VG-Wort Pixel

Thomas Sabo Wie Piercings zum Luxusgeschäft werden

Thomas Sabo: Wie Piercings zum Luxusgeschäft werden
© imago images
Schmuck und Luxus gehören für viele zusammen – doch wann kann Luxus als Luxus bezeichnet werden und wie hoch ist eigentlich die Nachfrage? Schmuckdesigner Thomas Sabo und seine Familie stehen GALA.de im Interview Rede und Antwort und verraten alles über die neue Luxusmarke des Unternehmens.

GALA: Wie kamen Sie auf die Idee, SABOTEUR zu gründen?
Thomas Sabo: SABOTEUR ist aus einem Gespräch zwischen mir und meinem Sohn Santiago entstanden – später kam meine Frau Rita dazu, die sich als Künstlerin der Sakralen Geometrie widmet und das Creative Mastermind hinter der "Sacra"- Linie ist. Wir haben uns über unsere Ideen und Wünsche ausgetauscht, Perspektiven und Visionen geteilt. Auch die Zusammenarbeit als Familie spielt dabei eine große Rolle. Wir haben so eine neue Marke gegründet, die die Handschrift von uns allen trägt und die wir als neue Dynastie verstehen.

SABOTEUR grenzt sich schon allein wegen der Materialien von THOMAS SABO ab, warum wollten Sie nochmal ganz neu ins Luxussegment einsteigen?

Thomas Sabo: Es ist der Ansatz, etwas für die Ewigkeit herstellen zu wollen, der uns in das Luxussegment geführt hat. Wir kreieren gemeinsam als Familie und der Gedanke, etwas von Generation zu Generation weitergeben zu wollen, ist hier sehr stark. Die gemeinsame Arbeit bildet die Essenz unserer höchsten Fähigkeiten, die sich am besten im Luxussegment aufgehoben fühlt.

Welche Vorteile und Herausforderungen sehen Sie im Luxussegment?

Thomas Sabo: Bei der SABOTEUR-Schmuckkollektion haben wir den Anspruch, jeden Menschen zu erreichen. Selbstverständlich ordnet sich das durch die Abstufungen der Preise dementsprechend zu. Wie in jedem bestehenden Segment gilt es hier, sich zu etablieren, was zu Beginn eine Herausforderung darstellen kann. Wir sehen im Luxussegment mehr Möglichkeiten, einen Kontext zu Produkten herzustellen, Kunst daraus zu machen. Dazu gehört auch der Einsatz von hochwertigen, langlebigen Materialien. Jedes Stück erzählt eine eigene Geschichte, die das Piece zu etwas Besonderem macht. Das ist für uns die Essenz und auch der große Vorteil im Luxussegment. Grundsätzlich kann gesagt werden, dass die Besonderheit beim Schmuck von SABOTEUR ist, dass sich die Grundideen auch stetig weiterentwickeln.

Wie lässt sich das Image von Piercing und Totenköpfen mit Fine Jewellery verbinden?

Santiago Sabo: Fine Jewellery zielt ja auf die Qualität und Verarbeitung der Materialien ab. Das heißt nicht, dass die Stücke alle dezent und zurückhaltend sein müssen. Unsere Designs sprechen ihre eigene mutige Sprache. Unsere Gesellschaft verändert sich. Das Thema Selbstausdruck und Individualität spielen eine immer größere Rolle. In Totenköpfen, Piercings und mystisch anmutende Symbolen finden sich viele Menschen mehr wieder, als in einem hochkarätigen Diamant-Ring. Wieso diese Stücke also nicht in einer Luxusvariante anbieten?

Was macht ein gutes Schmuckdesign aus?

Rita Sabo: Neben den handwerklichen Fähigkeiten rund um Materialkunde und Verarbeitung gehören ein Gespür für Ästhetik, Formen und natürlich Kreativität dazu. Wie bei jedem Designprozess dreht sich alles um eine eigene Handschrift, eine DNA, die die Kreation anführt. Wir denken, zu wissen, wer man ist und wer man mit der Marke in dieser Welt sein möchte, stellt die Basis für gutes Design – sowohl bei Schmuck als auch Fashion oder Interior – dar.

Thomas Sabo: Als meine Frau und ich uns kennenlernten haben wir uns länger über "Sakrale Geometrie" unterhalten – die Kunstform, der sie sich schon immer widmet und ihre größte Inspiration darstellt. Es geht hierbei viel um Proportionen um den goldenen Schnitt. Mir ist danach klar geworden, dass rückblickend der goldene Schnitt schon immer unterbewusst eine große Rolle in meinem Schmuckdesign gespielt hat. Ich würde also sagen, dass für mich Ausgewogenheit und Ästhetik ein gutes Schmuckdesign ausmacht.

Auf der SABOTEUR-Website heißt es: "Beginn einer neuen Dynastie". Klingt also, als hättest du, Santiago, eine wesentliche Rolle im Geschäft. Was ist deine Rolle im dreier Gespann zwischen Rita, deinem Vater und dir?

Santiago Sabo: Wir alle bringen verschiedene Perspektiven und Expertisen mit. Mein Fokus liegt auf jungen, urbanen Themen, die das Fine-Piercing-Konzept sowie die Elemental-Linie, die ich mit meinem Vater betreue, prägen. Als Piercer begleite ich das "Fine Piercing"-Konzept und das Piercen inklusive die Beratung der Piercing-Constellations ist für mich Teil meines kreativen Ausdrucks, Rita bringt den mystisch angehauchten künstlerischen Aspekt mit rein und mein Vater die Erfahrung aus Jahrzehnten in der Schmuckbranche. Zusammen fordern wir uns immer wieder neu heraus und beziehen die Perspektiven der anderen mit ein. Das Ergebnis ist kraftvolle Synergien, die SABOTEUR zu dem machen, was es ist.

Wie glauben Sie, schafft es eine Marke bei ständig wechselnden Trends erfolgreich zu wachsen, ohne die DNA zu verlieren?

Thomas Sabo: Es ist in jedem Bereich die große Herausforderung, seiner Linie treu zu bleiben und dennoch mit der Zeit zu gehen. Man verliert nicht einfach seine DNA. Man kann sich verändern und vielleicht auch etwas komplett Neues ausprobieren. Dennoch steckt all das von Beginn an im Kern schon drin. Es gilt nur, diese Potential zu aktivieren und zu entfalten. Wir glauben, dass man sich und sein Schaffen immer wieder aus neuen Perspektiven betrachten sollte. Gerade im kreativen Bereich reflektiert man mit seiner Arbeit immer wieder auch sich selbst. Wenn man hier ehrlich zu sich ist, nachspürt und offen bleibt für Veränderungen, kann man sich treu sein, ohne an Altem festzuhalten.

Was begeistert Sie am meisten am Luxusgeschäft?

Thomas Sabo: Wir lieben es, mit edlen Materialien zu arbeiten und limitierte, dafür sehr hochwertige Stücke zu kreieren. Der Zugang zu den Menschen und Testimonials wird auf dieser Ebene oft persönlicher und individueller.

Santiago Sabo: Insbesondere beim „Fine Piercing“-Konzept begeistert es uns, mit dem Luxusgeschäft den Kunstcharakter des Piercens hervorzuheben. So wie Graffiti auch Streetart sein kann, werden Piercings zu Bodyart. Und ich liebe es, diesen Prozess begleiten und mitgestalten zu können.

Welche Kriterien gibt es, um sich als "Luxusmarke" bezeichnen zu dürfen?

Thomas Sabo: Eine Luxusmarke erfüllt verschiedene Kriterien, die wichtigsten Aspekte stellen aber sicherlich die Qualität und Handwerkskunst hinter dem Produkt dar. Perfektion ist das Stichwort, wenn wir uns im Luxusbereich bewegen. Der Produktionsprozess und die gesamte Lieferkette bleiben weitestgehend in den Händen der Marke.

Sie haben mit SABOTEUR auch neue Boutiquen eröffnet. Macht eine neue Ladenfläche im E-Commerce-Zeitalter überhaupt noch Sinn?

Santiago Sabo: Absolut! Insbesondere im Luxussegment gehört das Erleben der Marke dazu, das kann ein Online-Shop einfach nicht vollumfänglich abdecken. Unsere neu eröffneten Ladenflächen laden in die Welt von SABOTEUR ein und versprühen den Charakter, die Essenz der Marke. In unserem Fall kommt hinzu, dass wir ja auch vor Ort in unseren „Fine Piercing“-Studios piercen. So können direkt die Schmuckstücke unserer Fine-Piercing- Kollektion ausgewählt und getragen werden. Es ist ein Erlebnis, das die Menschen im wahrsten Sinne verändert.

fde Gala

Gala entdecken