Marc Jacobs "Wichtig ist der Erfolg"

Marc Jacobs
© PR/Florian Seefried
Als Jurypräsident des "Designer for Tomorrow"-Awards unterstützt Marc Jacobs jetzt junge Modemacher. "Gala" sprach mit dem Star-Designer über wahre Talente und falsche Hoffnungen

Bereits zwei Tage zuvor überschlagen sich die Posts bei Facebook

. "Lag neben IHM am Pool vom 'Soho House'." Oder: "ER fuhr gerade mit mir im Aufzug." Keine Frage: Der Besuch von Über-Designer Marc Jacobs in Berlin sorgte für Begeisterung. Gekommen war er in seiner Position als Jurypräsident des "Designer for Tomorrow"-Awards von Peek & Cloppenburg Düsseldorf. Er setzte sich mit den fünf Finalisten auseinander und verschaffte sich einen Eindruck über deren Arbeiten. Die fertigen Kollektionen werden die Talente im Rahmen der Mercedes-Benz Fashion Week präsentieren. Auch dann ist Marc Jacobs wieder dabei. "Gala"-Modechef Marcus Luft, ebenfalls Mitglied der Jury, traf den bestens gelaunten Designer zum Gedankenaustausch.

Viele Jungdesigner folgen nur ihren Visionen und schaffen so Kollektionen fernab jeder Realität, also Tragbarkeit. Was können Nachwuchs-Modemacher da von Ihnen lernen?

Für mich ist der kommerzielle Erfolg wahnsinnig wichtig. Vielleicht liegt es daran, dass ich Amerikaner bin und daher eine sehr bodenständige Haltung zur Mode habe. Natürlich geht es mir in erster Linie darum, Dinge nach meinen Vorstellungen zu entwerfen. Aber ich möchte auch, dass andere daran Freude haben. Es bringt ja nichts, wenn meine Mode nur mir gefällt. Deshalb habe ich auch kein Problem damit, Kompromisse einzugehen. Denn sonst hätte ich früher oder später ein ganz anderes Problem: Ich wäre erfolglos und könnte überhaupt nicht mehr das tun, was mir Spaß macht.

Ein Modedesigner ist eben kein Künstler, oder?

Aber sie haben doch die gleichen Probleme. Ein Künstler braucht eine Galerie. Die Gallerie braucht Sammler, die die Werke kaufen. So gesehen gibt es keine Unterschiede zwischen Modedesignern, Künstlern, Schauspielern oder Musikern. Wir alle brauchen ein Publikum.

Zwei Tage nahm sich Marc Jacobs Zeit, um die Jungdesigner (hier Jonathan Christoper Hofwegen) in Berlin kennenzulernen.
Zwei Tage nahm sich Marc Jacobs Zeit, um die Jungdesigner (hier Jonathan Christoper Hofwegen) in Berlin kennenzulernen.
© PR/Florian Seefried

Als wir uns das letzte Mal nach einer Show von Louis Vuitton trafen, sagten Sie, dass Ihre Mode niemals …

… im Museum hängen sollte. Mein Gott, wie oft ich das sage und mich wiederhole! Aber zum Glück haben Sie es diesmal gesagt. Ich war vergangene Woche in New York in der Ausstellung über Alexander McQueen. Die Kleider sind wirklich außergewöhnlich und beeindruckend. Sie stehen den Arbeiten eines Künstlers in nichts nach. Aber auch Alexander McQueen hatte eine praktische Seite. Er war sehr am Erfolg seiner viel tragbareren Zweitkollektion interessiert. Weil er wusste: Ohne das eine ist das andere nicht möglich.

Aber genau das ist doch die Schwierigkeit für junge Talente heutzutage.

Sie haben recht: Heute geht es eher darum zu überlegen, was die Menschen haben wollen. Und nicht darum, was man selbst gern hätte, das andere es haben möchten. Aber machen wir uns nichts vor. Designer, auch wenn sie noch so tragbare Kollektionen entwerfen, arbeiten nicht für die Masse. Sie werden von einer winzigen Elite, die sich für Designermode interessiert, verstanden - und gekauft. Was wir als tragbar verstehen, definieren andere als Avantgarde. Ich sehe jedenfalls niemanden auf der Straße, der verrückte Hüte vom Laufsteg trägt.

Marc Jacobs lässt sich vom "Designer for Tomorrow"-Finalisten Marc Buscha seine Kollektion erklären.
Marc Jacobs lässt sich vom "Designer for Tomorrow"-Finalisten Marc Buscha seine Kollektion erklären.
© PR/Florian Seefried
gala.de


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