Miss Fame: Die Dragqueen ist das Kampagnengesicht von Steffen Schraut

Miss Fame ist das neue Gesicht der aktuellen Kampagne von Designer Steffen Schraut. Dabei geht’s nicht nur um Schönheit, sondern auch um eine große Botschaft

Steffen Schraut + Miss Fame

Auf den internationalen Laufstegen und in den Kampagnen vieler Luxuslabels wimmelt es nur so von neuen Model-Typen – jenseits der stereotypen Schönheit.

Steffen Schraut: Mit Miss Fame beweist der Designer Trendgefühl

Miss Fame für Steffen Schraut

Gucci-Designer , 47, zum Beispiel setzt auf ungewöhnliche Gesichter und Androgynität. Das Transgender-Model Teddy Quinlivan, 24, kann sich vor Jobangeboten kaum retten. Und auch , 24, deren ungewöhnliche Hautpigmentierung zu ihrem Markenzeichen wurde, gehört zu den Stars der Fashion-Szene. Viel Trendgespür in Sachen Model-Casting beweist jetzt der deutsche Designer Steffen Schraut. Er sprengt die Geschlechtergrenzen und rückt eine Dragqueen in den Mittelpunkt seiner Kampagne. Künstlername der kühlen Schönheit aus New York: Miss Fame. In den USA ist sie schon längst eine Berühmtheit, schmückte bereits die Cover diverser Modemagazine. Und ebenso wie die Popstars , 36, oder , 20, steht sie bei der renommierten Agentur Wilhelmina unter Vertrag. Fotografiert wurden die grafischen Kampagnenmotive von einem, der sich mit Top-Models auskennt: . GALA war beim Shooting dabei und sprach mit dem Trio.

Der Designer: Steffen Schraut

Steffen Schraut

Für seine femininen Kreationen machte schon mal ein Mann Werbung: Julian Daynov, Influencer und Berliner It-Boy. In dieser Saison geht Schraut noch einen Schritt weiter.

GALA: Warum fiel Ihre Wahl auf Miss Fame?

Steffen Schraut: Nicht weil sie eine Dragqueen ist, sondern weil sie eine starke Persönlichkeit darstellt. Mir gefällt die Idee dahinter: Jeder Mensch kann heute so sein, wie er will. Miss Fame setzt sich in den USA stark für die Gleichberechtigung ein. Ein Thema, das auch mir wichtig ist. Sie ist eine Künstlerin, die erfolgreich ihren Weg geht und viel Zuspruch bekommt. Das zeigt, dass man Menschen und Marken heute keinen Stempel mehr aufdrücken kann.

GALA: Was ist die Botschaft hinter der Kampagne?

Schraut: Was wir jetzt mit Miss Fame machen, ist meine Art, die Leute zum Nachdenken anzuregen. Vielleicht bin ich mutiger als manche Mitbewerber. Wir möchten mit spannenden Persönlichkeiten provozieren. Auf den ersten Blick erkennen viele gar nicht, dass Miss Fame ein Mann ist, und sagen: "Wow, das Kleid steht ihr aber gut!" Lesen die Leute jetzt in GALA die ganze Geschichte und erkennen die Zusammenhänge, dann haben sie ja denersten Eindruck von Miss Fame schon vorurteilsfrei genossen.

GALA: Sehen Sie die Kampagne als Puzzleteil einer offeneren Gesellschaft?

Schraut: Es ist zumindest ein kleiner Schritt. Wir sind in unserer Gesellschaft schon weit gekommen, trotzdem gibt es noch viel zu lernen. Vor allem über Offenheit und Akzeptanz gegenüber Menschen, die einfach ein bisschen anders sind. Trägt die Kampagne nur einen ganz kleinen Teil dazu bei, dann hat sie ihren Zweck erfüllt.

GALA: Das Thema Diversity, also Vielfalt, ist gerade in aller Munde. Ist das nur ein kurzzeitiger Trend?

Schraut: Ich glaube, dass es jetzt erst richtig anfängt. Es ist egal, um welchen Typ es sich bei unserem Gegenüber handelt, welche Körpergröße, Hautfarbe oder welches Geschlecht ein Mensch hat. Ein Großteil der Jugend hat das schon begriffen. Jetzt ist wichtig, dass es generationsübergreifend akzeptiert wird.

Die Künstlerin: Miss Fame

Miss Fame

Eine Castingshow für Dragqueens im US-Fernsehen machte die – meist – blonde Lady berühmt. Neben einem Musikalbum hat sie gerade eine eigene Lippenstiftlinie präsentiert.

GALA: Wie war Ihre Reaktion, als Sie erfahren haben, dass Sie Steffen Schrauts Kampagnengesicht werden sollen?

Miss Fame: Ich habe mich so auf Deutschland gefreut! Ich hatte ja schon Jobs in Berlin und Hamburg und bin jetzt sehr glücklich, für Steffen arbeiten zu dürfen. Seine Kunden sind Frauen – und die Chance, in meiner Rolle als Miss Fame in der Kampagne mitzuwirken, macht mich extrem stolz.

GALA: Wie bereit ist die Gesellschaft für neue Modeltypen?

Miss Fame: Die Welt, in der wir leben, ist schon viel offener und kreativer geworden. Ich denke, es ist wichtig, dass es Menschen wie mich gibt. Durch meine Arbeit als Model ist die Figur Miss Fame sehr präsent in der Mode- und Kosmetikbranche. So kann ich den Leuten da draußen zeigen, dass Schönheit viele Gesichter hat. Ich kann ein Bewusstsein für Menschlichkeit und Toleranz schaffen.

GALA: Wie lange hat es eigentlich gedauert, Miss Fame zu entwickeln?

Miss Fame: Drag mache ich schon seit 13 Jahren. Intensiver wurde es vor sieben Jahren, als ich nach New York zog. Ich fing an, mich dieser Kunstrichtung zugehörig zu fühlen. So richtig im Einklang mit Miss Fame bin ich seit fünf Jahren.

GALA: Was darf in der Handtasche von Miss Fame nie fehlen?

Miss Fame: Ein roter Lippenstift. Der schafft mit den blonden Haaren einen unglaublich starken Look. Außerdem habe ich immer etwas Make-up dabei, um mich aufzufrischen. Und einen transparenten Puder, um sicher zu gehen, dass mein Gesicht nicht zu sehr glänzt. Und Augentropfen. Die helfen, meinen Blick immer hell und frisch erscheinen zu lassen.

Der Fotograf: Armin Morbach 

Armin Morbach

Als Juror bei "Germany’s next Topmodel" wurde er einem breiten Publikum bekannt. Heute hat das Multitalent ein eigenes Beauty und Fashion-Magazin und arbeitet mit den großen Stars.

GALA: Sie sind bekannt für eine moderne, kreative Fotografie. Wie viel Morbach steckt in dieser Kampagne?

Armin Morbach: Ich hatte mit Steffen auf Instagram geschrieben, und er sagte mir, er fände meine Bilder toll. Darauf habe ich dreist geantwortet, dass ich gerne mal seine Kampagne shooten würde. Ich dachte, er sagt: "Nein, lass mal." Er schrieb allerdings, es wäre ihm eine Ehre. Wir haben telefoniert, und so kam eins zum anderen. Er hat mir in nichts reingeredet. Deshalb stehe ich komplett hinter der Kampagne.

GALA: Waren Sie es, der Miss Fame ins Spiel brachte?

Morbach: Ja. Ich habe bereits viel mit ihr gearbeitet und weiß, dass sie inzwischen ihre größte Fanbase in Deutschland hat. Man darf nicht vergessen: Wir kreieren mit der Kampagne ein Image, und dieses Image muss dann gestreut werden. Wenn Miss Fame die Bilder zum Kampagnen-Launch auf Instagram postet, werden sie von ihren vielen Fans gerepostet und erreichen so unfassbar viele Leute.

GALA: Dann sind Dragqueens also die idealen Models?

Morbach: Zumindest ziehen Dragqueens noch Aufmerksamkeit auf sich. In Deutschland buchen doch alle die gleichen Models und Influencer und verstehen dabei nicht, dass man, um international gesehen zu werden, nicht aus dem gleichen Sack schöpfen darf.

GALA: Was ist Ihr persönlicher Bezug zu Dragqueens?

Morbach: Ich war früher selber eine! Das sind die einzigen Menschen, die noch in eine Rolle schlüpfen. Ich finde, eine Rolle zu spielen ist heutzutage etwas Wunderbares. Es ist farbenfroh, bunt und unterhaltsam. Es erheitert mich. Deswegen finde ich Dragqueens super.

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