So Sue: Catwalk auf Sylt

Neben Daune und Grundbesitz ist Kaschmir die Währung auf Sylt: Unsere GALA-Kolumnistin Sue hat sich unter das Partyvolk auf Sylt gemischt und erlebt, wie der Spagat zwischen Nobel-Shopping und dem klassischen Understatement beim Strandspaziergang geht

Am Gründonnerstag vor Ostern beginnt der traditionelle Superstau am Autozug von Niebüll nach Sylt. Der Ansturm auf die Königin im Norden beginnt mit einer Blechlawine. An der Autoverladung vereinen sich alle SuV’s von Düsseldorf und Hamburg (Berlin fliegt ein) und rangeln um die Poolposition der Plätze auf dem Oberdeck.

Natürlich stehe ich als Letzte an und schaffe es nicht mehr auf den begehrten Zug, zum Trost gibt’s am Kiosk Pommes Schranke - den Abendbrot-Almauftrieb in der Sansibar schaffe ich jetzt ohnehin nicht mehr.

Premiere für Herzogin Catherine

Zum ersten Mal mit blauer Schärpe beim Staatsbankett

Herzogin Catherine +  Steven Mnuchin
Für Anlässe, wie z.B. ein Staatsbankett, gelten besondere Regeln - vor allem was die Farbe des Kleides, den Kopfschmuck und auch die Schärpe betrifft.
©Gala

Auf der Whiskymeile in Kampen reihen sich die Stricklabel wie Maschen auf der Nadel und auch wirklich alle angesagten Luxus-Brands haben sich in Stellung gebracht.

Daunenjacken grüßen in Ostereier-Farben, auch sonst geht's casual zu

Ist der Hindenburgdamm erst mal überquert, fällt jeglicher Stress von mir ab, verflüchtigt sich in den Dünen. Daunenjacken in Ostereier-Farben grüßen vor fast jeder Boutique die Touristen und Zweitwohnsitz-Deutschen. Hier ist das Wetter so wechselhaft wie die Preise - aber darüber spricht natürlich niemand und ich fange jetzt davon auch nicht an! Modisch betrachtet wird eher tief gestapelt, also "casual", das führt zu einem Syltfan-Einheitslook: Immer noch die Strickmützen mit Fellbommel aus der vor-vor-letzten Saison und Woolrich-Jacken in Dunkel"bleu", so üppig vertreten, dass man die ganze Buhne 16 damit pflastern könnte.

Am Fuße natürlich die Gummistiefel von Hunter – ohne die geht bei dieser Witterung rein gar nichts. Ein Strandspaziergang ist schließlich Pflicht und verhilft mir zu meiner friesischen Narkolepsie – Schlaf, Schlaf und nochmal Schlaf!

Ab in die Kult-Gummistiefel von Hunter und runter an den Sylter Strand: Beim Strandspaziergang ist unsere Kolumnistin Sue mal nicht umringt von Woolrich-Jackenträgern in klassischem Navy.

Am Karfreitag herrscht die Ruhe vor dem Sturm. Am Samstag wiederum ist bereits um 7 Uhr Hochbetrieb vor den Bäckereien: hier schmeckt das Brot wohl besonders gut – aber vor allem kann man schon mal checken, wer noch so da ist und sich wie "normale Leute" in die Schlange stellen und massenweise Brötchen kaufen. Der Talk an der Theke: "0039 Italy" eröffnet in List und die Besitzerin Aysen Bitzer ist mit ihrem Shop im Glück. Das erste Mal ohne High Heels unterwegs, hat sie sich dem Inselchic mit Ugg Boots und dickem Cashmere gekonnt angepasst.

Gefeiert wird mit Aysen Bitzer, die sich inseltypisch mit einem dicken Kaschmirpulli gekleidet hat, die Eröffnung ihres Shops "0039 italy" in List.

Überhaupt, Cashmere ist - neben Daune und Grundbesitz - die Inselwährung!

Auf der Whiskymeile in Kampen reihen sich die Stricklabel wie Maschen auf der Nadel und auch wirklich alle angesagten Luxus Brands haben sich in Stellung gebracht.

Da geht das Inselherz auf: Traumblick auf den Horizont hinterm Osterfeuer bei der "Buhne 16" in Kampen.

Ganz ohne Schickimicki: Trinkfeste Menschen hatten viel Spaß am Osterfeuer am Kampener Strand.

Beim Osterfeuer am Sonntag an der Buhne16 treffe ich meine Nachbarschaft aus Hamburg und fühle mich wie am Eppendorfer Baum.

Der Sonnenuntergang ist spektakulär und ich bin glücklich über den Horizont, es gibt Glüh- und Weißwein und die strammen Nordmänner stehen mit Bierflasche und Hunden am Feuer.

Kinder haben ihre nassen Socken ausgezogen und suchen die Wärme der Feuersbrunst.

Ich finde Sylt setzt auf Understatement – da können die Ferraris noch so arrogant daher röhren – eigentlich interessiert das hier niemanden. Und egal, wer oder was Du bist, hier an der Buhne bei Familie Behrens wird jeder gleich behandelt.

Sneakers-Parade und V-Neck-Cashmere-Pullis im Cliff

Am letzten Abend schaffe ich es dann doch fast pflichtschuldig (ich kann ja nicht nur schlafen) ins Cliff und staune, dass der Schuppen erst um 2 Uhr Nachts richtig voll wird. Die Kids hier (erst ab 18 Jahren) stechen nicht durch ihre besonders tollen Klamotten hervor, sondern mit ihren 3-Liter Flaschen Ciroc Wodka für 600 Euro. Aha, dafür geht also das Taschengeld drauf!

Sue mischt sich als Osterbunny unters Partyvolk im "Cliff" und hat das Gefühl, sich mitten in der Werbewelt von Ralph Lauren zu befinden. Ist aber auf Sylt, in der Nacht zum Ostermontag.

Die Mädels, meist in Skinny Jeans und "Brandy Melville"-Kluft scheinen alle "Let’s Dance"-Fans zu sein und überraschen mich mit heißem Paartanz. Superstar siegt eindeutig vor Stan Smith in der Sneaker-Parade und Hemd mit V-Neck-Cashmere-Pulli ist Pflicht bei den Jungs, wobei die Ärmel fast bis unter die Achseln hochgekrempelt sind.

Es geht viel zu hochanständig her und es herrscht eine Stimmung wie einst im Partykeller meiner Omi: Alt und Jung oder älter und jünger mischt sich betont lässig zu Ralph-Lauren-Ad-Clustern und es ist nicht ganz so peinlich, wenn plötzlich die Eltern auch noch aufkreuzen.

Die Musik hat sich auch nicht wirklich verändert, einzig der Remix verpasst den Gassenhauern einen modernen Look. Völlig inselbesoffen falle ich um 4 Uhr morgens ins Bett – den Strandlauf werde ich mir morgen sparen: Ich brauche meine Kräfte für das Einreihen in der Autokarawane zurück auf’s Festland!

Stay tuned,

eure Sue

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