Valentino Garavani: Über Schönheit + Eleganz

Die Sixties machten ihn berühmt, die Nineties findet er bis heute sehr inspirierend – exklusiv mit "Gala" sprach Modeschöpfer Valentino Garavani über den Wert von Schönheit und Glamour

Valentino Garavani

Der König der Eleganz macht Urlaub, cruist in den heißen Wochen mit seiner Jacht übers Mittelmeer, besonders gern durch die Ägäis. Immer an seiner Seite ist Geschäfts- und Lebenspartner Giancarlo Giammetti, immer um ihn herum eine Entourage aus Freunden. Lauter attraktive Menschen. Selbst die Schiffscrew ist ausnehmend hübsch. Man merkt sehr schnell: Auch als Privatier (Valentino Garavani zog sich 2008 aus dem Business zurück) lebt der heute 82-jährige italienische Modeschöpfer ein Leben, das die Schönheit feiert.

Valentino mit seinem Lebenspartner Giancarlo Giammetti.

Sein Name – der Vorname reicht bei solchen Ausnahmepersönlichkeiten – steht seit gut einem halben Jahrhundert für die elegantesten Abendroben. Für sie wurde der rote Teppich quasi erfunden. Hollywoods größte und nach Meinung vieler auch schönste Diva Liz Taylor gehörte zu Valentinos ersten Kundinnen im Atelier in Rom. Er entwarf auch das Hochzeitskleid von Jackie Kennedy, als die Stil-Ikone den griechischen Tankerkönig Aristoteles Onassis heiratete und zu "Jackie O.!" wurde. Fast überflüssig zu erwähnen, dass auch sie zu seinem Freundeskreis gehörte.

Um die Jahrtausendwende geriet Valentinos Firma in finanzielle Turbulenzen. Der Chef verkaufte sie schließlich an eine Investorengruppe, blieb dem Unternehmen aber zunächst noch als Designer treu. Mittlerweile haben seine "Ziehkinder" Maria Grazia Chiuri und Pierpaolo Piccioli die kreative Spitze übernommen. Ihre Entwürfe erinnern an den Stil des großen Gründers, wirken aber gleichzeitig modern. "Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie stolz und glücklich ich über diese Entwicklung bin", sagt Valentino im Gespräch mit "Gala" sichtlich gerührt. "Die beiden haben 13 Jahre an meiner Seite gearbeitet. Ich liebe sie. Und ich finde es großartig, dass sie es geschafft habe, meinen Ideen diese Modernität zu geben."

Valentino, ist die Modebranche noch so glamourös und exklusiv wie in den Sechzigerjahren, als Sie begonnen haben?

Der Glamour hat sich verändert. Heute basiert er viel stärker auf der Persönlichkeit und der Ausstrahlung jedes Einzelnen. Es geht nicht mehr hauptsächlich darum, welches Kleid man trägt und ob dieses exklusiv ist oder nicht. Ich würde daher sogar behaupten: Mode ist jetzt viel glamouröser als früher. Jede Frau kann heute ihren persönlichen Stil kreieren. Sie ist nicht mehr von den Entscheidungen der Designer abhängig.

Dennoch die Frage: Welches Jahrzehnt war für sie das schillerndste?

Ich habe die Seventies geliebt. Sie waren so voller Fantasie! Die Menschen hatten die Vision von grenzenloser Freiheit und Individualität.

Gibt es den einen bestimmten Moment, der für Sie besonders inspirierend war?

Ich liebe eigentlich jeden Augenblick in meiner Karriere. Aber letztlich waren dann doch die Neunziger am interessantesten und sicher auch am inspirierendsten für mich.

Damals wurde der Luxus gefeiert. Warum brauchen wir überhaupt Luxus?

Ich verrate Ihnen etwas: Wir brauchen den Luxus überhaupt nicht! Zumindest nicht die, sagen wir: sichtbare Form. Die teuren Dinge. Was wir brauchen, ist der Luxus der Behaglichkeit.

Der Meister der Inszenierung mit Naomi Campbell 2005 bei der Pariser Haute Couture.

Glauben Sie, dass Eleganz im Leben weiterhelfen kann?

Aber natürlich! Wir versuchen doch immer, hervorragend auszusehen. Egal ob wir einen Menschen erobern oder einen bestimmten Job haben wollen. Es ist völlig klar: Eleganz hilft, jeden Tag.

Sie selbst leben diese Maxime in Vollendung. Haben Ihre Kundinnen Sie vielleicht auch wegen Ihres luxuriösen, durchaus dekadenten Lebensstils verehrt?

Mag sein. Ich hoffe zumindest, dass sie sich in meinen Kleidern so gut gefühlt haben, dass sie bereit für Eroberungen waren ...

Wie würden Sie Ihre Position in der Modewelt definieren?

Fashion Week Mailand

Glam-Faktor in der First-Row

Das ehemalige Topmodel Eva Herzigová zeigt vor der Show von Dolce & Gabbana, dass sie selbst mit 41 Jahren noch total frisch aussieht.
Auch 90er-Jahre-Topmodel Linda Evangelista zeigte sich auf dem roten Teppich, der vor der Show von Dolce & Gabbana aufgebaut war.
Die Meister der verspielten Applikationen und Details, Domenico Dolce und Stefano Gabbana, zeigten auch bei ihrer Kollektion für den Sommer 2015 erneut ihr unglaubliches Können als Designer.
Die Location der Show stimmten die Designer Domenico Dolce und Stefano Gabbana farblich passend zu ihren prachtvollen Kreationen ab.

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Ich habe nicht den blassesten Schimmer. Aber wenn Sie mich so etwas fragen, scheine ich eine wichtige Rolle zu spielen. (lacht)

Na ja, Ihre Entwürfe sind weltbekannt, fast jeder kennt das Valentino-Rot. Ist so eine Karriere wie Ihre denn heute für einen Designer überhaupt noch möglich?

Ich glaube nicht. Heute haben Designer nicht mehr das Vertrauen in eine bestimmte Stilrichtung. Sie ändern ihre Linie zu oft, lassen sich zu sehr von ihrem Umfeld beeinflussen. Damit verlieren sie die Möglichkeit, ganz streng ihren eigenen Stil zu kreieren.

Gibt es weitere Dinge, die sich in denvergangenen Jahren in der Modebranche maßgeblich verändert haben?

Mode ist für die Veränderung gemacht! Aber wie gesagt: Jeder sollte seinen typischen Stil entwickeln.

Immer wenn wir beide die Gelegenheit zu einem Gespräch haben, wirken Sie wahnsinnig entspannt. Das war auch schon so, als in Ihren beruflich aktiven Zeiten um Sie herum die pure Hektik herrschte. Haben Sie nie Lust auf Drama?

Ich habe mich immer auf meine Arbeit konzentriert und die Dramen und Schwierigkeiten ausgeblendet. Bestimmt habe auch ich sehr viele Fehler gemacht. Aber ich hatte nie die Zeit, deshalb zu weinen.

Da durfte man noch rauchen... Valentino 1968 im Savoy Hotel in London.

Man hat oft den Eindruck, dass Sie ausschließlich von besonders schönen Menschen umgeben sind. Zufall oder Absicht?

Ein bisschen von beidem.

Auch viele Stars umschwirren Sie. Wer war bisher der wichtigste?

Es sind diejenigen, an die man sich auch drei Jahre danach noch erinnert.

Aktuell ist in der Mode viel vom Anti-Glamour-Trend die Rede, von Normcore ...

Was soll das sein?

Die Grundidee könnte man so zusammenfassen: Man zieht sich an wie die typischen US-Amerikaner, die in einer Mall shoppen.

Ich hasse Trends generell! Sie sind von unsicheren Menschen gemacht und haben nichts mit persönlichem Stil zu tun.

Sollten sich die Menschen wieder schicker kleiden?

Ich kann die Welt nicht verändern. Ich sehe allerdings zunehmend junge Menschen, die sich besser und besser anziehen. Das gefällt mir.

Aber es ist doch schon so, dass Frauen sich in den Sixties mehr zurechtgemacht haben, oder?

Ja. Aber damals hatten Frauen auch viel mehr Zeit für sich. Das Leben verlief in einem viel gemächlicheren Tempo. Damals waren viel weniger Frauen berufstätig als heute. Sie hatten eben ihre Familie – und vor allem einen guten Friseur.

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