So Sue: Paris trägt, was Trend wird

Was trägt Paris, was wird morgen Trend? Unsere Kolumnistin Sue Giers trotzte Wind und Wetter, um für Sie während der Fashion Week spannende Neuheiten zu entdecken

So Sue

Paris begrüßte mich mit einem dramatischen Valentino-blauen Himmel. Wohl ein Vorzeichen auf die folgenden Tage, die mich mit apokalyptischen Regengüssen begleiten sollten.

Den Trench im Gepäck und ohnehin mit einer Naturkrause ausgestattet begann ich meinen Pariser Messe- und Showroom-Parcours relativ gelassen jeglichen Regen- und Windböen trotzend, schließlich lebe ich in Hamburg!

Ganz anders als Prinz Harry

Deshalb wirkte Herzogin Meghan so zurückhaltend

Herzogin Meghan
Herzogin Meghan wirkte in London ungewöhnlich zurückhaltend. Während ihr Ehemann, Prinz Harry, den Fans zuwinkte, beließ Meghan es bei einem Lächeln in Richtung der Wartenden. Der Grund dafür ist aber verständlich: Meghan versuchte ihre 2.000 Euro Garderobe zu retten.
©Gala

Paris ist selbst bei Regen wunderschön; die dann spiegelglatten Trottoirs reflektieren das Licht und man fühlt sich gleich wie in einer Fotografie von Robert Doisneau. Und Paris in Schwarzweiß ist ein cooler Kontrast zu der teilweise recht knalligen Mode für den nächsten Winter.

Fashion Week Paris

Ein Tête-à-Tête mit den Trends

Das nennen wir mal eine hochkarätige Front Row: Michelle Williams, Catherine Deneuve, Jennifer Connelly, Justin Theroux und Lea Seydoux haben bei Louis Vuitton freie Sicht auf den Laufsteg.
Schauspielerin Michelle Williams kommt in einem coolen Lederkleid zur Schau von Louis Vuitton.
Auf den rockigen Look setzt auch Schauspieler Justin Theroux, der leider ohne seine Jennifer (Aniston) nach Paris kam.
"Game of Thrones"-Star Sophie Turner folgt dem Beispiel von Michelle Williams und Justin Theroux und entscheidet sich ebenfalls für Leder. 

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Farbe, Farbe für alle!

Allen voran natürlich wieder der Belgier Dries Van Noten, der in seiner 100. Show kräftig sein Archiv bemüht hat, um nochmal die Bestseller der vergangenen Jahre neu aufleben zu lassen. Da war es nur konsequent, auch seine Lieblings-Mannequins, die schon in den Neunziger Jahren für Dries modelten, über den Laufsteg zu schicken. Das zeigt Treue und Loyalität und reflektiert auch auf die Kundin.

„Diversity“ ist Trend und jeder Designer hat das auf seine Art und Weise umgesetzt. Nicolas Ghesquière mit der Wahl seiner Location: Keine geringere Stage als der Louvre selbst (mit all seinen internationalen Kunsteinflüssen) war Schauplatz seiner Kollektion. Sein Statement: Wir wollen keine Grenzen innerhalb der Menschheit. Die Mode (ähnlich wie bei Valentino) ist sehr streetstylig und lässig. Models mit wenig Make-up, wuscheligen Haare à la Parisienne, Bikerboots und Fake Fur beherrschen den Runway. Gefällig, einzelteilig und gut zu kombinieren.

Trotzdem geht es wohl nicht darum mit einer (Chanel)-Rakete, die fast durch die Decke abhebt, zu glänzen. Das Tamtam, die „Ah’s“ und „Oh’s“ verpuffen rasch – in den unsicheren Zeiten des Strukturwandels möchte nicht geprotzt werden, vielmehr geht es darum, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Etwa wie Phoebe Philos coole Zweiteiler für die moderne Business-Frau oder Clare Waight Keller, die nach sechs Jahren bei Chloé mit einer gewohnt lässigen Show Abschied feiert. Da haben auch die super kurzen Sixties-Kleider im Stil Marianne Faithfulls nur für kurze Irritationen gesorgt. Aber auch kleine Shows wie die von Rodarte, bei der die Schwester, Kate und Laura Mulleavy eine kleine und intime Präsentation ihrer Glitzerkleider wählten, hinterließen nicht nur wegen der Musik von Leonard Cohen und Joni Mitchell einen einschneidenden und bleibenden Eindruck.

Modeleidenschaft geht unter die Haut

Tattookünstler Jonboy kann dem Andrang kaum gerecht werden.

Diversität – auf den Shows aber auch auf den Straßen. Mein Auge kann sich während des Pariser Moderummels nicht sattsehen an den über-modisch gekleideten Menschen jeglicher Couleur. Es ist die Saison des Glenchecks, der übergroßen Outdoor-Mäntel, der weißen High-Heels und weiten Hosen mit hohem Bund.

Bei Colette, dem Kaufhaus-Mekka der Fashionistas, herrscht Ausnahmezustand und Schlangen von der Rue Saint-Hoinoré bis an die Rue Rivoli entstehen. Warum? Weil Jonboy, ein super hipper Tattoo-Künstler aus New York, an diesem Tag Buchstaben in die Haut sticht – for free! Dazu gibt es Champagner satt . Das Zeug wirkt und als echtes Denimgirl kaufe ich eine Girlfriend-Jeans - pünktlich zum Weltfrauentag - und verzichte tapfer darauf, mir „Love, Peace or Happinezz“ auf den Arm oder Po nadeln zu lassen.

Und natürlich möchte ich so einen Blaumann wie bei Valentino auf der Show gesehen besitzen. Meine Freundin Yvonne hat auch so einen perfekt-blauen Onesie, leider aber Vintage von Romeo Gigli. Sie gibt mir den Tipp, es bei Killiwatch in der Rue Tiquetonne zu versuchen. Immerhin verknalle ich mich bei Odeeh in ein azurblaues Doubleface- Shirt-Jackett und meine Order für den nächsten Herbst hat jetzt so viele Blautöne wie der Pariser Himmel. Allez les bleus!

Stay tuned,

eure Sue

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