Sommer-Trend: Verstehen Sie... Bauchfrei?

Jetzt zeigen wir wieder Haut! Doch diesmal haben weder Beine noch Dekolleté die absolute Mehrheit, im Sommer 2012 regiert das Reich der Mitte

Bauchfrei

Woher kommt der Trend?

Gut, es gibt sicherlich schönere Revivals als dieses. Aber das Phänomen "bauchfrei" als reine Modesünde der Neunzigerjahre abzustempeln wäre zu einfach. Nein, selbst der nackte Nabel hat Geschichte - Christian Dior sei Dank.

Mit seinem New Look rückte der Designer 1947 den Fokus der weiblichen Silhouette in die Körpermitte und machte die schmale Taille zum modischen Star. Diese zu entblößen galt zwar noch als Tabu, doch schon wenige Jahre später riskierte frau – vom Rock 'n' Roll beschwingt - den Nabelblitzer: stilecht mit geknoteter Bluse und Petticoat.

Seinen Höhepunkt feierte der nackte Nabel allerdings erst in den Neunzigern, dem Jahrzehnt der Technojünger, begleitet von Neontop und Arschgeweih. Ein neuer Körperkult war geboren, der extrem hüftig geschnittene Jeans und enge Shirts zur Uniform modischer Mädels machte. Im Sommer 2012 kehrt bauchfrei nun zurück. Warum? Designer wie Marc Jacobs, Stella McCartney und Phoebe Philo haben den Sporty Chic der Neunziger neu entdeckt.

Aber keine Angst: Diesmal wird's elegant!

Promis machen's vor

Schon Elizabeth Taylor und Marilyn Monroe ließen selbstbewusst, wenn auch dezent, das Stückchen Haut zwischen Hosenbund und Brust hervorblitzen. Richtig sexy wurde es bei Gwen Stefani und Shakira - den schönsten Bäuchen des Musikgeschäfts -, die ihre unbekleidete Mitte nicht nur auf der Bühne zum Einsatz brachten. Nachdem viele Designer ihre Models wieder bauchfrei über den Laufsteg schickten, wagen auch Stars wie Gwyneth Paltrow und Rihanna die Nabelschau in neuem Gewand - als strenge Spitzen-Lady oder poppige Achtzigerjahre-Braut.

Heidi Klum

Sie präsentiert uns stolz ihren Ehering

Heidi Klum
Knapp zwei Wochen nach der Hochzeit von Heidi Klum und Tom Kaulitz auf Capri dürfen wir endlich einen ersten Blick auf ihre Eheringe werfen, die überraschend schlicht ausfallen.
©Gala

Top oder Flops?

Seien wir ehrlich: Es liegt nur ein schmaler Grat zwischen hui oder pfui. Weder das maskuline Sixpack à la Madonna noch Winterspeckpölsterchen eignen sich für diesen Trend. Ein wohlgeformter, flacher Bauch ist definitiv ein Muss. Und um nicht in die Stylingfalle zu tappen, bitte das Outfit typgerecht wählen.

Was steckt dahinter?

Mit der Mode ist es wie mit der Wirtschaft, es gibt für alles eine Erklärung. Und die lautet: Wie Aktien rutschen die künstlich nach oben gepushten Werte, parallel zu den begehrlichen Blicken der Männerwelt, nach unten. Die bauchfreie Mode als Abkehr vom käuflichen Statussymbol des großen Busens. So interpretierten 2003 ein Evolutionspsychologe, ein Anthropologe und eine Literaturwissenschaftlerin dieses Phänomen in der "New York Times" und deuteten auf ein Körperbewusstsein hin, das geprägt ist durch Extremsportarten wie Surfen, Skate- oder Snowboarden und Körperschmuck in Form von Tattoos, Piercings und Brandings.

Ob sich dieser Kult auch 2012 durchsetzen wird? Wohl kaum. Sicher ist nur: Der Body rückt wieder stärker in den Vordergrund.

Bauchfrei 2.0

In dieser Saison befindet sich der Trend auf wesentlich höherem Niveau. Sie müssen sich nur entscheiden: Cropped Shirts zu Jeans oder taillenhohen Shorts sorgen für den lässigen Sporty Look. Mit hochgeschlossenem Oberteil zu schmalem Highwaist-Rock wird selbst bauchfrei ladylike. Und romantisch im 50-Jahre-Stil wirkt das Ganze, wenn Sie Carmenblusen zu midilangen Blümchenröcken kombinieren.

Achtung: Rock- oder Hosenbund rutschen immer bis zur Taille hoch, schließlich ist das hier keine billige Nabelschau!

Wer wagt gewinnt

Bauchfrei

Ab durch die Mitte

Die dreifach Mama Natascha Ochsenknecht zeigt sich ihren Followern ganz privat in Pyjama-Hose und BH auf Instagram. Dabei fällt der Blick auf ihre beneidenswert flache Mitte. Dazu schreibt sie: "Einfach nur das Leben genießen und dankbar sein. Niemand ist perfekt." 
Bella Hadid treibt den angesagten Bauchfrei-Look auf die Spitze. Oder sollen wir lieber sagen "auf den Spitzen-BH"?! Schließlich wählt sie ein so knappes Oberteil, dass ihre Unterwäsche hervorblitzt.
Da Sophia Thomalla im Crop-Top und Jeans-Mini schon viel Haut zeigt, entscheidet sie sich für einen Rollkragen. So spielt sie die Sexyness zumindest etwas herunter.
Wie ein Bauchfrei-Look besonders edel wirkt, zeigt uns Jennifer Lopez. Sie wählt ein kurzes Oberteil, das durch elegante Trompetenärmel besticht und kombiniert es zu Choker und High-Waist-Hose im selben Ton. So verwandelt sie sich zur "Lady in Red".

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Bauchfrei im Büro? Warum nicht. Im Grunde gilt nur, was bei jedem Trend, der Haut zeigt, gilt: Subtiles Verführen durch Verhüllen. Wer mit seinen Reizen spielt, sollte diese nicht gleich offenlegen. Blazer oder Cardigan überziehen, und schon wirkt der Look seriös.

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