Salvatore Ferragamo: "Es geht nicht um in oder out"

Was ist das Erfolgsgeheimnis des Familienunternehmens Salvatore Ferragamo? "Gala" sprach mit James Ferragamo, dem Enkel des Gründers, über seinen visionären Großvater, seine resolute Großmutter

Demi Moore mit James Ferragmo, dem Enkel von Firmengründer Salvatore Ferragmo

Wir sind mitten in der Mailänder City. An der offenen Tür eines Gebäudes steht eine Gruppe durchtrainierter junger Männer in Jeans oder Karohosen. Ein attraktives Umfeld, denke ich. Und nett sind die Jungs auch noch. "Ferragamo?", fragt einer. Genau! "Nächste Tür", sagt er. "Hier ist der Angestellteneingang von Abercrombie & Fitch." Wenige Minuten später sitze ich im Büro von James Ferragamo, dem Enkel des Firmengründers Salvatore. Es duftet nach einem zitronigen Mainstream-Parfüm, das man hier nicht erwarten würde. Da muss ich gleich nachfragen.

Neue It-Teile: Die "Buckle Collection" mit Uhren und Sonnenbrillen im Spangen- Design sowie die "Fiamma"-Bag sind auch online erhältlich: www.ferragamo.com

Der Raumduft kommt mir irgendwie bekannt vor ...

Da sagen Sie was. (lacht) Unsere Nachbarn von Abercrombie beduften ihre Filiale sehr intensiv. Der Geruch zieht bis zu uns nach oben. Ihre Marke Salvatore Ferragamo läuft hervorragend. Ein Beweis dafür, dass man als Familienunternehmen in der Welt der Luxuskonzerne bestehen kann? Ja. Wir haben eine gute Verbindung gefunden: Auf der einen Seite gibt es die Familie, in der dritten Generation, auf der anderen Seite ein professionelles Management.

Wie wichtig ist Ihnen die Familie?

Schon sehr wichtig. Privat sowieso. Aber auch im Job gibt sie die Richtlinien vor.

Welche sind das?

Nehmen Sie meine Großmutter Wanda, die Frau von Salvatore. Sie ist 92 Jahre alt, aber noch jeden Tag im Office. Sie schaut sich alles an, prüft, ob die Fenster geputzt sind oder wie ein neues Produkt aussieht. Das ist ausdrücklich erwünscht. Schließlich hat sie meinen Großvater erlebt und mit ihm gearbeitet. Ich sage Ihnen, sie kann sehr resolut sein.

Vielleicht sollte Ihre Großmutter mal mit den Nachbarn über die Beduftung sprechen ...

Gute Idee. Aber um noch mal auf die Familie zu kommen: Natürlich kann so etwas auch anstrengend sein in der täglichen Arbeit. Schließlich hat jeder zu allem eine eigene Meinung.

Hält die Familie immer zusammen?

Schauen Sie: Mein Großvater war ein Ausnahmetalent. Ein Genie, wie es vielleicht nur eins unter einer Million Menschen gibt. Daher ist es gut, dass wir professionelle Manager haben. Sie schauen sich die Sachen weniger emotional an und bringen unsere Visionen wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.

Welche Rolle spielt die Geschichte des Hauses?

Mein Großvater war ein Innovator. Er hat Schuhe beispielsweise leichter gemacht und mit Materialien wie PVC gearbeitet. Das gab bis dahin noch nicht.

Neuentwicklungen gehören also zur DNA des Unternehmens?

Ja, absolut. Salvatore hat auch mit zeitgenössischen Künstlern zusammengearbeitet. Diese Tradition setzen wir fort. Trotzdem: Nur zurückzublicken schadet.

Wenn Sie eine Tasche kreieren, haben Sie dann immer vor Augen, dass einmal eine Ikone daraus werden soll?

Natürlich! Bei uns geht es aber nicht um in oder out. Wir müssen Relevanz schaffen. Schließlich wollen wir, dass unsere Kunden eine Menge Geld für unsere Produkte ausgeben. Im Unterschied zu Schuhen müssen Taschen eine gewisse Zeit überdauern. Sie werden sogar vererbt. Es darf also nicht zu modern sein, aber auch nicht zu normal.

Welche Rolle spielt das Ferragamo-Archiv?

Eine sehr große. Zu Beginn jeder Saison verbringen wir mit den Designern immer einige Tage an dem Ort. Dort bewahren wir immerhin 40.000 Paar Schuhe und mehrere Tausend Taschen auf.

Klingt nach einem Paradies!

Mein Vater hatte irgendwann keine Lust mehr darauf. Zum Glück konnten wir ihn davon abhalten, es zu schließen. Da hatte die Kraft der Familie auf jeden Fall ihr Gutes.

Laufsteg-Highlights: Das Zusammenspiel verschiedener Materialien und unterschiedlicher Proportionen ist die Spezialität von Massimiliano Giornetti, dem Kreativdirektor der Marke

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