Tatiana Santo Domingo: Marokko statt Monaco

Der Horizont von Tatiana Santo Domingo reicht weit über den Fürstenhügel hinaus. Mit einer Freundin reist sie nach Afrika und bis in den fernen Orient, um fair gehandelte Schätze zu finden

Bei offiziellen Anlässen in Monaco wirkt sie oft, als sei sie da nur aus Versehen hineingeraten. So wie im Sommer beim Love Ball, einer Charity-Veranstaltung mit großem Bahnhof:

Vor vier Jahren gründeten die Freundinnen Tatiana Santo Domingo (l.) und Dana Alikhani ihr Modeportal Muzungu Sisters.

Der Fürst war da, die Damen trugen opulente Roben und Diamanten, es wurden Spenden in Millionenhöhe gesammelt. Tatiana Santo Domingo trug ein schlichtes blaues Kleid mit besticktem Kragen und dazu kleine goldene Kreolen. Das Haar zurückgesteckt, der Blick in die Ferne gerichtet.

Es ist eine Welt, die die Millionenerbin von klein auf kennt. Aber es ist nicht ihre Welt. Ihre Welt ist bunter und weiter. In dieser Welt stellt man keine Schecks aus, um sein soziales Gewissen zu beruhigen, sondern man handelt. So wie Tatiana und ihre Freundin Dana Alikhani. Die beiden Frauen lernten sich in New York kennen, wo Tatiana nach ihrem Kunststudium als Moderedakteurin arbeitete und Dana an der Columbia University "Human Rights Studies" belegte - mit Fokus auf gerechte Arbeitsbedingungen in Entwicklungsländern. Die Liebe der beiden fürs Reisen und zur Mode sowie ihr soziales Bewusstsein mündeten in dem Projekt Muzungu Sisters. "Wir mochten die Bedeutung des Wortes", erklärt Tatiana. "Muzungu bedeutet auf Suaheli "Wanderer" oder "Reisender". Die Freundinnen reisen um die Welt auf der Suche nach schönen Dingen, die sie auf ihrer Online-Plattform www.muzungusisters.com verkaufen. Jeden Hersteller besuchen sie persönlich, lernen die Menschen hinter ihren Produkten kennen und machen sich ein Bild von den Arbeitsbedingungen vor Ort. Ihre Partner sind Kooperativen, indigene Stämme in Südamerika, kleine Werkstätten in Afrika und Asien. Die traditionellen Techniken sind teils Jahrhunderte alt.

Tatiana Santo Domingo macht sich bei jedem ihrer Hersteller vor Ort ein Bild von den Produktionsbedingungen

Der Shop wurde so zu einer Kammer voller Ethno-Schätze: Sarongs aus Bali, Kaftane und Schuhe aus Indien, Jacken aus den Anden. Die Preise sind hoch - kein Vergleich zu den Sarongs und Kaftanen, die an Stränden rund um die Welt für zehn Euro feilgeboten werden. "Alles ist handgemacht und unter ethischen Arbeitsbedingungen entstanden", erklärt Tatiana die Preise.

Die kostbaren Fundstücke sind also nichts für den Massenmarkt. Sie werden von Liebhabern hochwertigen Kunsthandwerks gekauft, von Fashionistas, die angesagte Labels gerne mit Vintage- und Ethnostücken kombinieren, sowie von Stars wie Naomi Watts - sie besitzt eine Handtasche der Muzungu Sisters. Und natürlich vom großen internationalen Freundeskreis der beiden Frauen, zu dem die Reeder-Erbin Eugenie Niarchos gehört oder Margherita Missoni aus dem gleichnamigen Modeclan.

Einmal pro Jahr öffnen die Muzungu Sisters für ein paar Tage einen Pop-up-Store. In London, Paris und Madrid waren sie bereits mit ihrem Ethno-Chic zu Gast. Tatiana hat das Reisen unterdessen ein wenig zurückgefahren. Sie hat ein neues Lieblingsbaby, das auf den Namen Sacha hört: Ihr kleiner Sohn kam im März auf die Welt.

1. Indischer Kaftan aus schwarzer handbestickter Seide; 2. Die rote Bolero-Jacke aus Peru ist eines der Lieblingsstücke von Tatiana Santo Domingo; 3. Ethno trifft Hightech: iPad-Taschen fanden die Schwestern in Pakistan; 4. Alles handgemacht und damit einzigartig – wie diese bestickte Bluse

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