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Victoria Beckham V für Victory


Was für eine Karriere! Aus dem singenden Spice Girl ist die erfolgreiche Unternehmerin Victoria Beckham geworden, mit eigenen Fashion-Linien und einem eigenem Store. Und die vierfache Mutter hat noch mehr vor …

Der Raum erinnert eher an eine Kunstgalerie als an eine Modeboutique. An langen Stahlketten hängen Kleider von der Decke, farblich akkurat aufeinander abgestimmt. Auf einem Regal stehen Handtaschen, präsentiert wie kleine Kunstwerke. Keine Frage, in ihrem ersten Store, der gerade in London eröffnete, hat Victoria Beckham alles exakt geplant. Ein Detail jedoch, nicht ganz unwichtig für ein Verkaufsgeschäft, fehlt: die Kasse. Das sagt viel aus über die 40-Jährige. Kassen seien "einfach nur hässlich", meint sie. Rechnungen werden hier über iPads ausgestellt. Kreditkarten sind cleaner als Cash.

Was auf manche übertrieben wirkt oder wie eine Zickigkeit, ist nur ein weiteres Indiz dafür, warum es Victoria Beckham so weit gebracht hat. 1. Sie ist Perfektionistin. 2. Sie überlässt nie etwas dem Zufall. 3. Sie hört nur auf sich selbst.

Mit diesen Eigenschaften hat es das ehemalige Spice Girl bis in die erste Riege im Fashion-Business geschafft. Ihre Kollektionen, die sie zweimal im Jahr während der New Yorker Fashion Week zeigt, kommen bei den Kritikern genauso gut an wie bei ihren Kundinnen. Die schätzen ihre modernen, aber tragbaren Looks. Scharf geschnittene Röcke und Hosen, farbenfrohe Oberteile und Kleider. "Frauen sollen sich in meiner Mode stark fühlen", philosophiert Victoria. Die Rechnung geht bestens auf.

Heute spielt Victoria Beckham in der Modebranche in einer Liga mit Miuccia Prada oder Donatella Versace. Auch die beiden hassen übrigens Kassen – bei Prada oder Gucci geht man in vielen Stores zum Bezahlen in eine Art Hinterzimmer, als wäre man zu einer geheimen Pokerrunde eingeladen. Und auch mit ihrer Detailverliebtheit erkennt Victoria Beckham den Trend: Hedi Slimane, Kreativchef von Saint Laurent Paris, ließ sogar die Eröffnung eines Shops verschieben, weil ihm die Nuancen des Marmorfu߬bodens nicht gefielen …

Wie alle großen Modedesigner brennt Victoria Beckham für ihre Arbeit. Wer der zierlichen Frau mit der leisen Stimme und den sehr hohen Schuhen begegnet, merkt schnell, dass sie zudem viel Humor besitzt. Sie sagt Sätze wie: "Ich habe den besten Job der Welt. Ich kann mir meine Kleider aus meinem eigenen Laden holen." Oder: "Ich kann mich in flachen Schuhen nicht kon¬zentrieren." Auf Fotos kommt sie zwar fast immer sehr ernst rüber – doch das ist nur konsequent. Die ehemalige Sängerin hat eine genaue Vorstellung davon, wie sie in der Öffentlichkeit wirken möchte. Sie will vor allem eines: ernst genommen werden. Ein Grinse-Gesicht passt da nicht ins Bild.

Dabei haben sie und ihr Mann David jede Menge Grund zu lachen. Sie sind das bekannteste Power-Couple der Welt. Sie sehen hervorragend aus und haben vier entzückende Kinder. Und sie spielen mit dem glanzvollen Bild, das sie öffentlich abgeben. Schließlich ist es Millionen wert.

Ein Seufzen geht um den Globus, wenn David mit Töchterchen Harper Seven in der Front Row der Fashion Week sitzt. Passend dazu kommentiert Victoria dann, dass "die Kids" auch beim Designen der neuen Boutique geholfen haben, deshalb bieten die riesigen Umkleidekabinen "Platz zum Toben für die Kinder".

Selbst diejenigen, die Victoria nicht mögen, müssen zugestehen, dass sie eine beneidenswerte Karriere hingelegt hat. In den Neunzigern tobte sie als Posh Spice über die Bühne der erfolgreichsten Girl-Band der Welt. Sie musste die Arrogante spielen und enge Gucci-Kleider tragen. Später ehelichte sie David, ließ sich die Brüste vergrößern und besaß einen Peinlichkeits-Faktor wie heute Kim Kardashian. 2004 lancierte sie für das Label Rock & Republic eine Jeanskollektion mit Krone und Strass. Später kam ihr erstes Label dVb style hinzu und brachte Denim-Ware, Sonnenbrillen und Düfte an die Frau. All das geschah vom damaligen Wohnsitz Los Angeles aus, wo der Gatte Fußball spielte und Madame sich für eine Doku-Soap selbst inszenierte und Kontakte zu Prominenten knüpfte.

Dass Victoria mittlerweile ein Imperium leitet, hat einen einfachen Grund: Die Britin ist clever genug, um sich die richtigen Berater an Bord zu holen, unter anderem ihren Mentor Simon Fuller, den Erfinder der Spice Girls und heutigen Manager des Ehepaars Beckham. Er machte Victoria klar: "Du willst in die Mode? Dann nimm das ernst und vergiss die Massenware. Siedle dich im High-Fashion-Segment an!" 2008 feierte ihr Label sein Catwalk-Debüt. Zu Beginn ihrer Karriere präsentierte sie ausschließlich Schlauchkleider mit einem auffallenden Reißverschluss am Rücken. Alle Frauen, egal ob dünn oder kräftig, sahen darin gut aus, weil die Kurven umschmeichelt wurden. Mittlerweile gibt es eine Zweitlinie sowie Accessoires. Das Unternehmen macht einen Umsatz von knapp 40 Millionen Euro, erzielte in diesem Jahr ein Plus von 90 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Jemand, der Victoria gut kennt, sagt: "Natürlich ist sie keine ausgebildete Designerin. Aber sie hat einen guten Geschmack und ist clever genug, sich das perfekte Team zusammenzustellen. Auch Tom Ford hat nie das Schneidern gelernt. Darum geht es auch nicht. Es geht um Image und eine klare Vision."

Wer aber glaubte, Victoria Beckham habe bereits alles erreicht, wurde jetzt gerade eines Besseren belehrt: Ende September wurde sie in New York zur UN-Sonderbotschafterin im Kampf gegen Aids ernannt. Bei einer Generaldebatte erklärte sie, dass sie auf einer Südafrikareise mit den Problemen konfrontiert worden sei und beschlossen habe, sich stärker zu engagieren. "Aus irgendeinem Grund hören die Leute zu, wenn ich rede", sagte sie. "Also werde ich für die unglaublichen Frauen sprechen, die mit HIV leben müssen und sich gleichzeitig um ihre Kinder kümmern." Für die UN-Versammlung schwänzte sie sogar die Eröffnung ihres ersten eigenen Shops. Ihre persönliche Vertretung in London kam bei den Gästen allerdings genauso gut an – sie schickte kurzerhand David. Und dabei zeigte sich ein weiteres Mal: Victoria Beckham setzt einfach immer die richtigen Prioritäten.

1997 bekamen die Spice Girls den MTV Europe Music Award als beste Band. Ihre drei Studioalben verkauften sich weltweit mehr als 53 Millionen mal. Victoria hieß damals noch Adams, alias Posh Spice.
1997 bekamen die Spice Girls den MTV Europe Music Award als beste Band. Ihre drei Studioalben verkauften sich weltweit mehr als 53 Millionen mal. Victoria hieß damals noch Adams, alias Posh Spice.
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Marcus Luft Gala

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