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Raf Simons Eine neue Ära blüht auf


Der neue Dior-Designer Raf Simonsn zeigte seine erste Couturekollektion in Paris. Die Branche ist begeistert. Doch ausgerechnet im Haus Dior ist man skeptisch gegenüber dem "Neuen"

Wer die Last ermessen wollte,

die am Montagnachmittag gegen kurz nach halb vier von Raf Simons Schultern fiel, musste nur einmal in die erste Reihe seiner Premieren-Show bei Dior schauen.

Eingeflogene Prominente wie Fürstin Charlène von Monaco oder Hollywood-Star Sharon Stone saßen in den Räumen des Französisch- Portugiesischen Kulturzentrums, dazu die gesamte Mode-Elite, angeführt von Anna Wintour. Und selbst Designer-Kollegen wie Marc Jacobs, Alber Elbaz und Donatella Versace warteten gespannt, wie die erste Couture-Kollektion aussehen würde.

Anders sah sie aus, ganz anders, als man das zu Zeiten von John Galliano gewohnt war, der 2011 wegen antisemitischer Pöbeleien gefeuert wurde. Triumphal führte Simons das Haus damit in eine neue Ära. "Ich bin stolz auf ihn", sagte Marc Jacobs, der ebenfalls als Dior-Designer im Gespräch war, zu Gala. Simons, Meister des Minimalismus, startete die Show mit einem Hosen-Ensemble - bisher undenkbar bei Dior. Doch im Verlauf wurde immer deutlicher, in welche Richtung Simons die Marke drehen möchte. Er spielt mit den typischen Silhouetten, die Christian Dior in den Fünfzigern berühmt machte. Diese aber setzt er so pur um, dass sie visionär und tragbar zugleich sind.

Eine gelungene Premiere für einen Mann, der nach Gala-Informationen intern bei Dior heftig umstritten ist. Dior ist neben Chanel das französischste aller Couture-Häuser. Der scheue Raf Simons arbeitet also nun für ein Unternehmen, dessen Mitarbeiter stolz sind auf die Historie und jedes Wort des "Neuen" auf die Waagschale legen - und im Zweifel für schlecht befinden. "Er ist gelernter Möbeldesigner, der modisch mit Streetwear begann und dessen Handschrift eigentlich der Minimalismus ist", erläutert ein Mitarbeiter aus dem Atelier. "Dass er gleich mit Couture anfängt, empfinden viele als Beleidigung gegenüber Monsieur Dior!"

Simons hat zwar einige Mitarbeiter aus seinem früheren Team zu Dior geholt. Doch er nutzt auch das Knowhow älterer Schneider. "Er braucht diese Leute aus der alten Garde, die den Spirit und die Kniffe an ihn weitergeben", so ein enger Vertrauter. "Ansonsten ziehen sie ihm den Boden unter den Füßen weg."

Es ist ein Kampf zwischen Tradition und Moderne, in den sich Raf Simons begeben hat - und vieles spricht dafür, dass er ihn gewinnen wird. Ein Einzelkämpfer ist er jedenfalls nicht mehr. Er braucht sein Team genauso wie die Reaktionen des Publikums, der Moderedakteure und der Einkäufer der großen Modehäuser. "Es ist eine Frage von Respekt, dass man nicht einfach seinen Weg geht, ohne auf die Meinung anderer zu hören. Dieser Austausch ist essenziell wichtig. Ich mag nicht im Elfenbeinturm sitzen!", sagte er zu Gala, als er noch Kreativdirektor bei Jil Sander war. "Ich möchte das Rad der Mode weiterdrehen. Denn die Mode, die ich sehe, bringt mich nicht mehr zum Träumen."

Wie aber entstehen seine Ideen? "Inspiration ist wie das Meer. Sie spült etwas an - und im nächsten Moment wird es von etwas anderem weggetrieben. Der Tag, an dem ich diese Ideen nicht mehr wahrnehme, ist der Tag, an dem ich mit meiner Arbeit aufhören werde." Es sind diese reflektierenden Gedanken, die Raf Simons zu einem großen Designer machen - auf den alle bei Dior stolz sein können.

Begeisterte Front Row: L'Wren Scott (ganz l.), Anna Wintour (mit Sonnenbrille) und Suzy Menkes (ganz r.) applaudierten der neuen
Begeisterte Front Row: L'Wren Scott (ganz l.), Anna Wintour (mit Sonnenbrille) und Suzy Menkes (ganz r.) applaudierten der neuen Dior- Richtung. Der Saal war mit mehr alseiner Million Blüten dekoriert
© Reuters
gala.de


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