ab 25. Mai auf looks.de
© Scandeberg/Accessible Luxury Gmbh

Viele. "GNTM" hat mich schon inspiriert. Plötzlich wurde ich täglich mit jungen Leuten auf der Straße konfrontiert, alle wollten ein Stückchen von mir: ein Parfümfläschchen, eine Skizze oder ein Tuch. Meistens habe ich dann die Schals verschenkt, die ich um den Hals hatte. Meine Couture-Linie können sich viele ja nicht leisten. Dann haben wir Geschäftspartner gesucht und diskutiert, wie wir meinen Spirit mainstreamiger gestalten können, und die Preise leichter verdaulich. Ich nannte das die "Wolfgang-Abende".

Mit welchem Resultat?

Wir vertreiben die Kollektion auch online. Die Qualität bleibt wie bei Wunderkind hoch, aber wir haben die Stückzahl erhöht. Außerdem möchte ich sehr schnell auf veränderte Zeitstimmungen reagieren können. Pro Jahr gibt es gleich sechs Kollektionen.

Warum der Name "Looks"?

"Look" alleine wäre nicht passend. Im Gegensatz zu Kollegen wie Jil Sander und Helmut Lang lasse ich nicht nur einen ganz bestimmten Stil zu. Bei mir kann es auch geblümt und kariert und kontrolliert falsch aussehen.

Wer hat Sie inspiriert?

In gewisser Weise Heidi Klum. Je älter sie wird, umso mehr entspricht sie auch meinem Idealtyp. Sie kann sich modisch so unendlich viel leisten. Die Art, wie sie sich präsentiert, ist so viel selbstsicherer geworden.

Was schätzen Sie an Heidi?

Wir sind uns charaktermäßig sehr ähnlich. Sie zeigt genau wie ich keine Wehwehchen oder erzählt, dass die Zeiten früher besser waren. Nein, sie erzählt, dass die Zeiten hart waren, als sie begonnen hat. Wie bei mir. Wir haben uns beide selbst erfunden.

Können Sie sich ein Comeback bei "GNTM" vorstellen?Ja. Wenn mir jemand hier die Arbeit abnimmt und ich wegen meinen Kollektionen nicht so unter Druck bin wie bei meinen zwei Staffeln. Ständig skypen, und dann kam mein Team mit Koffern fürs Fitting angeflogen.

Der Looks-Stil: Kleid "Stine" (ca. 499 Euro)
Der Looks-Stil: Kleid "Stine" (ca. 499 Euro)
© Scandeberg/Accessible Luxury Gmbh

Auch privat gehen Sie neue Wege und ziehen auf das Landgut Bornstedt, wo schon Ihre Großeltern gelebt haben.

Es ist ein großes Privileg. Meine Tochter Florentine wohnt dort mit ihrer Familie. Und meine Ex-Frau Karin, die meine beste Freundin und engste Vertraute ist. Sie und mein Partner Edwin haben mir immer wieder gezeigt, was meine wirkliche Rolle im Leben ist – nämlich die des Familienvaters. Diese Rolle will ich jetzt wieder mehr übernehmen.

Bei Ihnen gehen gerade schon die Möbelpacker ein und aus.

Leider sind die Renovierungen auf dem Gut erst in drei Monaten abgeschlossen. Nach dem Verkauf der Villa Wunderkind ziehen wir aktuell in ein gemietetes, leer stehendes Haus in Potsdam. Mit zehn Hundewelpen.

Wie bitte, wie kam das denn?

Unsere Leni, ein Rhodesian Ridgeback, hat uns ausgetrickst. Als wir auf Reisen waren, hat sie sich mit einem mehrfach prämierten Riesen-Schnauzer ins Gebüsch geschlagen. Die Welpen haben uns ein bisschen aus dem Konzept gebracht. Zehn Enkel an einem Tag.

Gala

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