Latex, Lack + Leder: Verstehen Sie den Domina-Look?

Dieser Herbst wird, nun ja, speziell. Denn wenn es nach den Desig­nern g­eht, halten Latex, Lack und Leder Einzug­ in unseren Alltag­

Domina-Look

"Lockit"-Clutch von Louis Vuitton, ca. 10 000 Euro

Es geht heiss her

Transparenz und Spitze läuteten vor Jahren schon den sexy Look ein. Was damals noch als biedere Eleganz galt, wird heute mit offensivem Sex-Appeal gepaart und ergibt so den spannungsreichsten Kontrast der Saison, nämlich Sittsamkeit vs. Provokation. Der Fetisch-Look fristet nicht länger sein Dasein im stillen Kämmerlein. Oh nein, es werden harte Geschütze aufgefahren wie Brustgeschirr und Handschellen. Doch was klingt wie eine Sadomaso-Ausrüstung, ist in Wahrheit der Look der diesjährigen Herbst/Winter-Schauen von Givenchy, Louis Vuitton & Co. "Fetisch hat auch eine positive Seite", erklärt Marc Jacobs den bizarren Trend. "Als spezielle Form der Konzentration auf eine bestimmte Sache oder Obsession, die viel Hingabe und Disziplin verlangt", so der Louis-Vuitton-Chefdesigner. Highlight seiner Kollektion: eine moderne Version der "Lockit Bag“ von 1958, mit Handschelle zum Ja-nur-nicht-Verlieren.

Herzogin Meghan

Sie unterstützt ihr Herzensprojekt

Herzogin Meghan
Herzogin Meghan erschien zu einem Charity-Termin in einer Londoner Bäckerei in dunkler Jeans, einer schlichten Bluse und Turnschuhen. So leger wie ihr Outfit auch der Umgang mit den Mitarbeiterinnen der Bäckerei.
©Gala

Angelina Jolie mit der grandiosen Anti-Klau-Handtasche "Lockit PM Devotion" von Louis Vuitton.

Fetisch wird salonfähig

Schon immer hat Sexualität die Kunst inspiriert - die Welt der Mode ist da keine Ausnahme. Bis Mitte der Sechzigerjahre existierte die "verruchte" Bilderwelt des Sadomaso jedoch nur in Sexmagazinen; Fetischmode gab es so gut wie nicht zu kaufen. Die anschließende sexuelle Revolution lockerte nicht nur die Liebe, sondern auch den Dresscode. Selbst hohe Lacklederstiefel - bis dato Dominas vorbehalten - wurden salonfähig und sogar in Kaufhäusern angeboten. Ende der Siebzigerjahre provozierte dann die Punkbewegung mit ihrem Rotzlöffel-Look aus Leder, Nieten, Stachel-Halsbändern und zerrissenen Netzstrumpfhosen.

Top oder Flop?

Die Models stolzieren mit ellenlangen Lackhandschuhen über den Catwalk und zeigen viel Haut zwischen Brustgeschirr und Korsage. Was in Paris funktioniert, kann in Paderborn floppen. Denn der Domina-Look ist definitiv nichts für Styling-Amateure! Fetisch-Fashion-Fans sollten sich lieber bei Accessoires austoben, als mit professionell gestylten Models zu konkurrieren. Kleine Masken als Haarschmuck oder Handschellen-Ohrringe geben der Fantasie genügend Impulse...

Die Stil-Ikonen

1961 erschien Diana Rigg als Emma Peel in der Fernsehserie "Mit Schirm, Charme und Melone". Ihre Latex-Kampfanzüge sind legendär. Ein weiterer Name, der hier nicht fehlen darf: Vivienne Westwood! Die Designerin gestaltete 1974 ihren Londoner Laden in eine Sexboutique um und trug selbst Bondage-Kleidung. 1990 erhitzte Madonna mit ihrem Album "Erotica" weltweit die Gemüter – eine als Domina gestylte, peitschenschwingende Sängerin war des Guten dann doch zu viel. Lady Gaga und Rihanna stehen ihrer Kollegin heute in nichts nach. Auch ihre Outfits sprühen vor Provokation. Aber wie schon Bob Dylan sang: "The Times They Are A-Changin'!"

Als Bühnenoutfit längst keine Provokation mehr. Lady Gaga und Katy Perry kokettieren schon lange mit dem Domina-Look

Dresscode

Für Fetisch-Fashion-Anfänger gilt: Hände weg vom Komplett-Look! Tagsüber einfach Lederleggings, Spitzentop und Blazer kombinieren. Abends Chiffonbluse mit Bubikragen plus schlichtem Midi-Rock und Lack-Schnürstiefeln. Das wirkt sexy, aber nicht billig. Geübte greifen zu durchscheinenden Blusen (notfalls mit nudefarbenem Top darunter) und Uniform-Mützen, die verleihen auf Anhieb Strenge. Doch die wichtigste Regel für den Fetisch-Look lautet: Spielerisch umgehen mit Korsagen & Co. Schließlich ist noch keine Domina vom Himmel gefallen!

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