Pantone 2014: Shades of Purple

Ein Familienunternehmen an der US-Ostküste kürt den typischen Orchideenton zur It-Farbe – und alle lieben Radiant Orchid! Dahinter steckt das Prinzip Pantone

Bei Lila sehen viele rot, vor allem Männer. Diese These galt, bis in diesem Jahr Radiant Orchid in unser Leben trat! Die samtig weiche Vereinigung Von Violett, Fuchsia und Pink. Fifty Shades of Purple! Nüchtern ausgedrückt: die Nr. 18-3224 im berühmten Farbsystem der US-Firma Pantone. (Nicht zu verwechseln mit Panettone, der italienischen Kuchenspezialität …) Immer im Dezember verkündet Leatrice Eiseman, Chefpsychologin von Pantone, die kommende Trendfarbe – überall auf der Welt fiebern Designer diesem Tag entgegen wie die Filmwelt der Oscar-Nacht. "Auch kreative Menschen brauchen Orientierung, ansonsten stehen sie plötzlich allein auf weiter Flur", sagt Peter Bug, Professor für Textil und Design an der renommierten Hochschule Reutlingen. "Und wenn Pantone sagt, es geht in diese oder jene Richtung, ist das meist eine self-fulfilling prophecy."

Handycase im Pantone-Design: klare Farbe, unaufgeregter Schriftzug. Farb-Stoffstreifen in Radiant Orchid.

Wie sehr die Farb-Gurus aus Carlstadt, New Jersey, mit ihrer "Farbe des Jahres 2014" den Nerv treffen, sieht man auf den Catwalks. Vom Lagen-Mini der Britin Alice Temperley über das Printfeuerwerk bei Mary Katrantzou bis zur Max-Marafashion Eleganz: Der kommende Sommer strahlt wie ein Bouquet aus Orchideen.

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©Gala

Die Anfänge der Institution Pantone liegen ein halbes Jahrhundert zurück. Lawrence Herbert, als Chemiker bei dem damals winzigen Farbkarten-Produzenten angestellt, kaufte die Firma 1962, um seine Vision zu verwirklichen. Andere sagen: um eine geniale Marketing-Idee umzusetzen. Er schuf eine universelle Farbsprache, das "Pantone Matching System". Aus wenigen Grundfarben wurden Hunderte Nuancen gemischt – jede bekam eine Kennzahl inklusive exakter Rezeptur. Ein Farbfächer, bei Pantone für gutes Geld zu erwerben, schaffte den Überblick. Wollten sich nun zum Beispiel zwei Designer in Europa und Amerika über einen Farbton verständigen, sprachen sie nicht mehr von Aquamarin oder Ocker – sie nannten die Kennzahl. Ob es heute um das Grün einer Coffeeshop-Kette geht, das Blau der Uno oder das Pink eines bestimmten Pencilskirts: Alles hat seine Zahl.

Reese Witherspoon kürzlich in L. A.: Sie trägt zum pinken Pulli Weiß und Schwarz. Modemutige kombinieren den Komplett-Look: Outfit plus Accessoires in Radiant Orchid

Pantone wurde dadurch Kult. Das Unternehmen verdient heute nicht nur an Lizenzgebühren für Spezialfarben, sondern an einer ganzen Lifestyle-Welt. Das monochrome Design mit dem schlichten Schriftzug verkauft sich auf Tassen und Handycases, Blumentöpfen und Klappstühlen. In Brüssel gibt es ein Pantone-Hotel. Weitere sollen folgen, wie die Tochter von Lawrence Herbert ankündigte, die mittlerweile mit ihren Geschwistern in der Firma arbeitet.

Die Schlüsselfigur in der Außenwirkung aber ist Leatrice Eiseman, Chefin des Pantone Color Institute, Erfinderin der "Farbe des Jahres". "Die Idee dazu kam mir kurz vor der Jahrtausendwende", sagt sie "Gala". "Es fühlte sich einfach gut an, mit etwas Neuem in diese neue Zeit zu starten." Nun schwärmen ständig Trendscouts für sie aus, schauen sich in der Kunst- und Sportszene um, bei Bloggern und Youtube, bei der Mode- und Möbel-Avantgarde, in Clubs, an angesagten Reisezielen. Überall können Ideen stecken. "Dass die Entscheidungsfindung etwas Geheimnisvolles hat, macht einen zusätzlichen Reiz aus", sagt Prof. Bug.

Manchmal verschwimmen Ursache und Wirkung. Michelle Obama, Reese Witherspoon oder auch Herzogin Catherine trugen bereits 2013 den Ikonen vorab etwa mehr? Oder lieferten sie die Inspiration? Leatrice Eiseman versichert, die Geheimhaltung funktioniere zu hundert Prozent.

Ihr Lebensthema ist ihr einfach zu wichtig, um zu mauscheln – die Liebe zu den Farben wurde ihr in die Wiege gelegt. "Beim Frühjahrsputz strich meine Mutter jedesmal alle Zimmer in einem neuen Ton", erzählt sie. "Sie malte sogar das Klavier und den Toaster an. Wir Kinder durften uns in unseren Zimmern austoben." Bis heute wohnt Leatrice Eiseman farbenfroh. Und in ihrem Büro stehen für ihre Besucher viele bunte Pantone-Klappstühle.

Bleibt die Frage nach den Männern und Lila. "Heute dürfen Männer diese Töne nicht nur mögen, sondern auch tragen", sagt Trendsetterin Eiseman. "Sie können ja klein anfangen, zum Beispiel mit Schuhen." Ihr Tipp: Suede- Tassel-Loafer von Magnanni. Samtig weich und natürlich in Radiant Orchid.

Leatrice Eiseman

Von der Chefin des Pantone Color Institute, einer Psychologin, stammt die Idee zur "Farbe des Jahres". Es begann im Jahr 2000 mit Cerulean Blue, einem Himmelblau, ging über Tiger Lilly, Tangerine Tango und Emerald, das Smaragdgrün von 2013, bis nun zu Radiant Orchid. Leatrice Eiseman glaubt fest an die Macht der Farben. "Ob ein Kleidungsstück gefällt, liegt zu 50 Prozent an der Farbe", sagt sie, "denn Farbe ist Emotion. Die anderen 50 Prozent verteilen sich auf die Haptik und die Silhouette."

Jede Pantone-Farbe hat eine Kennzahl, viele bekommen dazu noch eine blumige Beschreibung von Leatrice Eiseman. Über Radiant Orchid sagt sie: "Es entfacht die Fantasie und strahlt Freude und Liebe aus"

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