Wolfgang Joop: "GNTM ist meine Challenge"

Als "Wunderkind"-Designer wurde er weltweit gefeiert, bei "Germany's Next Topmodel" avanciert er zum Publikumsliebling mit echten Emotionen: Wolfgang Joop sprach mit Gala.de über seine Stilgeheimnisse, die Beziehung zu seiner Ex-Frau und die Reaktionen auf seinen Juroren-Job

Wolfgang Joop stellte seine "Unforgettable"-Kollektion in Hamburg vor

Ihre Kollektion für Galeria Kaufhof heißt "Unforgettable". Was sind Ihre Tipps für einen unvergesslichen Look?

Blass bleiben! Auch wenn der Sommer kommt. Blass sieht viel verführerischer aus, gerade bei blonden Frauen. Sonst sieht man ja aus wie die Katzenberger. Auf heller Haut wirken die Farben viel besser. Und nackte Schultern sind bei Frauen das A und O. Deshalb habe ich auch Stolen designt, etwas sehr altmodisches, mit dem man gut spielen kann. Das gibt den Charme von Dekadenz und Nostalgie.

Heidi Klum

Bei den VMAs lässt sie tief blicken

Heidi Klum
Heidi Klum präsentiert bei den MTV Video Music Awards ihr Dekolleté in einem sexy Minikleid.
©Gala

Sie haben einmal gesagt: "Wenn ich die Kunst nicht hätte, gäbe es Momente ohne Ausweg". Kann Mode auch ein Ausweg sein?

Mode ist sogar der größere Ausweg, weil sie einen viel größeren Suchtcharakter hat als die Kunst. Bei der Mode denkt man immer: "Nächstes Mal wird's besser" – genauso wie beim Leben ja auch. Wie oft sagt man "Morgen wird alles besser, morgen werde ich schlanker und schöner", und dann ist der Punkt plötzlich überschritten. Obwohl ich bereits mehrere Museumsausstellungen hatte, bin ich immer wieder zurückgegangen ins Feld der Mode.

Bei der Präsentation seiner "Unforgettable"-Kollektion für Galeria Kaufhof sprach Wolfgang Joop mit Gala.de über Stilgeheimnisse, seine Mentorin und die Reaktionen auf den Job bei "Germany's Next Topmodel".

Claudia Schiffer, Toni Garrn, Heidi Klum – deutsche Topmodels können sich international behaupten. Was verbinden Sie mit Deutschland und welches sind typische Eigenschaften unserer Nation?

Zurückzukommen nach Deutschland gibt mir, trotz aller Irritationen, ein Urvertrauen, dass es hier noch Gerechtigkeit gibt, dass es hier Chancen gibt für den Einzelnen. Und dass man sich zumindest der Illusion hingeben kann, sicher zu sein. Gerade in der Modewelt kann diese "political correctness" aber auch schädlich sein. Den einen Tag protestiert man nackt gegen Pelz, und kurze Zeit später tragen sie ihn wieder alle.

Germany's Next Topmodel

Heidi Klum und ihre Mädchen

Staffel 11  Kaum sind die Castings in Deutschland vorbei, da wird schon wieder geshootet, was das Zeug hält. Hinter der Kamera gibt Heidi Klum ihren in neonpink gekleideten Models Tipps. Der Spaß kommt dabei natürlich nicht zu kurz.
Ganz der Profi: Mit einem prüfenden Blick checkt Heidi Klum die Foto-Resultate ihrer Mädchen. So richtig warm scheint es in Los Angeles jedoch nicht zu sein. Das Topmodel muss sich mit einem flauschigen Mantel warmhalten.
Doch nicht nur hinter der Kamera hält sich Heidi auf. Sie erklärt auch direkt am Shooting-Set, wie man am allerbesten posiert. Sie weiß es ja schließlich.
Das offizielle Jury-Foto ist da: Gemeinsam mit Thomas Hayo und Designer Michael Michalsky sucht Heidi Klum "Germany's Next Topmodel" 2016.

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Schlimm finde ich die Völlerei der Deutschen, das habe ich erst kürzlich wieder in Berlin gesehen. Massentierhaltung spielt da rein, die schrecklichen Zustände, unter denen Nahrung im Preiskampf produziert wird. Das finde ich wiederum aber auch sehr deutsch, dass man sich darüber Gedanken macht. Disziplin, zum Beispiel in Hinblick auf meine Figur und Ernährung, auch. Nachhaltiger nachzudenken ist für mich etwas sehr deutsches.

Sie befinden sich bei "Germany's Next Topmodel" in der Rolle des Mentors für junge Frauen. Wer war für Sie selbst Mentor?

Meine eigene Frau. Sie hat immer an mich geglaubt, obwohl ich anfangs selbst gar nicht an mich geglaubt habe. Sie war mein Model, ich konnte an ihr alles ausprobieren und wurde von ihr bestätigt. Umgekehrt hat sie auch aus mir eines gemacht. Dieses Verkleiden, mit wenigen Mitteln viel Aufwand zu machen und dann erhobenen Hauptes durchs Restaurant oder den Club zu gehen – das war ein Spiel, wofür wir uns gegenseitig brauchten. Ich finde, diese Spiele sind es auch, die wir uns heute für unsere Kunden ausdenken.

Das Modebusiness ist von Schnelllebigkeit und ständigem Wandel gekennzeichnet. Sind Sie ein Mensch, der gut Abschied nehmen kann?

Abschiede fallen mir sehr schwer, aber nicht in der Mode. Ich bin froh, dass bestimmte Dinge von einem abfallen wie eine alte Haut, die nicht mehr passt. Ich finde es ganz großartig, dass man sich dort auf schnellste Art und Weise verabschieden kann, um sich wieder neu zu erfinden.

Aus Ihren Ateliers in die Jury einer Castingshow – eine ziemliche Umstellung. Was haben Sie bei "Germany's Next Topmodel" gelernt?

Oh, ich habe sehr viel gelernt. Es war vor allen Dingen meine Challenge, nicht die der Mädchen, wie ja immer geschrieben wird. Ich bin jemand völlig anderes geworden. Ich musste mich nach dem Drehplan anderer Leute richten, was mir anfangs sehr schwer viel. Ich war es gewohnt, nach meinem eigenen Drehplan zu leben. Dann war ich zwei Monate von Zuhause weg, weg von dem Betrieb, den ich kannte. Ich konnte nicht mehr eingreifen und musste vertrauen lernen denen gegenüber, die zurückgeblieben waren. Ich habe in Kalifornien Freundschaften geschlossen, die ich hier nicht gemacht hätte. Durch die Distanz habe ich auch erkannt, auf welchem Weg wir hier sind, und was so gut an der alten europäischen Zeit ist. Ich habe mit intensiv mit den Mädchen auseinander gesetzt, viel über sie erfahren und sie auch viel über mich – diesen Austausch habe ich zugelassen.

Wird das auch über das Ende dieser Staffel hinaus anhalten?

Oh ja, davon gehe ich aus. Die Reaktionen waren sehr positiv, und selbst das Feuilleton mag mich. Anfangs heißt es ja dann "Der macht das, weil er Geld braucht", und inzwischen bietet man mir ganze Sendungen an. Man findet, ich bringe etwas Neues ins deutsche Fernsehen.

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