Jeremy Scott: Lagerfelds Thronfolger

Der Modezar liebt den extravaganten Look von Jeremy Scott - und viele Stars tragen mittlerweile seine Entwürfe

Madonna lässt sich von ihm Outfits

auf den zarten Leib schneidern, Lady Gaga verehrt ihn, und Karl Lagerfeld outete sich als Fan - es läuft gut für Jeremy Scott. So schräg wie seine Outfits wirkt der "Jeff Koons der Mode" bei der Präsentation seiner neuen Kollektion für Adidas Originals in Paris jedoch nicht.

Fast schon schüchtern reicht er seine schmale Hand, während des Interviews redet er leise und nachdenklich.

Prinzessin Charlotte

Diesem süßen Hype kann sie nicht widerstehen

Geschafft: Jetzt kann für Prinzessin Charlotte der erste Schultag beginnen. 
Prinzessin Charlotte hat ein Faible für Einhörner: Immer wieder sieht man die kleine Prinzessin mit einem Accessoire in Form des Fabelwesens.
©Gala

Das mag mit am Thema liegen: Mit "Gala" sprach der Designer nicht nur über seine Erfolge, sondern offenbarte auch einen dunklen Moment seines Lebens.

Karl Lagerfeld sagt, Sie wären sein Favorit als Nachfolger bei Chanel. Wow!

Es macht mich wahnsinnig stolz, vom größten Designer unserer Zeit ein solches Kompliment zu bekommen. Ich schätze Karl auch als guten Freund sehr.

Würden Sie den Job machen?

Natürlich. Und ich würde das großartig hinkriegen! (lacht)

Aufgewachsen sind Sie in Missouri, weit weg von Fashion-Metropolen wie Paris oder Mailand. Wie haben Sie dort die Mode für sich entdeckt?

Kleider haben mich schon immer interessiert. Mit 14 habe ich dann angefangen, Modemagazine durchzublättern. Ich dachte: Wow, das ist ja eine ganz andere, sehr inspirierende Welt. Ich wusste gleich, dass ich daran irgendwann teilhaben wollte. Mit 17 stand für mich fest, dass ich Designer werden will.

Sie haben sogar Französisch gelernt, weil Sie unbedingt nach Paris wollten.

O ja. Vier Jahre lang habe ich extra einen Kurs auf der Highschool belegt, war sogar Präsident des Französisch- Clubs an der Schule.

Und dann kamen Sie in Ihre Traumstadt, die es Ihnen nicht einfach gemacht hat. Sie mussten in der Metro schlafen, weil Sie kein Geld hatten.

Ja, es gab Zeiten, in denen ich nicht wusste, wo ich bleiben sollte. Ab und zu bin ich auch bei Freunden auf dem Sofa untergekommen.

Was haben Sie aus dieser Zeit mitgenommen?

Ich bin belastbarer geworden, mich wirft nichts mehr aus der Bahn. Und ich habe gelernt, großzügig zu sein. In meinem Haus sind alle, die ich kenne, herzlich willkommen. Ich weise niemanden ab.

Viele Ihrer Designs zeigen Knochen oder Pandabären - gehen Sie in den Zoo, wenn Sie Anregungen brauchen?

Nein. (lacht) Das ist Popkultur. Die Knochen habe ich nie mit Tieren in Verbindung gebracht, sie stammen aus Cartoons.

"Adidas Originals by Jeremy Scott" heißt die Kollektion, die Scott seit 2003 sehr erfolgreich entwirft. Für Herbst/Winter 2012 kreierte er unter anderem diese Turnschuhe "Wings" (ca. 300 Euro) und eine Damen-Kapuzenjacke mit Stoffbären(ca. 400 Euro), erhältlich unter www.adidas.com und in ausgewählten Stores

Ich mag die vielen Plüschtiere in Ihren Kreationen.

Ich auch. Ich war der erste Designer, der sie so verarbeitet hat. Sie sind eine Art Erkennungszeichen für meinen Look geworden.

Erinnern Sie sich an Ihr erstes eigenes Stofftier?

O ja, das war der Bär meines Vaters, den meine Großmutter für ihn gemacht hatte. Und dann habe ich ihn bekommen. Er hieß einfach Teddy. Heute habe ich keine Plüschtiere mehr - nur noch Bart-Simpson-Artikel, die liebe ich sehr.

Was macht Mode so wichtig für Sie?

Ich weiß gar nicht, ob sie so wichtig für mich ist. Ich mag aber alles, was damit zusammenhängt: ein Stück Stoff in der Hand zu halten, etwas zu entwerfen und mit Menschen darüber zu diskutieren.

Wenn Mode nicht Ihre Nummer eins ist, was dann?

Ein guter Mensch zu sein. Ich versuche, ein guter Freund, Bruder und Sohn zu sein. Das kostet natürlich viel Arbeit - und vor allem Zeit. Und davon habe ich sehr wenig. Aber ich strenge mich an. Sollte ich jemals wieder Hilfe brauchen, wünsche ich mir ja auch, dass jemand für mich da ist.

Ihre Sneaker für Adidas haben Sie mit Flügeln dekoriert. Ein Symbol für Freiheit?

Ich finde es gut, dass Sie darin Freiheit erkennen. Daran habe ich noch gar nicht gedacht, die Interpretation überlasse ich dem Betrachter. Ein Basketballspieler würde vielleicht denken, dass die Flügel ihn beim Sprung weiter nach oben tragen. Andere fühlen sich an Engel erinnert.

Katy Perry und Rihanna tragen Ihre Looks. Was geht in Ihnen vor, wenn Sie das erleben?

Ich fühle mich glücklich. Ich entwerfe sehr gerne Mode für Menschen, deren Musik ich mag und die ich persönlich schätze. Dass ich Teil ihres Lebens sein darf, freut mich.

Sie haben auch Bühnenoutfits für Madonna designt. Wie lief die Zusammenarbeit ab?

Mode-Stil

Stars lieben Chanel

Alexa Chung wird oft in Schwarz-Weiß-Kombinationen von Chanel gesichtet.
Diane Kruger trägt ihre Jacke von Chanel ganz lässig mit einer Jeans.
Flatterhaft: Emma Roberts in einem Tweedkleid mit Feder-Applikationen.
Auch Emma Stone setzt auf gekonntes Design von Chanel.

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Madonna hat eine sehr präzise Vorstellung davon, wie die Kleider für ihre Tour aussehen sollen. Also trafen wir uns im Vorfeld, und sie erklärte mir ihre Vision. Ich entwarf einen Prototypen, sie testete, wie er sich anfühlt und wie gut sie sich darin bewegen kann. So fanden wir nach und nach das ideale Outfit.

Auch Ihre eigenen Outfits sind sehr kreativ zusammengestellt. Tragen Sie nur selbst Entworfenes?

Meist ja. Das ist mit ein Grund, weshalb ich designe: Ich möchte Sachen kreieren, die ich selbst anziehen mag.

Sie leben heute in Los Angeles, der Heimat von Donald Duck und Micky Maus. Besuchen Sie Disneyland häufig?

Nein, aber ich muss unbedingt mal wieder hin. Noch cooler finde ich Bart Simpson, er kommt in meiner neuen Kollektion häufig vor. Er ist der ultimative Teenager!

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