Salvatore Ferragamo: Nah an den Stars

Berührungsängste kannte der Schuster Salvatore Ferragamo nicht, als er aus Italien nach Hollywood kam. Aus seinem Shop ist inzwischen ein Luxuslabel geworden.

Ferragamos Kreativchef Massimiliano Giornetti und Julianne Moore

Das "Industria Superstudio" ist eine eher nüchterne Event-Location im Meatpacking District. Für diese Nacht hat sie sich in Schale geworfen, wird zur glamourösen Kulisse, so als sollte hier ein großer Film gedreht werden: Das Luxuslabel Salvatore Ferragamo feiert "100 Jahre Ferragamo in Hollywood". An der Wand prangt der Neonschriftzug "Gancio Studios", angelehnt an den typischen kleinen Haken am Ferragamo-Kreationen, auf Italienisch „gancio“. Gleich am Eingang zieht ein roter Vintage-Alfa-Romeo die Blicke auf sich. Vor allem die der Frauen. Eine nach der anderen lässt sich im Speedster mit einer der Diven-Sonnenbrillen aus der neuen Signature Collection – direkt von einem pinkfarbenen Schminktisch stibitzt – ablichten. Gerade eben lächelte "Mission: Impossible"-Star Michelle Monaghan in die Kamera, jetzt Elettra Wiedemann, die Enkelin der legendären Filmgöttin Ingrid Bergman. Auch Julianne Moore ist da, Leinwandgöttin unserer Tage. Außerdem "Vogue"-Ikone Carine Roitfeld und Dree Hemingway aus dem Literaten- und Model-Clan. Ein paar der jüngeren Gäste lümmeln sich in samtige Kinosessel, während Hip-Hop-Mogul Russell Simmons mit Transgender- Queen Hari Nef plaudert. Die beiden genießen einen Negroni, den bitter-süßen italienischen Cocktail. Was für eine Nacht!

Von dieser Party wird man auch im feierverwöhnten New York noch lange schwärmen. Denn wenn Ferragamo einlädt, schwebt über der illustren Crowd immer a big touch of glam, und doch wirkt gleichzeitig alles so privat, fast intim, wie unter guten Freunden oder lieben Familienangehörigen. Die Konkurrenz fragt sich: Was ist das Ferragamo-Geheimnis?

Julia Roberts

Der "Pretty Woman"-Look steht ihr immer noch

Julia Roberts
Julia Roberts strahlt in ihrem Pünktchen-Look auf dem Veuve Clicquot Polo Classic in Los Angeles und erinnert damit an ihre Rolle in "Pretty Woman".
©Gala

Style und Nostalgie: Die aktuellen Accessoires inszenierte man in New York mit Familienfotos von Salvatore

Eigentlich ist es ganz einfach die Idee, den Spirit des Gründervaters in Ehren zu halten. Salvatore Ferragamo (1898–1960), dem Schuhmacher aus einem Dorf nahe Neapel, lag es in den Genen, den Famiglia-Faktor unaufgeregt der Fashion-Welt zu implantieren. Als er mit Mitte zwanzig von Italien nach Boston auswanderte und dann weiter Richtung Westen nach Kalifornien zog, kannte er keine Berührungsängste. Ganz bewusst im Dunstkreis der aufstrebenden Filmbranche eröffnete er seinen "Hollywood Boot Shop" für Maßanfertigungen. Seine Schuhe überzeugten, sein Typ kam an. Bald gehörten Marlene Dietrich und die Garbo zur Klientel. Um jeden Sonderwunsch kümmerte er sich in den folgenden Jahrzehnt Stilettos mit unterschiedlich hohen Absätzen. Das Sexsymbol hatte nämlich zwei minimal unterschiedlich lange Beine. Beim Maßnehmen und Anpassen der Schuhe wuselte Meister Ferragamo zu Füßen seiner Kundinnen, fürs Finetuning an Riemchen und Schnallen. Als Mensch jedoch begegnete er den Stars auf Augenhöhe. "Man muss sagen, dass er die Bedeutung Hollywoods früh erkannt hat und die aufstrebende Unterhaltungsindustrie richtig einschätzte", sagt Massimiliano Giornetti, heutiger Kreativdirektor des Hauses. "Salvatore hat Handwerk und Luxus auf eine moderne Weise zusammengeführt."

Salvatore Ferragamo lag den Frauen zu Füßen, wenn er die maßgefertigten Schuhe anpasste. Als Mensch begegnete er selbst den berühmtesten Kundinnen auf Augenhöhe

Giornetti ist aus Florenz angereist. Egal ob dieser Mann legere Outfits trägt – schmale Pullover, Bundfaltenhosen, Schuhe ohne Socken – oder ob er sich, wie für den großen New-York-Event, richtig aufbrezelt: Er scheint immer gerade einem Visconti-Film entsprungen zu sein und nicht dem Business-Stress. "Wir italienischen Männer arbeiten viel, aber wir haben immer auch Zeit für unser Wohlbefinden und die Familie", lautet seine Erklärung. Auch da fühlt er sich Salvatore eng verbunden. Die lässige Kontaktpflege zu Hollywoods A-Klasse ist für Massimiliano Giornetti ein angenehmer Teil des Jobs. "Wir haben eine Partnerschaft mit den Stars. Ich bin ernsthaft daran interessiert, wie sie leben. Wir reden über alles, und das fließt dann letztendlich in meine Entwürfe." Mit Ryan Gosling und Jake Gyllenhaal bespricht er die neuen Anzüge für die nächsten Premierenfeiern. Mit Oscar-Preisträgerin Julianne Moore, einem langjährigen Ferragamo-Fan, plaudert er während der Party besonders intensiv. Sie nascht dabei etwas Popcorn und macht am Ende noch ein Selfie mit Massimiliano. Nur ihm zuliebe. Normalerweise mag sie das gar nicht.

Schmuck und Sofia-Bag aus der neuen Signature Collection. Überall findet sich der "gancio", der typische Haken. An dem Armband ist er mit pinken Saphiren besetzt

Für den neuen Werbespot hat der Kreativchef Elettra Wiedemann engagiert, die Bergman-Enkelin und Isabella-Rossellini-Tochter. Im Clip sieht man Elettra nun mit Ethan Peck flirten, dem, Enkel von Gregory Peck, einem der berühmtesten Charakterköpfe Hollywoods. Allein auf die Vorfahren will sich the next generation jedoch nicht verlassen. Elettra betreibt einen Food-Blog in New York und wird bald ihr eigenes Kochbuch herausbringen. Ethan treibt seine Schauspielkarriere erfolgreich voran. Wie die schöne Elettra das Ferragamo-Feeling beschreiben würde? "In erster Line ist es diese Wärme. Bekanntschaften in der Modewelt sind meistens flüchtig – aber wenn ich die Ferragamos in Italien besuche, sind alle immer herzlich."

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