Saint Laurent Paris: Düstere Zukunft?

Mit seiner neuen Kampagne krempelt Chefdesigner Hedi Slimane das Haus Yves Saint Laurent weiter um. Viele werten das als Affront gegen den Gründer - und liegen damit völlig falsch

Madame bewahrt die Contenance. Catherine Deneuve, Ikone des französischen Chic, verfolgt aus der ersten Reihe die Show von Saint Laurent Paris, schaut sich - scheinbar teilnahmslos - die blassen Models an, die in Netzstrumpfhosen, knappen Höschen und dicken Jacken über den Laufsteg schlunzen. Die Betonung liegt auf "scheinbar". Würde im Grand Palais kein Rauchverbot herrschen, sie hätte sich längst eine Zigarette angezündet. Zur Beruhigung. Mon dieu, Yves würde sich im Grabe umdrehen, wenn er wüsste, was dieser Flegel aus seinem Haus gemacht hat ...

Der Flegel steht nach der Show scheu im Backstage-Bereich herum und begrüßt die Gäste. Viel Lob bekommt von früheren Freunden und Freundinnen des Hauses allerdings nicht. "Ganz nette Kleider", presst die hervor. Dann ist sie verschwunden. Zu groß ist der Schock über all das, was , seit einem Jahr Kreativdirektor, mit der Marke macht. Zunächst änderte er den Namen von in Saint Laurent Paris. Dann verbannte er das legendäre YSL-Logo. Und nun lässt er auch noch alle Boutiquen umbauen.

Für "Music Project", die aktuelle Kampagne von Saint Laurent Paris, fotografierte Hedi Slimane gleich mehrere Rockstars. Hier ein Foto von Courtney Love mit Krone.

Von der früheren Eleganz, die die Marke Yves Saint Laurent in Frankreich zu einem Nationalheiligtum machte, ist nichts geblieben. Slimane versuchte erst gar nicht, das Haus sanft zu renovieren: Er riss einfach die Mauern ein und baut nun etwas Neues. Statt Seidentaft und Abendroben dominieren mittlerweile Leder und Minirock. Jetzt sorgt eine neue Anzeigenkampagne für Schnappatmung bei den klassischen Kundinnen. Slimane engagierte Rockstars wie und für die Motive. Und wieder wird heftig darüber diskutiert, was wohl der

Gründer dazu sagen würde.

Ganz ehrlich? Er wäre begeistert über die Radikalkur seines Nachfolgers! Denn was die meisten vergessen: Auch Yves Saint Laurent war mal ein Enfant terrible. In den Sechzigerjahren brüskierte er die feine Gesellschaft damit, dass er als Erster eine günstigere Designerlinie auf den Markt brachte, den Vorreiter des heutigen Prêtà-porter. Und auch er suchte die Nähe zu Rockstars, feierte mit ihnen wilde Partys, entwarf 1971 sogar die Outfits für die Hochzeit von Mick und in Saint-Tropez. So verstörend Hedi Slimanes Visionen heute auf den ersten Blick vielleicht wirken, so gut passen sie zur Historie der Marke.

Marilyn Manson ist das neue Gesicht der Männerlinie von Saint Laurent.

Yves galt und Hedi gilt als Wunderkind. Beide revolutionierten mit ihren Entwürfen die Modewelt. Yves Saint Laurent kreierte Kleider, etwa seine Mondrian-Entwürfe, die immer noch als wegweisend gelten. Er erfand den Damen-Smoking und warf damit alle gängigen Dresscodes über Bord. Hedi Slimane schuf in seiner Zeit als Designer bei Dior Homme, Anfang des neuen Jahrtausends, eine komplett neue Herrensilhouette. Dass Männer heute schmale Jeans tragen und dass Anzüge nicht mehr weit geschnitten sind, beruht auf seinen Ideen.

Da liegt die Prognose nahe, dass auch seine aktuelle Grunge-Optik bei Saint Laurent Paris zum Leitbild in der Mode werden dürfte. Vor allem wird er eine jüngere Klientel begeistern. Einzelhändler bestätigen, dass Slimanes neue Kollektion sich gut verkauft. Trotz saftig erhöhter Preise und des Size-Zero-Ideals. Typische Insignien des Labels wie etwa Leo-Prints oder auch Anleihen an den Damen-Smoking findet man wieder. Im Slimane-Style natürlich. Trendmagazine wie "Dazed & Confused", die früher nichts mit der Marke anfangen konnten, widmen ihrem Idol nun zahlreiche Artikel. Und auch , der langjährige Weggefährte von Yves Saint Laurent, glaubt an Slimane. "Ihn zu holen war die richtige Entscheidung", sagt der 82-Jährige. "Ich bin total begeistert von dem, was er tut und plant. Es ist genau das, was die Marke gebraucht hat!"

Nach "Gala"-Informationen hat sich Slimane vertraglich alle Freiheiten zusichern lassen. Es gibt keine Budgetbeschränkungen, er muss niemanden in seine Ideen einweihen, und der Franzose darf sogar von seiner Wahlheimat Los Angeles aus entwerfen. Gerade hat das Unternehmen ihm angeblich ein mehrere Millionen Dollar teures Haus in den Hollywood Hills gekauft, das er nun als Atelier nutzen kann, gleich neben seinem Wohnhaus. Und auch auf den vielen Flügen zwischen L. A. und Paris soll es ihm an nichts fehlen: Slimane fliegt ausschließlich First Class und darf seinen Boyfriend auf Firmenkosten mitnehmen. Wer so umsorgt wird, der kann auch eine erboste Deneuve verschmerzen.

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