Stil-Ikonen: Modegrüße aus Moskau

Reich, schön und auf dem Vormarsch: Russinnen sind die neuen Lieblinge von Streetstyle-Fotografen und Designern. Wir stellen Ihnen sechs Stil-Ikonen vor

Die Zeit, in der man Russland nur mit Oligarchen, Wodka und Pelzmänteln in Verbindung brachte, ist offiziell vorbei. Langsam aber sicher mauserten sich russische Frauen in den vergangenen Jahren zu waschechten Stil-Ikonen mit hohem Neidfaktor. Die zierlichen Damen liefen den finanzstarken Asiatinnen den Rang als begehrteste Designer-Lieblinge und Dauergäste der Frontrow ab. Statt arg gewollter und protziger Looks setzen sie inzwischen auf ihr eigenes Stilgefühl - und so sind es vor allem ihre eleganten und individuell gemixten Outfits, die Streetstyle-Fotografen in Entzücken versetzen.

Stephanie Brungs + Christian Wackert

Eine Traumhochzeit im hawaiianischen Stil

Stephanie Brungs und Christian Wackert
Stephanie Brungs und Christian Wackert haben "Ja" gesagt! Ihre Liebe haben sie mit einer Traumhochzeit im hawaiianischen Stil zelebriert.
©Gala

Da ist es nicht weiter verwunderlich, dass Frauen auf der ganzen Welt für die Kleiderschränke von Miroslava Duma und Co. töten würden. Erstere hat sich nach ihrem Job beim russischen Magazin "Harper's Bazaar" als freie Modejournalistin mit eigener Website buro247.ru einen Namen gemacht. Keine Modenschau findet mehr ohne die zierliche Mutter eines kleinen Sohnes statt, deren farbenfroher und mädchenhafter Stil aus der Masse heraussticht.

Unübersehbar ist auch das ehemalige Model und heutige Society-Girl Elena Perminova. Die zweifache Mutter ist mit einem Milliardär verheiratet, reist und shoppt um den Globus und schafft es dabei, immer mit Grazie und subtilem Sexappeal aufzutreten. Natürlich sind ihre Endlosbeine und das nötige, im Übermaß vorhandene Kleingeld dabei zweifellos von Vorteil. Komplett-Outfits vom Catwalk gehören ebenso zu ihrer Standardausrüstung wie himmelhohe Louboutins und begehrte It-Bags.

Anya Ziourova, Fashion-Director des russischen "Tatler" und selbst umjubelte Mode-Ikone mit Modelmaßen, liefert eine Erklärung für den modischen Aufstieg der russischen Ladies: "Wir waren lange Zeit ein abgeschottetes Land. Die erste Zeit benahmen wir uns wie Kinder im Süßigkeitenladen, wollten alles und das auch sofort. Erst in den letzten fünf Jahren hat sich der Stil entwickelt, ist sophisticated geworden und wird so auch attraktiv für Menschen außerhalb Russlands."

Fashionistas

Models, Musen, Stil-Ikonen

Leslie Mann und Judd Apatow gewöhnen ihre Töchter schon früh an das Rampenlicht. Mit drei Jahren absolviert Töchterchen Iris (rechts) ihren ersten Red-Carpet-Auftritt. Ihre fünf Jahre ältere Schwester Maude hat das strahlende Lächeln ihrer Mutter geerbt und grinst in die Kamera. 
Heute sind aus den kleinen Mädchen junge Damen geworden. Gekonnt posieren sie gut 10 Jahre später mit ihren Eltern auf dem roten Teppich der "Blockers"-Premiere in Los Angeles, denn mittlerweile sind die Mädels echte Profis... 
Maude Apatow  Völlig neu ist der Hollywood-Trubel für Maude Apatow nicht. In Filmen wie "Immer Ärger mit 40" und "Beim ersten Mal" durfte sie bereits als Teenie neben Mama Leslie vor der Kamera stehen. Aus dem Schatten ihrer Mutter versucht sie seit 2015 zu treten. Mit Erfolg! Noch im gleichen Jahr ergattert sie eine Rolle in Lena Dunhams Serie "Girls" und schreibt für Zooey Deschanels Website "Hello Giggles". Mittlerweile ist sogar die Modebranche auf sie aufmerksam geworden und lädt sie zu besonderen Fashion-Events ein. Bei ihrem It-Girl-Gespür eigentlich gar kein Wunder.
Iris Apatow  Die jüngste Tochter von Leslie Mann könnte bereits als Teenager eine Karriere als Model starten. Anstatt jedoch professionell zu shooten, teilt sie viel lieber private Schnappschüsse auf Instagram. Hier kommt sie extrem gut an: Fast 25.000 User folgen ihr bereits - Tendenz steigend. Welch enormes Potential in ihr schlummert, haben auch schon Hollywood-Regisseure erkannt. Seit Anfang 2016 gehört sie zu den Stars der neuen Serie "Love". Wir sind uns sicher: Von Iris wird man in Zukunft sicherlich noch so einiges hören (und sehen)!

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Galt in den 90er-Jahren noch der Slogan "Nicht Kleckern, sondern Klotzen", sind es heute neben den großen Couture-Labels besonders junge und innovative Marken wie Proenza Schouler oder Christopher Kane, die bei wohlhabenden Russinnen hoch im Kurs stehen.

Und wenn diese Labels den Geschmack doch mal nicht auf den Punkt treffen, greifen die neuen Modevorbilder auch gerne selbst zu Zeichenstift und Block. Ulyana Sergeenko beispielsweise hat sich mit ihrer eigenen Modelinie einen Namen gemacht. Ihr Erfolgsrezept: Diors "New Look" trifft die russische Oberschicht des 19. Jahrhunderts.

Ausgestattet mit großem Kreativpotenzial gilt Jungdesignerin Vika Gazinskaya als große Hoffnung der russischen Modeszene. Mit ihrer Vorliebe für plastische Verzierungen wie zum Beispiel Holz-Elemente auf Strickpullovern und auffällige Drucke avancierte sie zum Shootingstar und gilt bereits jetzt als Inspirationsquelle für etablierte Modehäuser wie Oscar de la Renta oder Kenzo, die Elemente ihrer Kollektion aufgriffen.

Geld ist für Dasha Zhukova etwas Nebensächliches. Zwar mag das daran liegen, dass ihr Freund Roman Abramowitsch mehrfacher Milliardär ist und hobbymäßig Yachten und Fußballclubs kauft, doch hat die in den USA aufgewachsene Russin auch selbst ein gutes Näschen für Geschäfte. Als Kunstgaleristin und Herausgeberin eines Kunstmagazins ist sie bei Modenschauen, Kunstmessen und Vernissagen gern gesehener Gast. Schön, klug und mit einem untrüglichen Stilgefühl - da kann man Herrn Abramowitsch nur gratulieren.

Nach den turbulenten Fashionweeks in New York, Mailand und Paris steht fest: Die Style-Offensive aus Moskau ist auf dem Vormarsch. Denn längst ist nicht mehr nur Branchen-Insidern wie Anya Ziourova klar: "Amerika hat Jackie O, und die ganze Welt hat Audrey Hepburn, aber Russland hatte nie ein wirkliches Modevorbild. Vielleicht passiert das jetzt - die modernen russischen Stil-Ikonen werden geboren." Wie langfristig der Ruhm jener Frauen sein mag, steht in den Sternen. Suzy Menkes, Redakteurin beim "International Herald Tribune" und Ikone des Modejournalismus, steht dem Streetstyle-Phänomen jedenfalls zweifelnd gegenüber. Ihrer Meinung nach gibt es noch immer einen großen Unterschied zwischen echten Stil-Ikonen und den zahlreichen Posern, die mit viel Aufwand Outfits zusammenstellen, um dann scheinbar zufällig einem Streetstyle-Fotografen vor die Linse zu springen.

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