Stella McCartney: "Ich bin eine Öko-Feministin"

Stella McCartney war nie der Typ, der sich auf seinen Erfolgen ausruht. GALA traf die visionäre Designerin

Ein grauer Montagmorgen in London, ein wenig glamouröses Atelier im Westen der Stadt. Die Ikone des Cool Chics trifft verspätet ein. Navyblaue Uniform, weite Stoffhose im Boyfriend-Look und Schachbrett-Heels, an denen Daisy Duck ihre Freude hätte. Und eben Stella. Sie mustert, befragt und coacht die fünf Finalisten des "Designer for Tomorrow"-Wettbewerbs von Peek & Cloppenburg Düsseldorf und Fashion ID. Trotz des straffen Terminkalenders und des 75. Geburtstags von Papa Paul nimmt sich die Britin ausgiebig Zeit für den Design-Nachwuchs und ein Gespräch mit GALA.

Gerade haben Sie fünf angehende Modedesigner gesehen. Was zeichnet junge Kreative heute aus?

Frauke Ludowig

So sexy meistert sie ihre High-Heel-Panne

Frauke Ludowig
Wackelig, aber sexy - so lässt sich der Auftritt von Frauke Ludowig in diesem Instagram Video wohl am besten beschreiben.
©Gala

Es gibt natürlich viel mehr von ihnen. Sie brauchen ein sehr besonderes Alleinstellungsmerkmal, um erfolgreich zu sein. Junge Kreative sind sich heute sehr bewusst, was sie im Job erwartet. Sie sind wacher und haben über digitale Medien und soziale Netzwerke viel mehr Zugang zu Informationen.

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Setzen Sie auf die digitale Welt?

Geschäftlich sind wir eine sehr junge Marke im Vergleich zu anderen Designerlabels. Ich liebe es, auf unterschiedliche Arten zu kommunizieren. Stella als Privatperson hat einfach zu wenig Zeit, um permanent zu posten. Ich bin eher so der "Vier Sekunden auf dem Rücksitz eines Taxis"-Typ.

Klaffen das junge Image und die tatsächliche Käuferschaft nicht auseinander?

Nein. Ich spreche eine breite Altersgruppe an, sogar unterschiedliche Geschlechter. Ich habe neben der Runway-Kollektion für Frauen auch Männer, Accessoires, Taschen, Sonnenbrillen, Wäsche, Beauty, Kinder und meine Sportlinie für Adidas. Da findet jeder einen Zugang zur Marke. Und gerade der Verzicht auf tierische Produkte, ohne Abstriche in der Qualität, spricht viele junge Kunden an.

Sie teilen stilistisch kaum nach Geschlecht. Sogar Ihre Kindersachen sind "genderless" …

Richtig. Ich hatte vor Kurzem angeregt, die Kinderkollektion nur an einem Model zu fotografieren und nicht getrennt nach Geschlecht. Mädchen wollen nicht nur Prinzessinnen sein. Sie lieben genauso Superhelden und Tiger.

Und für große Mädchen haben Sie Boyfriend-Hosen bürotauglich gemacht. Sind Sie Feministin? Eine Öko-Feministin vielleicht?

Sie können mich gerne so nennen. Ich bin schlecht in Selbstbeschreibungen, außer, dass ich Mutter und Kreative bin. Ich war nie bewusst Feministin, aber das, was ich sage und wie ich handele, kommt der Definition wohl sehr nah. Ist es nicht traurig, dass dieser Begriff überhaupt noch existieren muss? Es gibt kein adäquates Wort im männlichen Kontext dafür. Es zeigt nur, wie sich Frauen heute noch behaupten müssen.

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Dafür haben Sie, wie beim letzten Mal, nur Frauen ins DfT-Finale gewählt und halten die Girl-Power-Flagge hoch … 

Willkommen in der Stella-Welt. Bei mir arbeiten 80 Prozent Frauen. Ich bin die Erste, die ihre Mitarbeiterinnen nach Hause schickt, wenn das Kind zahnt. Es gibt schon den Dauerwitz, dass alle, die schwanger werden wollen, bei mir arbeiten sollen.

Bei einigen wurde der Feminismus-Trend auf dem Laufsteg groß thematisiert. Ist das nur Show?

Schwierig. Menschen sind ja nicht doof. Ich bin als Designerin sehr ehrlich und transparent. Bevor man sich ein feministisches Dior-T-Shirt kauft, würde ich mich fragen, ob der Erlös an eine wohltätige Organisation geht.

Also ein Mottoshirt macht nicht selbstbewusst. Was tragen Sie als Ego-Pusher?

Bei mir ist das tagesformabhängig. Fühle ich mich wie eine Million Dollar, trage ich gewagtere Sachen. Wenn sich mein Tag eher nach 1,50 Dollar anfühlt, trage ich das hier … (zeigt auf ihre Sanitäter-Sandalen und lacht laut).

Stella McCartney

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