Kolumne: Fashion Friday : Ein Hoch auf das Fashion-Selfie

Ideal für alle Fashionistas mit klaren Shopping-Zielen und wenig Zeit: Style-Beratung im Zeitalter von WhatsApp, Snapchat und Instagram

Wenn es um ausgedehnte Shopping-Touren geht, erfülle ich das gängige Klischee eines Mannes: stundenlanges Schlendern von Store zu Store treibt mich schlicht und ergreifend in den Wahnsinn. Mein Kleiderschrank wird mit System aufgefüllt.

Fehlkäufe? Fehlanzeige!

Step 1: - Zuerst schaffe ich eine Grundlage durch eine ausführliche Online-Recherche. Was ist in den Stores? Was kommt für mich in Frage?

Lilly Becker + Alessandra Meyer-Wölden

Wiesn-Fitting für das teuerste Dirndl der Welt

Lilly Becker und Alessandra Meyer-Wölden mit Gala.de-Redakteurin Jolla
Alessandra Meyer-Wölden und Lilly Becker sind trotz des gleichen Ex-Partners Freundinnen geworden und teilen sich sogar die Liebe zu hochklassigen Dirndln.
©Gala

Step 2: - Danach ziehe ich mit festen (Fashion-)Punkten auf der To-Do-Liste los und in den meisten Fällen komme ich tatsächlich nur mit dem zurück, was ich auch wirklich brauche. Ausnahmen bestätigen die Regel, denn wer kann bei 50% Summer-Sale schon Standhaft bleiben?

Step 3: Ab in den Store, den potentiellen Garderoben-Zuwachs von der Kleiderstange fischen und ohne Umwege eine freie Umkleide ansteuern.

Step 4: In der Kabine angekommen, läuft die Zeit. Zum einen werde ich von dem Gefühl übermannt, das sorgfältig ausgewählte Kleidungsstück erstmals live in Action zu sehen, zum anderen erweckt man nach spätestens 10 Minuten mit weniger als drei Teilen in der Kabine den Anschein, man wolle sich verschanzen. #thepresureison

Liebe Grüße aus der Umkleidekabine

Step 5: Kaufen oder nicht kaufen? Das ist hier die Frage. Auch wenn ich gerne alleine losziehe, von Zeit zu Zeit brauche auch ich beim Shoppen einen ehrlich gemeinten Ratschlag. In diesem Fall bringe ich mein Smartphone in Position, posiere möglichst vorteilhaft vor dem Spiegel und knipse ein Selfie.

Posing-Ticks

Stars im Foto-Rausch

Leicht bekleidet scheint sich Kim Kardashian am wohlsten zu fühlen: Immer wieder teilt sie auf ihrem Instagram-Account Fotos, die sie halbnackt im Spiegel zeigen. Obwohl sie sich immer wieder Photoshop-Anschuldigungen anhören muss, ist auch ihre Pose besonders auffällig. Die Brust streckt sie nach vorne, das Becken ist leicht zur Seite gekippt und die Arme sind in Aktion. 
Die Beine sind mal überkreuzt, mal nebeneinander aufgestellt. Das Körperteil, das die Familie so berühmt machte, streckt der Reality-Star gekonnt nach hinten. Diese Pose lässt ihre Brüste größer und ihre Taille schmaler wirken. Durch die eng angelegten Arme zaubert sich die Dreifach-Mama eine tolle Silhouette. 
Im Hohlkreuz stehend, wirkt der Bauch von Kim besonders flach und definiert. Das Höschen zieht sich die 37-Jährige weit über die Hüften, sodass ihre Beine länger und ihre Taille schmaler wirkt. 
Fakt ist: Die Frau von Rapper Kanye West weiß genau, wie sie zu Posen hat, um sich bestmöglich in Szene zu setzen. Ob bei den tollen Kurven von Kim Kardashian außer guten Posing-Ticks auch noch andere Faktoren eine Rolle spielen, ist ein anderes Thema. 

70

Als erstes steuere ich ausgewählte Kontakte bei WhatsApp an - gute Freunde, die meinen Stil und meine Launen kennen, oder meine Kollegen alias Fashion-Experten aus der Redaktion. Falls die Antwort auf sich warten lässt, bombardiere ich meine gesamte Kontaktliste auf Snapchat. Nicht gerade der eleganteste Weg um Aufmerksamkeit zu generieren aber meist effektiv. 

Bling! Die erste Antwort:  

Wie teuer? | Ich: 90 | Zeig mal von hinten | Ich: Zu kurz? | Nö. Do it! #gekauft 

Wenn ich ehrlich bin, will ich im Grunde nur eine positive Kaufbestätigung, die meinen eher negativen Kontostand aus meinem Hinterkopf verdrängt. Deshalb ziehe ich meine Mutter auf meinen Shopping-Touren beispielsweise eher selten zu Rate. Fragen wie: „Kann man diesen Gucci-Hoody denn auch in die Waschmaschine stecken“ – kosten nur unnötig Zeit.

Sind wir nicht alle ein bisschen Influencer?

Bei schlechtem Empfang oder keiner befriedigenden Antwort, kann man das Selfie zumindest zu den Akten legen und den Kauf bis auf weiteres verschieben. Im besten Fall springt dabei sogar ein stylischer Instagram-Post raus. #ootd

Falls Sie meinem Shopping-Sytem an dieser Stelle noch kritisch gegenüber stehen sollten, wird Sie folgender Punkt garantiert überzeugen: Meine Fehlkäufe haben sich durch das Feedback meiner Social-Community um 90% verringert. Glauben Sie mir, ich habe nachgezählt. Die ungetragenen Kleidungsstücke in meinem Schrank, an denen sogar noch ein Etikett hängt, sind in den letzten Jahren nicht mehr geworden.

Shopping is Business! Und wenn es um neue Tops, Schuhe, Taschen und Co. geht, schlummert doch in uns allen eine kleine Caro Daur – oder? 



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