Keira Knightley: Auf ein Gespräch mit Keira Knightley

Im April kommt sie mit einem Sci-Fi-Drama ins Kino, mit uns plauderte sie über Mode und ihre Macken

Irgendwie macht sie immer eine gute Figur:

Ob auf der Kinoleinwand, auf der Theaterbühne für "The Children's Hour" oder aktuell als Testimonial für den Duft "Chanel Mademoiselle", den sie als eine Art Superwoman in einem beigen Catsuit präsentiert - Keira Knightley ist ein echtes Allround-Talent. Im Interview mit GalaStyle verriet die Schauspielerin, dass sie trotzdem manchmal an sich zweifelt.

Sie spielen in Ihrem neuen Film eine Organspenderin und sollen in erster Linie krank aussehen. Keine gute Gelegenheit für einen schillernden Leinwandauftritt ...

Ganz ehrlich? Auf der Leinwand sehe ich beschissen aus. Da musste ich mal alle Eitelkeit über Bord werfen. Und das hat mir gutgetan. Damit ich besonders elend aussehe, hat man mich sogar grün geschminkt.

Zum Ausgleich werben Sie gerade wieder ganz groß für Parfüm. Wie eitel sind Sie eigentlich?

Natürlich bin ich auch eitel. Aber genau diese Eitelkeit kann für Schauspielerinnen sehr gefährlich sein. Es macht einfach Spaß, mal überhaupt nicht darüber nachzudenken, wie ich später aussehe. Dieses befreiende Gefühl empfinde ich auch bei den Fotoshootings für Modekampagnen. Obwohl ich mir die fertigen Bilder selten anschaue - ich sehe mich nicht gerne auf Fotos oder der Leinwand.

Keira Knightley wirbt für "Coco Mademoiselle", den Duft von Chanel.

Wenn sämtliche Busse in London mit Ihrem überlebensgroßen Bild gepflastert sind, lässt sich das wohl kaum vermeiden.

Das bin ich ja nicht auf den Fotos. Für jede Produktion erfinde ich eine Rolle, ich denke mir sogar Lebensgeschichten zu diesen Frauen aus. Meine ganz persönliche Chanel-Fantasie. Ich selbst bin ganz anders. Und wenn ich mich irgendwo im Spiegel sehe, denke ich immer: Wer ist diese Person?

Sie gelten als Perfektionistin. Waren Sie schon immer so besessen?

Schon in der Schule. Ich war klein, hatte kurze Haare, eine dicke Brille, saß in der ersten Reihe und habe mich ständig gemeldet. Ich habe so eine manische, obsessive Ader. Ich weiß gar nicht, wie man etwas mit weniger als 150 Prozent Einsatz machen kann. Vielleicht sollte ich mal über eine Therapie nachdenken ...(lacht). Aber ich kenne es eben nicht anders. Mit sieben Jahren stand ich zum ersten Mal vor der Kamera. Meine Eltern sind beide Schauspieler. Ich bin mit anderen Besessenen aufgewachsen. Deswegen kommt es mir nicht absonderlich vor. Im Moment mache ich eigentlich nichts anderes als früher. Nur öfter und in größerem Stil. Und ich weiß sehr genau, ich werde irgendwann wieder weg vom Fenster sein. Deswegen gebe ich jetzt alles, bis es vorbei ist.

Wie erleben Sie als elegante Londonerin die Traumfabrik an der amerikanischen Westküste?

Als ich vor Jahren zum ersten Mal dort war, fand ich Los Angeles sehr seltsam. Alle Frauen sind dünn. Und wenn sie nicht dünn sind, wollen sie dünn werden. Diese ganze Stadt ist auf Illusionen und Äußerlichkeiten konzentriert. Es ist die Traumfabrik. Und die meisten Menschen verdienen ihr Geld damit, Träume zu verkaufen. So wird die Realität häufig ausgeblendet. Und man muss eine sehr gefestigte Persönlichkeit sein, um nicht in diese Falle zu tappen. Wenn man erst einmal da ist, ist alles sehr verführerisch. Und plötzlich will man auch blond und dünn sein, sich die Brüste und die Lippen machen lassen. Als junger Mensch bist du nicht stark genug, um all dem zu widerstehen. Alleine wäre ich dort verloren gewesen.

Warum?

Ich bin ein williges Opfer für jeden Trend. Lassen Sie mich vier Wochen alleine dort leben und ich werde mir die Haare blond färben ...(lacht).

Wofür geben Sie Ihr Geld am liebsten aus?

Wenn es ein Kleidungsstück gibt, für das ich eine gewisse Leidenschaft entwickelt habe, dann sind es Schuhe. Normalerweise bin ich eher sparsam. Aber Schuhe sind meine kleine Schwäche. Ich lese irrsinnig gerne Modemagazine, bin aber eine schlechte Shopperin. Ich finde nie auf Anhieb, was ich will, und dann werde ich schnell ungeduldig. Zum Glück habe ich ein paar Freundinnen, die echte Profishopperinnen sind. Die wissen dann, wo man das findet, was ich mir vorstelle. Ich persönlich fühle mich oft schlecht angezogen, weil ich meine Ideen nicht so richtig umsetzen kann. Aber egal - wozu hat man denn beste Freundinnen?

Jetzt untertreiben Sie aber.

Nein, ehrlich. Ich fühle mich absolut unperfekt. Und das ist auch ganz gut so. Ich finde, Schauspielerinnen sollen keine Supermodels sein, sondern ganz normale Frauen. Das macht eine Geschichte doch erst spannend, wenn ich mich mit der Figur identifizieren kann und nicht das Gefühl habe, diese Frau kommt sowieso von einem anderen Stern. Besonders dann, wenn sie sich beim Chirurgen alle die gleiche Nase machen lassen. Das habe ich ohnehin nie verstanden. Gerade als Filmschauspielerin muss ich doch feinste Nuancen mit meinem Gesicht ausdrücken können. Und das in Nahaufnahme. Wenn sich da aber nach diversen Botox-Behandlungen nichts mehr bewegt, könnte das schwierig werden. Wenn es jemandem zu seinem Glück fehlt, soll er sich operieren lassen. Mich würde es nicht glücklich machen.

Alle Welt schwärmt von Ihrer Schönheit. Was denken Sie, wenn Sie sich auf der Leinwand sehen?

Ich finde mich schrecklich! Weil ich immer nur meine Fehler sehe. Oder ich erinnere mich daran, was ich damals in speziellen Szenen gedacht habe. Das ist richtig nervtötend. Die einzigen Filme, die ich ein bisschen genießen kann, sind die, in denen ich eine Nebenrolle spiele. Da gibt es genügend Passagen ohne mich.

Obwohl Sie sich modisch für ziemlich unperfekt halten, gelten Sie als Stil-Ikone. Sind Sie immer so glamourös oder nur vor der Kamera?

Glamourös halte ich nicht lange durch. Das geht immer mal für ein paar Tage gut, wenn einer meiner Filme Premiere hat und ich mich in der Öffentlichkeit zeige. Dann gewinnt auch ganz eindeutig das Mädchen in mir die Oberhand. Es macht mir Spaß, all die geliehenen Kleider und Diamanten zu tragen. Privat werden Sie mich allerdings eher in Jeans und T-Shirt antreffen. Ich bin eher schlampig und ziemlich tollpatschig. Deshalb entscheide ich mich häufig für preiswerte Kleidung. Ich kleckere viel ... (lacht). Und wenn ich einen Designer trage, macht mich das immer schrecklich nervös.

Was ist das Geheimnis des Erfolgs? Trotz aller Hindernisse unerschütterlich an sich selbst glauben?

Auch das nützt nicht unbedingt. Denn ich versuche ja immer das Beste zu geben. Erfolg ist von so vielen anderen Faktoren abhängig. Ein sehr wichtiger ist mit Sicherheit Glück. Und davon hatte ich in meinem Leben bisher unglaublich viel.

Hat Sie der Erfolg selbstbewusster gemacht?

Schön wäre es. Verdammt, nein. Im Gegenteil. Ich denke immer, vielleicht waren das jetzt die letzten erfolgreichen Filme meiner Karriere vor einer unendlichen Reihe von Flops. Aber wenn man in diesem Beruf arbeitet, muss man bereit sein zu versagen. Das habe ich akzeptiert und will keine Angst vor Misserfolgen haben. Ich habe andererseits keinen Schimmer, welche Projekte das Potenzial zum Erfolg haben. Ich muss gestehen, bei der Auswahl meiner Filme bin ich absolut egoistisch. Wichtig ist erst einmal, dass ich bei den Dreharbeiten Spaß habe. Erst anschließend hoffe ich, dass das Publikum sich später im Kino auch amüsieren wird.

Meinen Sie das ernst?

Natürlich. Ich habe lieber drei Monate wunderbare Dreharbeiten und am Ende einen schlechten Film als umgekehrt. Tut mir leid, aber so bin ich nun einmal - eine hoffnungslose Egoistin.

Christian Aust

Keira Knightley

Auf ein Gespräch mit Keira Knightley

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