Tommy Hilfiger "Man muss lieben, was man tut"

Tommy Hilfiger
Tommy Hilfiger
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Aus dem Nichts schuf Tommy Hilfiger ein Lifestyle-Imperium. Im "Gala"-Interview erzählt er, was Newcomer von ihm lernen können

Zum Gespräch in Berlin erscheint Tommy Hilfiger im Preppy-Look, quasi als sein eigenes Model: Der unaufgeregt schicke Style mit einem Hauch College machte ihn berühmt. Mit Schlagjeans fing vor 45 Jahren alles an. Die kaufte Tommy in New York, veränderte sie nach seinem Geschmack und bot sie dann in seinem Heimatstädtchen an. Da war er 18. Wenig später eröffnete er mit zwei Freunden und ein paar Hundert Dollar Startkapital seine erste Boutique in New York.

Sie haben Ihr Business früh gestartet ...

Stimmt. Das war damals Furcht einflößend und spannend zugleich. Aber ich hatte ja nichts zu verlieren. Wir waren mitten in einer musikalischen Revolution! Die Beatles kamen nach Amerika, die Rolling Stones, dann gab es Jimi Hendrix … Alle trugen coole Klamotten und lange Haare. Und auf der anderen Seite waren die Konservativen, Leute wie unsere Eltern. Ich war begeistert von den crazy people. Und so eröffnete ich meinen ersten Shop mit Jeans und coolen Klamotten.

Der Start einer großen Karriere. Ist so etwas für die Newcomer von heute überhaupt noch möglich?

Es gibt heute so viele Mitbewerber! Aber wenn man fokussiert ist, kann es funktionieren.

Sie sind Schirmherr des "Designer for Tomorrow"-Awards. Welchen Rat geben Sie dem Nachwuchs?

Lernt so viel wie möglich über das Business! Wenn man sich nur mit den kreativen Aspekten beschäftigt, wird man nie erfolgreich. Man muss auch lernen, wie man kalkuliert, produziert, verkauft.

Leben Sie den American Dream?

Der Herbst steht bei Hilfiger im Zeichen des Luxus-Skiorts Aspen: lässige Karos, Fransen, Bommelmützen, coole Ski-Jacken. Dazu Maxikleider im Wolldecken-Look.
Der Herbst steht bei Hilfiger im Zeichen des Luxus-Skiorts Aspen: lässige Karos, Fransen, Bommelmützen, coole Ski-Jacken. Dazu Maxikleider im Wolldecken-Look.
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Ich glaube nicht, dass meine Geschichte ein rein amerikanisches Phänomen ist. Schauen Sie sich doch Renzo Rosso von Diesel an. Er ist Italiener. Oder in Frankreich Saint Laurent. Aber die Leute sprechen eben gern vom American Dream, wenn man mit nichts startet und dann großen Erfolg hat.

Gab es denn auch mal Momente, in denen Sie alles hinschmeißen wollten?

Jede Menge, vor allem am Anfang. Ich habe viele Aufs und Abs erlebt. Es gab Zeiten, in denen ich kein Geld mehr hatte, und Momente, in denen ich mir nicht mehr sicher war, was ich überhaupt will. Aber man darf sein Ziel nicht aus den Augen verlieren.

Sie sprechen gern davon, wie sehr die Musik Sie inspiriert. Was außerdem?

Kunst, Filme, Amerika. Auch besondere Orte in Amerika. Zum Beispiel San Francisco, Miami, Aspen ...

... zu sehen in Ihrer jüngsten Show.

Waren Sie dabei?

Diesmal ausnahmsweise nur per Video.

Ich kann Ihnen sagen: Wir hatten echt Spaß. Haben Sie denn die Show davor gesehen?

Die mit dem Strand auf dem Runway?

Genau. Die war inspiriert von Malibu. Wir reden ständig darüber, was wir als Nächstes machen könnten. Berge, Strand oder vielleicht doch … Aber ich will nicht zu viel verraten. (lächelt)

Für jede Show gibt es Kritik. Wie gehen Sie damit um?

Ich höre mir alles an. Was mir nicht weiterhilft, hake ich gleich ab, das andere nutze ich zu meinem Vorteil. In der heutigen Zeit kommentiert doch jeder alles. Man darf nicht jedes Wort für bare Münze nehmen.

Wie fühlt sich für Sie der Moment nach einer Modenschau an?

Puh! (atmet hörbar aus) Man kann es nicht anders beschreiben. Man fühlt sich erleichtert, aber die Aufregung schwingt immer noch mit. So im Sinne von: "I did it again!" Lieben Sie nach all den Jahren Ihren Job

immer noch so wie am Anfang?

Ja. Und Sie?

Die meiste Zeit schon.

Nur die meiste Zeit? Dann sagen Sie Ihrem Chef, er soll Sie unbedingt zu unserer nächsten Show fliegen lassen. (lacht) Spaß beiseite: Man muss lieben, was man tut. Wenn das irgendwann nicht mehr so ist, sollte man sich einen anderen Job suchen.

Sebastian Stein Gala

Special: Styletrends Herbst/ Winter


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