Stella + Victoria: Auf den Kopf gestellt

Eine ganze Generation erfolgreicher Designerinnen revolutioniert gerade die Fashion-Branche. Im Stil unterscheiden sie sich, doch ihr großes Ziel verbindet sie: die Ansprüche der Kunden zu erfüllen

Wenn männliche Designer gefragt werden, an wem sie ihre Kreationen am liebsten sehen würden, antworten sie so was wie "Showgirls" (Marc Jacobs bei Louis Vuitton) oder "Miley Cyrus" (Roberto Cavalli). Anders die weiblichen Vertreter der Branche. Stella McCartney antwortete während der Pariser Modewoche auf die Frage nach dem Idealtyp: "Meine Mode ist für normale Frauen gemacht." Damit spricht sie für die meisten aktuellen Designerinnen – und trifft das Lebensgefühl der heutigen Frauen. Denn immer mehr von ihnen wollen beim eigenen Styling nicht bedingungslos einem Trend folgen, sich nicht gegen den eigenen Charakter als Vamp verkleiden. Mode hat für sie die Aufgabe, ihr eigenes Leben auszudrücken. Und das sieht anders aus, als viele männliche Kreativdirektoren denken. Die weiblichen Pendants können aus der eigenen Erfahrung schöpfen: "Auch meine Kundinnen haben einen Job und müssen morgens die Kids in die Schule bringen", sagt Victoria Beckham. "Ich möchte, dass sie sich in meiner Mode wohlfühlen, dabei aber auch gut aussehen."

Heidi Klum

Bei den VMAs lässt sie tief blicken

Heidi Klum
Heidi Klum präsentiert bei den MTV Video Music Awards ihr Dekolleté in einem sexy Minikleid.
©Gala

Fashion-Looks

Die Designs von Victoria Beckham

Gar nicht kleinkariert: Sienna Miller bezaubert die Pressefotografen beim San Sebastian Filmfestival im Karo-Kleid aus der aktuellen Frühjahrs-Kollektion von Victoria Beckham.
Amber Heard betört die Gäste der "Black Mass"-Premiere in Toronto im Kleinen Schwarzen von Victoria Beckham.
Beyoncé ist ein großer Fan von Victoria Beckhams Designs, hier zeigt sie sich mit einem schwarz-weißen Strick-Rock.
Lily James zeigt sich bei der Comic-Con bestens gelaunt in einem von Victoria Beckhams Karo-Kleidern aus der Herbst-Kollektion 2015.

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Als angesagteste Designerin gilt zurzeit Phoebe Philo, die mit ihren Kollektionen für Céline den Nerv einer ganzen Generation trifft. Wahrscheinlich auch deshalb, weil sie in ihrem eigenen Leben klare Prioritäten setzt. "Meine Familie steht immer an erster Stelle", sagt die zweifache Mutter. "Natürlich liebe ich meinen Job, aber das Wichtigste ist, für meine Kinder da zu sein, sie zu beschützen." Aus diesem Grund ließ Phoebe Philo, die bereits zuvor bei Chloé wegen eines Sabbaticals ausgestiegen war, das Céline-Designstudio von Paris nach London verlegen. "Ich lebe in einem ganz normalen Umfeld", sagt sie. "Ich habe Verantwortung im Job und zu Hause und bin jeden Tag damit beschäftigt, alles unter einen Hut zu bringen. Ich glaube, deshalb identifizieren sich meine Kundinnen mit mir."

Leben und Kollektionen der jungen Designerinnen sind unmittelbar verbunden. "Ich versuche möglichst alles selbst anzuprobieren", sagt Leyla Piedayesh von Lala Berlin. "So kann ich jedes einzelne Teil beurteilen. Auf jeden Fall unterziehe ich die Kollektion meinem ganz persönlichen Alltags- und Partytest. Sprich: Wie gut eignen sich die Teile zum Arbeiten, aber auch zum Feiern und Tanzen?" Eine Schuhkollektion ausschließlich mit hohen Hacken fällt beim Alltagstest durch.

KaDeWe-Geschäftsführerin Petra Fladenhofer, eine der am besten angezogenen Frauen Deutschlands, schätzt die jüngsten Entwicklungen. Sie mag Céline-Röcke – trägt aber auch Desertboots auf Abend-Events. Ihre Kundinnen, sagt sie, sehen das ähnlich: "Cool ist das neue Sexy! Viel wichtiger als die Beurteilung durch andere ist heute die eigene Wahrnehmung."

Bei so einer hohen Frauenquote denken die männlichen Designer zwangsläufig langsam um. Erstmals zeigte Marc Jacobs jetzt bei einer Vuitton-Show ausschließlich flache Schuhe. Auch Showgirls müssen ihren Alltag bewältigen.

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