Karl Lagerfeld (†): Wer erbt die Millionen des Designers?

Karl Lagerfeld hinterlässt ein Vermögen von 400 Millionen Euro. Wen er im Testament wohl bedacht hat – und warum die eigene Familie mit keinem Cent rechnet 

Karl Lagerfeld mit seinem Patenkind Hudson Kroenig

Eine Weihnachtskarte an Karl Lagerfeld konnte goldwert sein: Kleine Aufmerksamkeiten waren ihm sehr wichtig. Und erben würden sowieso nur diejenigen, die er mag, stellte er immer wieder klar.

Karl Lagerfeld nannte ihn liebevoll "Prinz". Hudson Kroenig, 12, Sohn von Männermodel Brad Kroenig, 39, lief mit drei Jahren das erste Mal für Chanel über den Laufsteg. Der Designer überhäufte ihn mit Geschenken. Und während er sonst meist abgeklärt wirkte, zeigte er in Hudsons Anwesenheit väterliche Gefühle. Hudson dürfte wohl mit einem Teil des Millionenerbes rechnen. Er selbst sagte mal naseweis: "Alles, was Karl gehört, gehört auch mir."

Karl Lagerfeld: Er soll seinen letzten Willen mehrfach geändert haben

Nach seinem Tod am 19. Februar hinterlässt er ein Vermögen von geschätzt 400 Millionen Euro: Immobilien, Kunst, Unternehmensanteile, Barvermögen. Keiner, der ihn kennt, zweifelt daran, dass er jedes Detail in seinem Testament festgehalten hat. "Es ist alles geregelt", erfährt GALA von einem Vertrauten aus seinem Umfeld. "Auch wenn er immer so tat, als wisse er nicht, was er auf dem Konto hat: Er wusste über jede Rechnung Bescheid, die ein- und ausgeht." Lagerfeld sei eben Hamburger gewesen, und die Hansestadt ist berühmt für ihre Kaufleute. Seinen letzten Willen soll er mehrfach geändert haben. Es reichte schon ein "schräger Blick", um gestrichen zu werden. Oder eben der verpasste Gruß zu Weihnachten.

Zu seinen Verwandten in den USA hatte der Designer keinen Kontakt

Zwischen Lagerfeld und seiner Schwester Christiane Johnson, die 1957 in die USA auswanderte, herrschte mehr als 40 Jahre lang Funkstille. "Sie hat nie über ihren Bruder gesprochen", so Floy Berentsen, eine Freundin aus der Kirchengemeinde in Connecticut. Als Christiane 2015 mit 84 Jahren starb, sei es ihr ausdrücklicher Wunsch gewesen, dass ihr Bruder nicht in der Traueranzeige erwähnt wird, so Pastorin Beth Anderson. Diese Distanz herrschte nicht von Anfang an. Ihrem inzwischen auch schon verstorbenen Sohn gab Lagerfelds Schwester den Namen Karl Arthur. Drei ihrer Kinder leben noch: Caroline Wilcox, 59, Roger Johnson, 53, und Paul Johnson, 52. Aber auch zu ihnen hatte Lagerfeld keinen Kontakt. "Wir kannten Karl nicht wirklich. Daher erwarten wir auch nichts", erklärt Nichte Caroline gegenüber GALA. Bruder Paul fasst sich noch kürzer: "Wir haben dazu nichts zu sagen." Ein Pflichtteil steht den Nichten und Neffen nicht zu. Dass Lagerfeld sie in seinem Testament bedacht hat, gilt als unwahrscheinlich.

Eine Nanny wird sich nun um Choupette kümmern

Als "Wahlverwandte" bezeichnete er immer wieder gern seine Angestellten und Freunde. Insgesamt sieben Patenkinder hatte er, verbunden fühlte er sich aber nur Kindermodel Hudson Kroenig, 12, und dem Kunsthändler Jacob Pabst, 45, Sohn der Hamburger Mode-Journalistin Florentine Pabst. Zu beiden hatte er bis zuletzt ein sehr gutes Verhältnis. Sie dürften großzügig bedacht worden sein. Den Alltag teilte er mit seiner Katze Choupette. Direkt erben kann sie aber nicht. "Tieren fehlt die notwendige Erbfähigkeit", so die Berliner Rechtsanwältin Dr. Cécile Walzer, die sich auf internationales Erbrecht spezialisiert hat. "Er kann ein Testament mit Auflage verfügt oder eine Stiftung eingerichtet haben, die sich um Choupettes Wohlergehen kümmern soll." Wahrscheinlich übernimmt Katzen-Nanny Françoise diese Aufgabe.

Lagerfeld bleibt Chanel über den Tod hinaus verbunden

Weggefährte: Seit 1998 war Sébastien Jondeau, 43, Lagerfelds ständiger Begleiter, sein Leibwächter und persönlicher Assistent. Als Zeichen der Freundschaft soll er ihm zwei Wohnungen in Paris geschenkt haben. 

Enge Mitarbeiter wie PR-Chefin Caroline Lebar und Sébastien Jondeau hat Lagerfeld bereits vor Jahren mit Immobilien und einer Lebensrente versorgt. Dem Hause Chanel bleibt er über den Tod hinaus verbunden. Ein großer Teil seines Erbes könnte in die von dem Modehaus gesponsorte Renovierung des Grand Palais fließen. Lagerfeld, seit 1979 in Monaco gemeldet, war deutscher Staatsbürger mit Lebensmittelpunkt in Frankreich. "Die EU-Erbrechtsverordnung regelt seit 2015, dass nicht mehr die Nationalität, sondern der letzte 'gewöhnliche Aufenthaltsort' des Verstorbenen maßgeblich für die Verteilung des Nachlasses ist", so Anwältin Walzer – falls sich Lagerfeld nicht für sein Heimatland Deutschland entschieden hat.

Mal abgesehen von den juristischen Finessen: Vielleicht versöhnt Lagerfeld posthum sogar noch zwei Streithähne. Choupette und Hudson mochten sich noch nie richtig leiden. Bei einem Notartermin könnten die beiden Frieden schließen.

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©Gala
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